Schwarzes Kleid mit Perlen

perlen
Eine Frau mittleren Alters verlässt Mann und Kinder um mit ihrem Geliebten zu sein. Doch so einfach ist das nicht. Der geliebte Coenraad ist Agent einer geheimen Organisation, welcher Art werden wir nie erfahren, und sprunghaft global unterwegs. Stets in geheimer Mission und undercover. Dass er eine Geliebte hat, darf niemand wissen. Um sich dennoch regelmässig zu sehen, entwickeln die beiden ein ausgeklügeltes System, einen Code aus versteckten Botschaften zwischen den Zeilen, zum Beispiel des National Geopraphic Magazins. Coenraad hinterlässt eine Botschaft und lässt sie Shirley zukommen. Sie entschlüsselt seinen Aufenthaltsort, Zeit und Treffpunkt, macht sich auf und reist ihm hinterher um sich in der Stadt, wo er gerade stationiert ist, im Hotelzimmer für ein paar Stunden in die Arme zu fallen. Ein aufreibendes Unterfangen. Ein grosses Warten an Flughäfen, in Hotellobbys und Museen. Ziellose Streifzüge. Shirley ist frustriert und doch ist es halb so schlimm. „Ich habe immer etwas worauf ich mich freue“. Manchmal treffen sie sich auch unter Menschen. Doch in der Öffentlichkeit ist Coenraad stets perfekt getarnt, fast bis zur Unkenntlichkeit. Oft erkennt sie ihn erst auf den zweiten Blick, bzw. „an der Art wie er dasteht und ich mich fühle.“

Auf den ersten Blick zeichnet uns Helen Weinzweig eine Frau in Abhängigkeit. Der Ausbruch aus ihrer Ehe, die sie als einengend und Zumutung empfindet, gelingt nur bedingt. Sie findet sich zwar in abenteuerlichen Verhältnissen wieder, doch auf ihre Kosten kommt sie nicht wirklich. Sie verbringt die meiste Zeit wartend, spazierend, sinnierend und mit sich. Dahin führt die Reise schlussendlich auch. Das nächste Treffen findet ausgerechnet in Toronto statt, wo ihre verlassene Familie lebt. Sie beschliesst anzuklopfen. Und wird überrascht.

Helen Weinzweig (1915-2010) hat diesen Roman mit 65 Jahren geschrieben, das Original erschien 1980 in Kanada. 2019 gibt der Wagenbach Verlag die erste deutsche Übersetzung heraus, zum Glück und endlich! „Schwarzes Kleid mit Perlen“ ist so leichtfüssig wie modern und wird von einer ganz eigenen Stimme getragen. Der Graubereich zwischen Realem und Surrealem ist ein wunderbarer Ort. Ihn lesend zu erkunden ein herrliches Vergnügen.

 

Vanja Hutter

 

Schwarzes Kleid mit Perlen, Helen Weinzweig, Wagenbach Verlag
hier einkaufen

Kleiner Frühling, grosse Vorfreude

klf2

Holt euch das Programm im Bücherladen oder hier Kleiner Frühling

Klf

Wir freuen uns auf ein buntes Treiben.

Maigedicht

Ob rechts die Vögel fliegen oder links,
Die Sterne so sich oder anders fügen,
Nicht Sinn ist in dem Buche der Natur.
Die Traumkunst träumt, und alle Zeichen trügen.

Friedrich Schiller

 

In: „Virtuosen der Lüfte“. Vögel in Bild und Gedicht, Reclam 2019.

Hallo, hier kommt Lucy

ichliegeLucy Adler liebt Basketball und ihren besten Freund Percy. Mit typischem Mädchencliquenzeug kann sie so gar nichts anfangen. Percy leider schon: Seine Freundinnen sind hübsch, liebenswert und darauf bedacht, Männerträume zu erfüllen. Im New York der 90er versucht Lucy herauszufinden, was sie eigentlich will. Und erfährt, dass nicht mit jedem gelebten Traum ein Wunsch in Erfüllung geht.
Ich mag Lucy, ich mag es (Lese-) Zeit mit ihr zu verbringen, an ihren Leidenschaften teilzuhaben und mit ihr auf der Suche zu sein. Ein tolles Buch für Jungs und Mädels ab 14, die sich Gedanken über ihren Platz in der Welt machen.

Melina Cajochen

Dana Czapnik, Ich werde fliegen, Heyne Verlag 2019

 

EINKAUFEN

Aufblühende Fontäne

Bis in die geheimsten Winkel wehen die Samen. Fallen in die Ritzen, keimen auf. Am Samstag die verstohlenen Orte aufsuchen, entdecken und zuhören. Gianna Molinari in der alten Textilfabrik, Jvana Manser zwischen Druckerpressen der Appenzeller Druckerei. Usama al Shamani und Irena Brežná sind auch versteckt. Die Autoren und Autorinnen bringen je einen Gast mit und erzählen aus ihren neuesten Büchern.

Währenddessen für die Kleinen ein Abenteuer mit Tschaggomo dem Zuckerbäcker, dem Riesen Karak und vielen Überraschungen.

Speis und Trank und reger Austausch immer wieder im Treibhaus!

Die Fontäne geht am Abend los: Walsichtung in Appenzell! Tanja Malijartschuk liest aus ihrem neuesten Buch „Blauwal der Erinnerung“. Im Anschluss tanzen mit den „Lucky Camels“ in die Nacht.

KLF19Samstag

Bald – Lesung mit Peter Stamm und Anna Stern

Donnerstag 25. April um 19.30 Uhr im Kino Rosenthal, Schulhausstrasse 9 in Heiden
Eintritt frei, Kollekte

Mit frischen Büchern, die gegen- und vielleicht auch mitgelesen werden. Und mit Gespräch. Wir sind da, mit Sack, Pack und Büchertisch, und lassen uns von der Gegenlese überraschen!

plakat-lesung-20190425-web

Von Juni bis August

17Sommer

Ein Sommer in den 1930er Jahren. Ein Sommer in siebzehn Jahre junger Haut. Ein Sommer eingebettet zwischen Glücksgefühlen, grosser Liebe, Sehnsucht und Abschiedsschmerz. Eine Protagonistin, die so authentisch wirkt, als wäre es die gute Freundin von nebenan. Der Klassiker, der nach 77 Jahren bei Kein & Aber diese Woche frisch erscheint.

Sich mit Frühlingsgefühlen in den Sommer träumen, sich fühlen wie damals mit siebzehn Jahren und sich freuen auf die wärmer werdenden Tage!

Noemi Lieberherr, Lernende

 

EINKAUFEN

Bald – Helen Meier – Geburtstagsfeier und Buchvernissage

Mittwoch 17. April um 17 Uhr im Festsaal der Kantonsbibliothek im Gemeindehaus, Landsgemeindeplatz 1 in Trogen

Mit Franz Hohler, Charles Linsmayer, Margrit Bürer und, natürlich, Helen Meier.

meier_def

Sie sind in vieler Hinsicht überraschend, die Märchen, die Charles Linsmayer in Helen Meiers Vorlass entdeckt hat und die sie als junge Lehrerin um 1956/57 als allererste literarische Arbeit geschrieben hat. Nixen, Drachen, Zauberer, unglücklich Liebende treten da auf, in Texten von überbordender Phantasie und erstaunlicher Sprachkraft. Und doch sind hinter der vordergründigen Lieblichkeit und Harmlosigkeit bereits jene Abgründe erahnbar, die später das Radikale, Kompromisslose von Helen Meiers Schreiben untermauern werden.

Eine wunderbare Gelegenheit, eine der interessantesten Autorinnen unserer Region zu erleben! Und von unserem Büchertisch ein Stück ihrer Klarsicht und Ausdruckskraft mit nach Hause zu nehmen.

 

 

 

 

Eine schrecklich gute Geschichte einer abscheulichen Familie

Familie.jpg

Familie Willoughby, das sind vier Kinder mit ganz schrecklich bösen Eltern. Diese Eltern gehen auf eine gefährliche Weltreise und kommen dabei ums Leben. Für die Kinder ist das eine ganz wunderbare Botschaft, weil sie mittlerweile von einem sehr liebevollen Kindermädchen betreut werden. Zur gleichen Zeit erzählt die Geschichte von Mister Melanoff, einem Milliardär, der seit langem deprimiert ist, weil seine Frau, die er nicht so besonders mochte und sein Sohn, den er umso mehr ins Herz geschlossen hatte, durch eine Lawine verschüttet worden sind und nie gefunden wurden. Dieser griesgrämige Milliardär findet eines morgens ein Baby vor seiner Haustür. Dieses kleine Mädchen erweicht sein Herz. Er lässt seine riesengrosse Villa endlich putzen, isst wieder regelmässig, kauft für das Kind alle möglichen Spielsachen und kümmert sich ganz liebevoll um das kleine Kind. Gleichzeitig werden in den Schweizer Bergen eine Frau und ein Junge aus einer Lawine geborgen. Die Frau findet die Schweizer Berge, vor allem den Postboten dort, ganz wunderbar, sie will um keinen Preis zurück. Der Sohn aber hat Heimweh nach seinem früheren Leben, vor allem sehnt er sich nach seinem Vater, der mit einer Erfindung von speziellen Schokoriegeln zum Milliardär geworden war. Man ahnt es beim Lesen mit jeder Seite mehr: Bei dieser verzwickten Geschichte führt irgendwann eins zum andern und kommt es buchstäblich zu einem Happyend, wie es im Buche steht.

Lois Lowry hat ein bemerkenswertes Buch geschrieben, dies in vielerlei Hinsicht: Da sind diese schrägen Figuren, die sich in einer altmodischen Welt so wohlerzogen und doch selbstbewusst bewegen, da ist das freche Spiel mit Klischees, vor allem, was Waisenkinder und die Schweizer Bergwelt betrifft, da sind diese vielen Übertreibungen und ein stellenweise wirklich schwarzer Humor. Durch die vielen Erzählstränge und Handlungsorte ist diese Geschichte nicht ganz einfach, sie eignet sich aber trotzdem hervorragend zum Vorlesen, weil Kinder wie Erwachsene immer wieder zum Lachen kommen und weil die verschiedenen Schauplätze durch eine klare Gliederung der Kapitel gut zu unterscheiden sind. Ein Buch für alle, die schräge, unkonventionelle und spannende Geschichten lieben. Für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Maria Riss

Lois Lowry, Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby, dtv 2019.

 

EINKAUFEN

Kunstgewächse in Pavillons …

… am kleinen Frühling! Roman Signer, Muda Mathis & Sus Zwick, Markus Müller und Ursula Palla gestalten je einen Raum – das gibt: Ein Kunstrundgang à 4 Pavillons im Dorf Appenzell. Extraklasse!

Und für die Kids gibt’s mit, aus und rund um die Pavillons: Das Kinderkunstprogramm vom kleinen Frühling.

KLF19Freitag

Programmhäppchen Nummer drei ist angerichtet und kommt alsbald.

Es spriesst im kleinen Frühling …

… der letzte seiner Art. Und als erster liest: Lukas Linder aus seinem neusten Roman.

6Juni

Programmhäppchen Nummer zwei folgt alsbald.

 

 

 

Aprilgedicht

Der Meister A. Sade

Wenn ihr erkannt habt
dass der tiefe Orgelpunkt
den ihr tief da unten
wahrnehmt
in den Kellergewölben
der eigenen Existenz
nicht der Grundton der Angst ist
sondern eure Zugehörigkeit
zu jeder Saite
die vibriert –
versucht dann nicht
aus dieser Erkenntnis
eine Weisheit zu machen.
Denn dann verschwindet sie.

Lars Gustafsson

 

Larst Gustaffsson, Etüden für eine alte Schreibmaschine, Hanser 2019.

Rückblick – Ein Buch gibt zu reden

Im gut gefüllten Ditze Rössli haben am Donnerstagabend kulturinteressierte Appenzeller*innen und Gaiser*innen der von Marco Fritsche beschwingt moderierten Gesprächsrunde gelauscht, die zum Auftakt von «Appenzell liest» und dem BuchKunstFest «kleiner Frühling» organisiert wurde. Unterhaltsam, witzig, zuweilen ernst und immer voller Elan haben Rahel Stieger van Dam, Rahel Ulmann, Daniela Lassonczyk und Lino Pinardi das Romandebüt des Schweizer Autors Lukas Linder «Der letzte meiner Art» – unser Dorfbuch – diskutiert und Lust auf mehr geweckt. Lust darauf, den Autor persönlich am Donnerstag 6. Juni am «kleinen Frühling» kennenzulernen und ihm alle Fragen zu stellen, die noch unbeantwortet geblieben sind. Und Lust auf die vielen anderen Programmhöhepunkte, die Agathe und Carol im Anschluss an das Gespräch schon verraten haben. Wir freuen uns mit euch die Nase in Bücher zu stecken. Das Lesen geht weiter!

Livetalk mit Anastasia Zampounidis

Freitag 22. März ab 18 Uhr im Hotel Blaue Krone Brülisau
Eintritt 20 Franken, inkl. Apéro und ein Getränk

Als ersten Gast auf der blauen Couch empfängt die Blaue Krone Anastasia Zampounidis – erfolgreiche Moderatorin und Autorin. Seit zehn Jahren ernährt sie sich völlig zuckerfrei und stellt unter Beweis, wie sehr es sich lohnt auf seine Ernährung zu achten. Über ihre Karriere und ihre Bücher spricht Anastasia Zampounidis mit Moderatorin Elke Cappellari.

Anmeldung unter support@aquapresen.ch oder +41 81 740 13 93

Unsere Lernede Noemi Lieberherr macht den Büchertisch und freut sich auf einen spannenden Abend.

 

Zampu

 

Bald – Buchrunde mit Marco Fritsche

button

 

Donnerstag 21. März, 19.30 Uhr, im Rössli Postplatz in Appenzell

Moderation
Marco Fritsche

Gäste
Daniela Lassonczyk, Rahel Stieger van Dam, Rahel Ulmann, Lino Pinardi

 

Jung, alt, Frau, Mann liest „Der letzte meiner Art“ von Lukas Linder. Und erzählt davon. Marco Fritsche hakt nach, deckt auf und kitzelt heraus. Wir freuen uns auf einen fröhlich-hintersinnigen Frühlingsanfang mit euch! Denn: Appenzell liest – Gais liest mit!

Ohne Anmeldung, Eintritt frei.

 

 

Mein ich mit dir

untermenschen

Wil hat sich entschieden: Sie möchte raus aus der Stadt, auf einen Bauernhof und ihre Ruhe haben. Weg von Mutter, weg vom Lärm und endlich das machen, was sie will. Da kommt diese Anzeige von Jan gerade recht: „Bauernsohn sucht Frau. Wohnt allein. 80 HA“. Die beiden ziehen zusammen.
Mathijs Deen erzählt von zwei Menschen, die nicht wissen, wie sie sich unter Menschen wohl fühlen können. Und die in der Einsamkeit dieses Bauernhofs am Deich ihr eigene ausfüllen lassen müssen, wollen sie nicht durchdrehen. Karg, spröde und ab und zu von Stürmen durchschüttelt nähern sich die beiden an. Und finden heraus, dass sie nicht überflutet werden, wenn sie Türen öffnen.

Melina Cajochen

 

Mathijs Deen, Unter den Menschen, Mare Verlag 2019

 

EINKAUFEN