Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendbuch

Immer wieder Pünktchen und Anton

Die Geschichte von Pünktchen und Anton erschien erstmals im Jahre 1931. Erich Kästners Buch ist aber nach wie vor aktuell und zudem sehr spannend zu lesen. Obwohl Pünktchen und Anton in zwei völlig verschiedenen Welten leben, haben sich die beiden angefreundet, helfen sich gegenseitig und tun Dinge, um nicht nur sich selber zu helfen, sondern auch um die Welt ein bisschen besser und gerechter zu machen. Und sie sind den meisten Erwachsenen in dieser Geschichte haushoch überlegen, in schier jeder Beziehung. Erich Kästner hat vor fast hundert Jahren schon gewusst, was Kinder fasziniert. All seine Geschichten erzählen von mutigen Kindern, sie sind spannend, klug, oft witzig geschrieben und sie vermitteln allesamt eine Moral. Der Autor vermittelt diese Botschaften aber nicht versteckt in seinen Geschichten. Er kommuniziert diese im vorliegenden Buch klar und offen nach jedem Kapitel. Es sind deutlich von der Geschichte getrennte Fragen zum Nachdenken, die er den Leserinnen und Lesern stellt. Fragen nach den Figuren, deren Handlungsweisen, Fragen um Werte und darum, was im Leben wirklich wichtig ist. Natürlich haben sich die Lebensumstände seit damals verändert, vor allem auch jene der Frauen. Aber gerade beim gemeinsamen Lesen ergeben sich Möglichkeiten, mit Kindern ins Gespräch zu kommen, sie für solche Themen zu sensibilisieren. Und zwischendurch – im ganzen Buch verteilt – gibt es viele Stellen, bei denen man lachen oder sich wundern kann über diese Welt, ganz ohne Internet und Smartphones.

Weil es sich lohnt, Klassiker mal wieder zu lesen, zumal dann, wenn sie inhaltlich und sprachlich so viel bieten und absolut nicht veraltet wirken, sei dieses wunderbare Buch allen wärmstens empfohlen. Am meisten werden Kinder diese Geschichte geniessen können, wenn sie vorgelesen wird, wenn man gemeinsam über die damaligen Lebensumstände redet, wenn man zusammen über all die vielen Fragen zum Nachdenken diskutiert.

Für Kinder ab etwa 9 Jahren genauso wie für Erwachsene.

Maria Riss

Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner, Atrium Verlag

Nora und der Grosse Bär

Manchmal, an langen Winterabenden, erzählen die Jäger vom Grossen Bären, den sie in diesem Jahr endlich finden wollen. Nora will unbedingt mit auf diese Bärenjagd, ganz egal, wie sehr die Jäger sie deshalb verspotten, weil sie viel zu klein sei, um tagelang im Wald zu überleben. Nora weiss, was sie will und setzt dies auch durch. Eines Tages ist es endlich soweit: Zusammen mit einem Dutzend Jäger zieht Nora in den riesengrossen Wald. Hier lernt sie Fallen zu bauen, Tierstimmen zu unterscheiden und Fährten zu lesen. Immer wieder hat sie das Gefühl, beobachtet zu werden. Sie ist sich sicher, der Grosse Bär, der muss ganz in der Nähe sein. Obwohl mittlerweile alles tief verschneit ist, macht sie sich auf die Suche nach ihm. Bald schon hat sie sich im tiefen Wald verlaufen. Es wird dunkel, sie friert und hat grossen Hunger. Da bemerkt sie einen grossen Schatten vor dem Mondlicht – und da steht er tatsächlich vor ihr, dieser mächtige Grosse Bär. Hoch in den Himmel ragt er, unvorstellbar gross. Nora schaut zu ihm hoch, blickt ihm in die Augen. Je länger das dauert, desto weniger Angst hat sie. Der Grosse Bär lässt sich auf seine Pfoten nieder und trottet davon. Er bleibt stehen, scheint zu warten, bis Nora ihm folgt. Schweigend tapsen die beiden durch die Nacht. Plötzlich ist der Bär verschwunden und Nora sieht das Licht des Lagerfeuers. Der Bär hat sie zurück zum Lager geführt. Die Jäger sind so erleichtert, dass sie nicht einmal schimpfen. «Ich habe den Grossen Bären gefunden», erzählt Nora, «er ist so alt wie der Wald und genauso schön.»

Dieses grossformatige Bilderbuch ist endlich, nach fast dreissig Jahren, wieder erhältlich. Ute Krause ist nicht nur eine begabte Autorin, sie versteht es auch meisterhaft, Gefühle, Stimmungen und Perspektiven in Bilder zu fassen. Man gerät wie die kleine Nora ins Staunen, wird ganz still und auf eine besondere Weise ehrfürchtig, wenn man sich diese Bilder anschaut. Kindern wird es nicht anders ergehen. Ein fantastisches, eindrückliches Bilderbuch mit einer spannenden und überaus menschlichen Geschichte für Kinder ab etwa 5 Jahren genauso wie für Erwachsene.

Maria Riss

Von Ute Krause: „Nora und der Grosse Bär“, Gerstenberg Verlag 2021.

Optimisten sterben früher

Seit dem Tod ihrer kleinen Schwester ist für Petula nichts mehr, wie es einmal war. Sie hat Mauern um sich gebaut, ganz hohe und mächtige. Sie traut sich kaum mehr nach draussen, denn dort lauern so viele Gefahren. Auf dem Schulweg macht sie gar weite Umwege, um der Schnellstrasse und der bedrohlichen Baustelle auszuweichen. Petula sieht alles nur noch schwarz, fühlt sich schuldig und will überhaupt keinen Kontakt mehr zu andern haben. In die Therapiegruppe geht sie nur, weil sie von der Schule und ihren Eltern dazu gezwungen wird. Anfangs hat sie grosse Mühe, als dieser Jacob, ein neuer Mitschüler, in ihrer Therapiegruppe auftaucht. Aber Jacob bringt mit seiner offenen, sympathischen Art endlich etwas Leben in die Gruppe. Alle trauen sich plötzlich, öfter über ihre schlimmen Erlebnisse, ihre Ängste und Schuldgefühle zu sprechen. Bald kann Petula es nicht mehr leugnen: Sie hat sich in Jacob verliebt, obwohl sie so etwas niemals wollte. Immer häufiger verbringen die beiden die Nachmittage miteinander und ganz langsam kann Petula kleine Fenster in ihren Mauern öffnen. Das geht so lange gut, bis Jacob endlich den wahren Grund seiner psychischen Probleme gesteht. Alle hat er bisher angelogen, auch Petula. Aber sie hat sich in den letzten Wochen verändert, ist stärker geworden und weiss, dass Verzeihen zum Leben dazugehört und dass sie um keinen Preis wieder in ihr Mauerverlies zurückwill.

Susin Nielsen erzählt in diesem Buch davon, wie schwer es sein kann, nach schlimmen Erfahrungen wieder Mut zu fassen und seinen Platz in der Welt zu finden. Petula erzählt ihre Geschichte selber und lässt Lesende ganz nah teilhaben an ihrem Kampf gegen Schuldgefühle und ihre allgegenwärtigen Ängste. Ihre Gedanken und Gefühle sind intensiv, nachvollziehbar und vor allem glaubhaft. Es ist beeindruckend, wie Petula es schliesslich schafft, nicht nur für sich, sondern auch für ihre Umgebung, einen kleinen Lichtschimmer einzulassen, so dass wichtige Veränderungen möglich werden. Ein Buch, dem man ganz viele jugendliche Leserinnen und Leser wünscht.

Maria Riss

Susin Nielsen „Optimisten sterben früher“, Urachhaus 2021.

Lahme Ente, blindes Huhn

Eines Tages stolpert ein blindes Huhn ins sichere Gehege einer lahmen Ente. Blindes Huhn will unbedingt Abenteuer erleben, will da hinwandern, wo alle Wünsche in Erfüllung gehen. Lahme Ente wäre da eine ideale Reisebegleitung, weil blindes Huhn ja eine Art Blindenhund braucht. Lahme Ente ist überhaupt nicht begeistert, ihr sicheres Zuhause zu verlassen, lässt sich aber schliesslich doch überreden. Wünsche sind wichtig, auch wenn es nur diejenigen eines blinden Huhns sind. So machen sich die beiden auf den Weg. Am Anfang geht alles gut, aber je weiter sie kommen, umso gefährlicher wird diese Wanderung und umso anstrengender auch. Natürlich geraten sie immer wieder in Streit, aber das Versöhnen danach ist umso schöner. Beide verändern sich auf dieser waghalsigen Reise: Lahme Ente wird mutiger und lernt von Huhn sogar das Tanzen. Blindes Huhn entdeckt, dass nachdenken und ausruhen manchmal wichtig ist und dass sich dabei Wünsche auch verändern können. Beide spüren, wie lieb sie sich gegenseitig werden und dass sie richtig gute Freunde geworden sind. Ja, und ganz zum Schluss, da kommt es zum Eklat: Lahme Ente hat blindes Huhn nämlich die ganze Zeit an der Nase herumgeführt. Die beiden haben das sichere Gehege niemals verlassen, sind im Kreis gewandert und haben doch so unsagbar viel erlebt und gelernt.

Leserinnen und Leser gehen, genauso wie das blinde Huhn, der Ente auf den Leim. Aus diesem Grund ist das Buch überaus spannend, man hat gemeinsam mit dem blinden Huhn Angst vor der tiefen Schlucht oder hat Mitleid mit der Ente, weil sie schon so müde ist und mit ihrem lahmen Bein kaum den Berg hinaufkommt. Natürlich erinnert der Plot an die berühmte Geschichte von Janosch über Panama. Diesmal allerdings sind Lesende nicht klüger als das blinde Huhn und lassen sich von der lahmen Ente genauso zum Narren halten. Einmal mehr hat Ulrich Hub ein tiefsinniges, amüsantes und auch spannendes Buch geschrieben. In diesem Fall eine Art Parabel über all das, was im Leben wirklich wichtig ist. Jörg Mühle hat diese kluge, sinnige Geschichte einmalig passend illustriert. Das Buch eignet sich sehr gut zum Vorlesen für Kinder ab etwa 7 Jahren.

Maria Riss

Ulrich Hub und Jörg Mühle (Illustrationen): „Lahme Ente, blindes Huhn“, Carlsen Verlag 2021.

Evie und die Macht der Tiere

Evie besitzt eine seltene Gabe: Sie kann die Gedanken der Tiere lesen und sich mit ihnen unterhalten. Alles beginnt mit dem Schulkaninchen, das sich bei Evie über den jämmerlichen Käfig beklagt. Kurzerhand wird das Kaninchen nun befreit, hinaus in den Wald soll das arme Tier. Dies natürlich sehr zum Ärger des Schuldirektors. Auch Evies Vater ist deswegen böse und verbietet ihr ab sofort, mit irgendwelchen Tieren Kontakt aufzunehmen, denn dies sei extrem gefährlich, meint er. Aber Evie kann doch nicht einfach zusehen wie ein kleiner Junge, der im Zoo in den Löwenkäfig gefallen ist, angegriffen und gefressen wird! Also nutzt sie ihre Gabe immer wieder, sie kann nicht anders. Natürlich erfährt die Presse davon und Evie wird mit einem Schlag berühmt. Sie weiss jedoch nicht, dass Mortimer hinter ihr her ist, dass dieser Typ ebenfalls dieselbe Gabe besitzt und Evie vernichten will. Mortimer macht nämlich Tiere gefügig, benutzt sie und will mit deren Hilfe die Welt beherrschen. Bald verschwinden auf unerklärliche Weise sämtliche Haustiere in der Gegend. Jetzt muss Evie handeln und zwar sofort. Dass dies ziemlich gefährlich wird, versteht sich von selbst. Aber Evie ist überaus mutig und sie kann, wenn es wirklich darauf ankommt, auch auf ein paar kluge, unbestechliche Freundinnen und Freunde aus dem Tierreich zählen.

Matt Haig hat ein Buch geschrieben, das alle Kriterien für ein wirklich gutes Kinderbuch erfüllt: Eine überaus packende Handlung mit vielen unvorhersehbaren Wendungen, die richtige Menge Humor und eine Protagonistin, die man gleich zu Beginn schon ins Herz schliesst. Hinzu kommt, dass die Geschichte an manchen Stellen tiefsinnig ist und voll von wichtigen Einsichten. Das Buch ist klar gegliedert und mit ganz wundervollen Zeichnungen illustriert. Ein Lese- und Vorlesevergnügen für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Das Buch ist auch als Hörbuch, genial gesprochen von Rufus Beck, erhältlich.

Maria Riss

Matt Haig: Evie und die Macht der Tiere, Hanser 2021.

Heisse Tipps und kühle Brise

Maria empfiehlt…

Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)“ von Leslie Connor

Leslie Connor hat ein wunderbares, tiefgründiges Buch geschrieben, das zurecht in Amerika schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Wenn es ein lesenswertes und spannendes Buch über Diversität, über Integration und gegenseitigen Respekt gibt, ist es ist wohl diese «ganze Wahrheit» von Mason Buttle. Man könnte den Inhalt dieses Buches auch als ergreifende Lektion in Sachen Menschlichkeit bezeichnen. Für Menschen ab etwa 12 Jahren.

„Dulcinea im Zauberwald“ von Ole Könnecke

Dulcinea ist ein überaus mutiges Mädchen, dass sich ganz allein ins Schloss der fürchterlichen Hexe traut, um ihren Vater zu befreien. Ole Könnecke hat ein witzig freches modernes Märchen geschaffen, mit wundervoll klaren Bildern, die den leicht lakonischen Text wunderbar ergänzen. Spannung und Witz zum Vorlesen ab etwa 5 Jahren.

„Mats & Milad“ von Eva Rottmann

Die junge, bereits mehrfach ausgezeichnete Autorin aus der Schweiz hat eine berührende und gleichzeitig sehr spannende Liebesgeschichte geschrieben. Im Buch geh es nebst diesen wundervollen Gefühlen aber auch um Toleranz, um gegenseitigen Respekt und darum, für die eigene Meinung einzustehen. Für Jugendliche.

„Igel und Schnuff“ von Lauren Castillo

Ein mächtiger Sturm hat den kleinen Stoffhund, Igels allerbesten Freund, einfach fortgeweht. Natürlich macht sich Igel sofort auf den Weg, seinen treuen Begleiter zu suchen. Das Bestechende an diesem kleinen Band sind die Einfachheit der Geschichte, die Reduktion auf das Wesentliche und die wunderbaren Bilder, die das Verstehen nicht nur unterstützen, sondern auch erweitern. Ein ideales Vorlesebuch für ganz kleine Kinder.

Starke Bücher für Kinder gross und KLEIN

Unser Laden ist ein Überraschungsei. Voll mit tollen, frischen Neurescheinungen für jede Lese- und Lebenslage. Umso besser und schöner, können wir endlich wieder ganz für euch da sein – wir haben euch vermisst!

Maria Riss hat schon ein paar Perlen raussortiert..

Judith Kleinschmidt: Sofabanditen oder die verrückte Befreiung der Hühner

Ada ist 9 Jahre alt. Sie hat sich selten dermassen mies gefühlt wie an diesem Morgen. Der Umzugswagen steht vor der Tür, vollbepackt mit Möbeln. Ada will nicht umziehen, sie liebt ihr Zimmer und sie wird am neuen Ort noch mehr Mühe haben, Freundschaften zu knüpfen. Ihre Eltern suchen die letzten Habseligkeiten zusammen, während Ada schon mal in den Umzugswagen klettert. Was sie da allerdings sieht, verschlägt ihr erstmal die Sprache. Ein Schaf sitzt am Steuer, mit einer grossen Zigarre im Mundwinkel. Es grinst Ada an und meint: «Ich bin Lilli. Lust auf ein richtiges Abenteuer?» Bevor Ada antworten kann, gibt das Schaf Gas und fährt los, raus aus der Stadt. Schaf Lilli hat eine Mission, es will die Hühner einer riesigen Farm befreien und Ada soll ihr dabei helfen. Was Ada an der Seite des tollkühnen Schafs erlebt, das wird ihr später wohl niemand je glauben. Ada fühlt sich neben Lilli aber plötzlich unheimlich stark und sie erlebt, dass man Dinge verändern kann, auch wenn dies zuerst unmöglich erscheint. Nach einer Fahrt voller Überraschungen und komischer Zufälle kommt schliesslich wirklich alles gut: Ada und ihre Eltern ziehen in ein altes Haus, wo es genug Platz für Schafe und Hühner gibt. Hier kann Ada nicht nur mit ihrer heissgeliebten Lilli zusammenleben, sondern sie lernt auch den gleichaltrigen Pepper kennen, der bald zu einem treuen Freund wird.

Judith Kleinschmidt hat ein witziges und vor allem spannendes Buch geschrieben. Viele Kinder werden sich in Ada wiederfinden, dieser anfangs miesepetrigen Heldin, die sich aber im Lauf der Geschichte so sehr verändert, mutiger wird, endlich über ihre Sorgen reden kann und lernt, sich für ihre Bedürfnisse zu wehren. Die Geschichte ist ziemlich schräg, aber das ist ja gerade das Wunderbare an Geschichten, dass darin Unmögliches passieren kann. Das Buch ist gleichzeitig aber auch berührend, weil es von einem Mädchen erzählt, das es momentan nicht eben leicht hat und ganz dringend Unterstützung braucht – auch wenn diese von einem verrückten Schaf kommt. Ein Lese- und Vorlesevergnügen, illustriert mit vielen grossartigen, schwungvollen Bildern für Kinder ab etwa 9 Jahren.

hier bestellen und loslesen!

Malin Klingenberg: Elchtage

Nach den langen Sommerferien ist alles anders. Johannas beste Freundin Sandra verbringt ihre Freizeit lieber mit den beliebtesten Mädchen der Klasse, interessiert sich nur noch für Nagellack, schicke Klamotten und Jungs. Johanna vermisst die wunderschönen Tage mit Sandra im Wald, wo sie früher zusammen so viel Zeit in ihrer selbstgebauten Hütte verbracht haben. Jetzt ist Johanna stets alleine in der Waldhütte. Stundenlang beobachtet sie dort die Tiere und eines Tages, da kommen sie: zwei riesige Elche. Ganz nah ist Johanna ihnen und das ist zum Fürchten schön. Mit jedem Tag traut sich Johanna näher an die Tiere heran und bald kann sie die Elche sogar streicheln. Die Elche im Wald, das soll vorderhand Johannas Geheimnis bleiben. Es hilft ihr, sich in der Schule gegenüber Sandra abzugrenzen und all die doofen Sprüche zu ignorieren. Im Wald lernt sie eines nachmittags Six kennen. Einen geheimnisvollen Jungen, der ihre Leidenschaft für diese imposanten, eindrücklichen Tiere teilt. Die beiden verbringen viele Stunden zusammen im Wald und verstehen einander ohne grosse Worte. Six erzählt ihr von den Elchjägern, die sich in der Gegend herumtreiben. Bald ist der Zwist mit Sandra zweitrangig, es geht nur noch darum, gemeinsam mit Six die geliebten Elche zu retten.

«Elchtage» ist das erste Jugendbuch der finnischen Autorin Malin Klingenberg. Wunderbar zart und einfühlend erzählt sie davon, was es heisst, erwachsen zu werden und diese schwierige Zeit der Veränderungen zu durchleben. Die Geschichte erzählt aber auch davon, was im Leben wirklich wichtig ist und wofür es sich zu kämpfen lohnt. In einer klaren, schlichten Sprache ist es der Autorin zudem wunderbar gelungen, die erste zarte Liebe zwischen Johanna und Six zu Papier zu bringen. Die Geschichte ist spannend und berührend zugleich und wird wohl hauptsächlich Leserinnen ab etwa 11 Jahren begeistern.

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Lauren Wolk: Echo Mountain

Die Geschichte spielt im US-Bundesstaat Main, im Jahr 1934. Ellies Familie ist nach dem Börsenkrach völlig verarmt und musste aufs Land ziehen. Hier leben sie nun in einer armseligen, einfachen Hütte, ohne Geld und Habe, immer begleitet von der Angst vor Krankheiten und Hunger. Als Ellies Vater nach einem schweren Unfall im Koma liegt, weiss Ellie, dass sie irgendetwas unternehmen muss. Sie kann nicht wie ihre Mutter und Schwester ständig am Bett sitzen und darauf warten, dass ihr Vater ins Leben zurückkehrt. Ellie liebt die Natur, das Leben draussen. Sie weiss, wie man Honig aus einem Bienenstock holt und wo man die meisten Fische fängt. Sie kennt sich mit Kräutern und wilden Tieren aus. Immer wieder wird sie von ihrer Mutter aber zur Hausarbeit gezwungen, Ellie soll daheim bleiben, ihrem Vater vorlesen und sich endlich wie ein anständiges Mädchen benehmen. Ellie widersetzt sich, sie muss einfach raus und nach irgendeiner Lösung suchen, auch wenn ihre Mutter sie immer wieder dafür bestraft. Auf ihren Streifzügen durch die Natur lernt Ellie Cate kennen. Cate, die als Hexe verschrien ist und mutterseelenallein oben auf dem Berg wohnt. Cate kennt sich aus mit Krankheiten, sie weiss Bescheid über Kräuter, Blutegel und andere Heilmethoden. Aber Cate braucht selber Hilfe, sie hat eine schrecklich tiefe, eiternde Wunde am Bein. Ellie handelt, sie setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um ihrem Vater und auch Cate zu helfen. Da ist es gut, dass sie Larkin kennenlernt, Cates Enkel, der genau so stur ist wie sie selber und verbissen an ihrer Seite kämpft. Die beiden tun dies alles nicht nur, um das Leben zweier Menschen zu retten, sie wollen auch ein Zeichen gegen Vorurteile und Verleumdungen setzen, denn nur, wenn alle zueinander halten, können die Menschen in dieser Wildnis überleben.

Einmal mehr ist Lauren Wolk ein wunderschöner, spannender und berührender Roman geglückt. Sie erzählt von einem mutigen, willensstarken Mädchen, das Vieles besser weiss als die Erwachsenen und das man sich von der ersten Seite an zur Freundin wünscht. Die Geschichte begeistert vor allem durch die so gelungene Beschreibung der Figuren und deren warmherzige, feinfühlige Beziehung zueinander. In einer wundervoll umsichtigen Sprache schreibt die Autorin über Wahrheit und Lüge und deren moralische Einordnung, über Vorurteile und in Folge letztlich über Mut und Gerechtigkeit. Das wundervolle Buch findet hoffentlich möglichst viele jugendliche Leserinnen und Leser und sei auch Erwachsenen wärmstens empfohlen.

Bereit loszulesen?

Juli Zeh: Socke und Sophie. Pferdesprache leicht gemacht

Wie viele andere Mädchen träumt die etwa 9-jährige Sophie von einem eigenen Pferd oder Pony. Und es geht ihr nicht besser als den meisten anderen Mädchen auch: Die Eltern sind strikte dagegen und dies nicht nur wegen der fehlenden Finanzen. Aber dann geht für Sophie doch noch ein Türchen auf, sie darf Pony Socke als Pflegepferd übernehmen. Was Sophie zu Beginn nicht weiss, dieses Pony wurde früher schwer misshandelt und hat jegliches Vertrauen in Menschen verloren. Wenn es Sophie nicht gelingt, das Pony in nützlicher Frist zu reiten, wird es weggegeben, vielleicht droht sogar der Schlachthof. Jede freie Minute verbringt Sophie nun auf dem Reiterhof und oft genug gibt es auch gefährliche Situationen, weil Socke einfach nicht verstehen will, was Sophie beizubringen versucht. will. Sophie wird bewusst, dass sie unbedingt die Sprache des Ponys lernen muss, und dies so schnell wie möglich. Sie hat sich das niemals so schwierig vorgestellt und sie braucht ihre ganze Kraft für dieses Vorhaben. Aber dann wird sie für ihre immense Geduld und ihren Durchhaltewillen belohnt: Sophie versteht eines Tages Sockes Sprache so gut, dass sie auf seinem Rücken reiten darf. Langsam zwar, aber mit einem unbeschreiblichen Glücksgefühl in ihrem Bauch.

«Socke und Sophie» hebt sich wohltuend von den meisten gängigen Pferdebüchern für Mädchen ab, die oft so viele Klischees bedienen. Der richtige Umgang mit Pferden will gelernt sein, es braucht mehr dazu als ein paar schicke Reitstiefel und einige Reitstunden auf dem Hof. Pferde sind keine niedlichen

 Spielzeuge, sie haben einen starken Willen und natürliche Instinkte, deshalb brauchen sie Menschen, die ihre «Sprache» verstehen genauso wie eine sehr intensive Pflege. Dies wird auch erwachsenen Lesenden, die kaum Wissen und Erfahrung auf diesem Gebiet mitbringen, bei der Lektüre bewusst. Juli Zeh kombiniert in ihrem Pferdebuch fundiertes Fachwissen mit einer spannenden Geschichte. Das Buch gehört unbedingt in die Bibliothek junger Pferdefans, die meisten von ihnen werden es mit grossem Interesse und Begeisterung lesen.

Lust durch die Seiten zu galoppieren?

Weihnachtself und Detektivbüro

Vida und der Weihnachtself

Bjarne Reuter: Vida und der Weihnachtself

Vida und ihr grösserer Bruder Karl fahren am 1. Dezember zu ihrem Opa in den Norden. Und dies, obwohl es so viel Schnee hat, dass kaum noch Züge fahren und obwohl Opa das alte Pferd aus dem warmen Stall holen und an den Schlitten schirren muss, um die beiden vom Bahnhof abzuholen. Abgemacht ist schliesslich abgemacht. Opa wohnt mitten im Wald, er heizt mit Holz und einen Fernseher gibt’s bei ihm auch nicht. Dafür einen grossen Pappkarton, mit dem man spannende Sendungen selber inszenieren kann. Einmal haben sie keinen Strom mehr und ein anderes Mal fällt die kleine Vida vom Pferdeschlitten, ohne dass Opa es merkt! Hinterher ist Vida jedoch froh, dass sie so ganz allein im Wald ausharren musste, denn sonst hätte sie den kleinen Wichtel niemals gefunden. Der Wichtel braucht nämlich Hilfe, weshalb ihn Vida mitnimmt und ihn zu ihren Socken in die Kommode steckt. Einem Wichtel zu helfen, dass er wieder heimfindet, dazu braucht es allerhand magische Dinge: einen Stiefel voller Mondschein zum Beispiel oder einen Wackelzahn mit Gänsehaut. Vida braucht viel Fantasie und auch ein paar Notlügen, um dem kleinen Wichtel zu helfen. Erst an Weihnachten, als auch Mama und Papa endlich im Wald angekommen sind, ist Vida sicher, dass der Wichtel heimgefunden hat. Da hört sie nämlich die Kirchenglocken in der Ferne, die wohl für sie, eine ganz speziell klangvolle Wichtelmelodie spielen.

Bjarne Reuter hat eine bezaubernde, warmherzige Weihnachts- und Wintergeschichte in 24 Kapiteln geschrieben. Besinnlich und zart könnte man die Erzählung auch nennen, stellenweise humorvoll, aber an keiner Stelle kitschig. Dafür ist der Text zu gekonnt verfasst und die Figuren zu einfühlend beschrieben. Auch die Bilder geben diese beschauliche, leicht verträumte Stimmung wieder. Solche Geschichten tun gut zwischendurch, vor allem in diesen für viele so hektischen Tagen im Advent. Ein kostbar gestaltetes Vorlesebuch für die ganze Familie. Kinder ab etwa 5 Jahren werden der Handlung mühelos folgen können und Erwachsene werden sich an der subtilen, bildhaften Sprache erfreuen.

Detektivbüro LasseMaja - Weihnachten in Valleby

Martin Widmark: Detektivbüro Lasse Maja. Weihnachten in Valleby

Valleby ist ein kleines Dorf irgendwo in Schweden. Hier kennen sich alle und in der Mitte des Dorfes steht die grosse Kirche. Lasse und Maja gehen in die gleiche Klasse und haben zusammen ein Detektivbüro gegründet, das mittlerweile im ganzen Ort bekannt ist. Es ist Weihnachten und ausgerechnet heute fällt in Valleby der Strom aus. Lasse und Maja machen sich natürlich sofort auf, um einerseits den Leuten zu Hilfe zu eilen und andrerseits, um die Ursache der Strompanne zu finden und reparieren zu lassen. Natürlich geht das nicht reibungslos und die beiden stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen. Leserinnen und Leser müssen Maja und Lasse deshalb behilflich sein, denn nur, wenn alle Rätsel im Buch gelöst werden, kann es in Valleby ein Weihnachtsfest geben.

Es gibt in dieser Geschichte auf jeder Seite mindestens ein Rätsel, das geknackt werden muss. Da gilt es beispielsweise eine Botschaft in Morsezeichen zu entziffern oder man muss die fehlende Backzutat im Küchendurcheinander finden. Lesende sollen Maja und Lasse helfen, die elektrischen Kabel richtig zu verbinden oder herausfinden, wer sich hinter einer geheimen Botschaft verbirgt. Das Buch ist spannend, leicht lesbar und voll von coolen und doch kunstvollen Bildern. Weil es nicht nur Text zum Lesen, sondern auch viele Rätsel zu lösen gibt, wird das Buch wohl viele Kinder faszinieren. Dass die Handlung mit dem eigentlichen Weihnachtsfest nicht mehr viel zu tun hat, spielt da wohl keine entscheidende Rolle. Für Kinder ab etwa 8 Jahren.

Lasse und Maja, das ist schon lange ein sehr bekanntes Detektiv-Duo, gibt es doch bereits an die 30 Bände aus dieser Reihe.

Maria Riss

Weihnachtsgans mit Schneemann

Wie sich die Weihnachtsgans vor dem Ofen rettete

Wie sich die Weihnachtsgans vor dem Ofen rettete

Wolf, Fuchs und Wiesel wollen in diesem Jahr ein besonders festliches Weihnachtsessen zubereiten. Fuchs macht sich auch gleich mit einem grossen Sack auf die Jagd nach einem geeigneten Braten. Das Abenteuer beginnt, als er mit der Beute zu seinem Bau zurückkehrt. Gans, kaum dem Sack entlassen, schimpft gleich mächtig los. Fuchs solle gefälligst aufräumen, bevor er Damenbesuch erhalte. Fuchs gehorcht und putzt den Bau sauber, so lange bis alles glänzt. Als Wiesel und Wolf eintreffen, macht die Gans ihnen sofort klar, dass man eine Weihnachtsgans zuerst mästen und füttern müsse. Ja, das leuchtet ein. Aber nur Gans kann kochen, sie übernimmt das Kommando in der Küche, lässt die andern Gemüse rüsten und Geschirr spülen. Beim Mau-Mau spielen nach dem feinen Essen gewinnt Gans immer, weil sie halt am besten schummeln kann. Aber so viel Spass, hatten die drei schon lange nicht mehr. Gans übernimmt im Bau auch an den folgenden Tagen das Zepter. Da wird gebastelt und ein Baum geschmückt, da werden Plätzchen gebacken und Tannenzweige aufgehängt. Ein Leben ohne Gans, das können sich Wiesel, Wolf und Fuchs schon bald gar nicht mehr vorstellen. Und mit dem Braten, da warten sie doch lieber noch ein Jahr. Dies auch, weil alle drei keinen Schimmer davon haben, wie man einen solchen Gänsebraten überhaupt gart.  In den Bildern wird deutlich, wie einfallsreich Gans agiert, und wie gerissen sie die andern überlistet. Präzise geben die Bilder nicht nur die verschiedenen Charaktere und Gefühle wider, spürbar wird auch die Stimmung im Fuchsbau, die mit jedem Tag besser und gemütlicher wird, seit Gans hier wohnt. Gans hat Mut, Durchsetzungskraft und ist sehr viel klüger als alle andern, das wird die meisten Kinder begeistern. Das humorvolle und durchaus auch spannende Bilderbuch empfiehlt sich für Kinder ab etwa 4 Jahren.

Schöne Weihnachten, kleiner Schneemann!

Wolfgang Hänel: Schöne Weihnachten, kleiner Schneemann

Die Kinder haben einen wunderschönen Schneemann gebaut – fast. Leider werden sie nicht ganz fertig, weil sie ins Haus gerufen werden, um Weihnachten zu feiern. So steht der kleine Schneemann im Hof, ohne Rüebli-Nase und ohne Hut. Besonders traurig ist er nicht, ihn nimmt es einfach Wunder, was denn dieses Weihnachten eigentlich ist. Er macht sich deshalb auf, um schlauer zu werden. Die meisten Tiere, die er fragt, wissen auch nicht richtig Bescheid. Sie erzählen von Bäumen in Häusern und von extragrossen Hundeknochen. Ein kleiner Hase schenkt dem kleinen Schneemann dafür endlich eine Nase und meint, das mache man an Weihnachten so. Erst ein Eichhörnchen ist genauso neugierig wie er. Gemeinsam wollen sie der Sache auf den Grund gehen. Unterwegs treffen sie weitere Schneemänner, die sich ihnen anschliessen. Beim Haus einer Familie machen sie Halt. Sie schauen durchs Fenster und staunen ob dem Lichterglanz. Natürlich werden sie von den Kindern entdeckt und so kommt es, dass der kleine Schneemann am Schluss nicht nur eine wunderschöne Mütze auf dem Kopf, sondern auch einen wunderschönen, selbstgestrickten Schal um den Hals trägt.

Wolfgang Hänel hat eine fröhliche, unbeschwerte Weihnachtsgeschichte in 24 kurzen Kapiteln geschrieben. Susanne Göhlich hat ebenso heitere Bilder dazu gemalt. Eine unbeschwerte, vielleicht etwas gar niedliche Weihnachtsgeschichte, die aber an keiner Stelle kitschig wirkt. In dieser Zeit tun solche Geschichten zwischendurch ja auch ganz gut. Ein ideales Vorlesebuch für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Maria Riss

Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn

Dass es viel unbekanntes Wissen über Hühner gibt, merkt man schon beim Lesen der Inhaltsübersicht. Auf den ersten Seiten gibt es einen Überblick über verschiedene Rassen und deren Merkmale. Auch ein Ei sieht je nach Hühnerart völlig anders aus, genauso wie die Form der Kämme am Kopf. Zum Lernen gibt es viel, beispielsweise, dass ein Huhn gleichzeitig in verschiedene Richtungen schauen kann, weil es die beiden Augen unabhängig voneinander bewegen kann. Oder dass ein Huhn der Rasse «Jersey Giant» fast einen Meter gross wird. Eine Doppelseite ist den so unterschiedlich gemusterten Hühnerfedern gewidmet, eine andere gibt Auskunft darüber, was Hühner zum Leben brauchen, damit man möglichst viele Eier einsammeln kann.

Das vorliegende umfangreiche Buch bricht definitiv mit allen Vorstellungen, die Lesende sich über ein Hühner-Sachbuch machen. Man weiss nicht genau, ob man nun ein Kunst-, ein Bilder- oder Sachbuch in Händen hält. Wer sich bisher noch nicht für Hühner interessiert hat: Nach dem Lesen und Betrachten dieses Buches wird sich das mit Sicherheit ändern. Ganz egal wie alt man ist, ganz egal, ob man über Hühner schon Bescheid weiss oder nicht. Man kommt aus dem Staunen einfach nicht mehr heraus. Ein einmalig schönes Familienbuch mit fast 80 Seiten, das aber auch in keiner Schulbibliothek fehlen sollte.

Maria Riss

Barbara Sandri / Francesco Giubbilini: Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn. Wissenswertes über unser liebstes Federvieh. Verlag Kleine Gestalten 2020.

Ein Mann für alle Fälle

Er heisst Hans, dieser Mann für alle Fälle. Hans hat einen wirklich tollen Job: Er arbeitet für den Präsidenten, erledigt für ihn gewissenhaft alle anfallenden Arbeiten, auch wenn ihm diese manchmal nicht gar so sinnvoll erscheinen. Wenn Hans alles zur vollen Zufriedenheit des Präsidenten ausführt, darf er in absehbarer Zeit auf den Koffer des Präsidenten aufpassen. Dieser Koffer ist äusserst wichtig, denn ein roter Knopf daran kann die Welt zum Explodieren bringen. Auf dem Nachhauseweg trifft Hans auf einen, der ihm verflixt ähnlichsieht. Dieser Typ nimmt ihm nicht nur Schlüssel, Portemonnaie und Uniform ab, sondern auch den Job beim Präsidenten. Hans geht zur Polizei, aber beweisen, dass er, er selber ist und der andere ein Lügner, das gelingt Hans einfach nicht. Erst im Detektivbüro von Fräulein Cadmium findet er Unterstützung. Er will wieder sich selber sein und diesen fiesen, äusserst gefährlichen Betrüger stellen, um ihn hinter Gitter zu bringen. Weil das Land zugleich von einer fremden Macht bedroht wird, spitzt sich die Lage zu. Hans und Fräulein Cadmium müssen den Betrüger und vor allem den Koffer des Präsidenten unbedingt schnellstmöglich finden. Sonst, ja sonst fliegt vielleicht tatsächlich die ganze Welt in die Luft.
Einfachheit und bewusstes Weglassen sind wohl die Hauptmerkmale dieser so kunstvollen Graphic Novel. Auch bei der Farbgebung setzt der Autor bewusst Akzente. Manche Bilder sind schwarzweiss, andere mit einem flächigen Pastellton koloriert und mitunter werden gewisse Figuren mit kräftiger Farbe akzentuiert. Der Plot ist überaus spannend und leider auch aktuell, die kurzen Sätze in gut lesbarer Handschrift mit den Bildern verwoben. Auch Lesende, die sonst kaum je zu Comics oder Graphic Novels greifen, werden dieses Buch mit seinen 138 Seiten nicht nur gern zu Ende lesen, sondern ihren grossen Spass daran haben. Für Kinder ab etwa 8 Jahren genauso wie für Erwachsene.

Maria Riss

Øyvind Torseter, Ein Mann für alle Fälle, Gerstenberg Verlag 2020

lesen, empfehlen, verkaufen!

Endlich ist es wieder soweit!

Zum zweiten Mal überhaupt und zum ersten Mal im neuen Bücherladen findet unser Kinderprojekt statt. Acht Kinder aus Appenzell und Umgebung haben Bücher gelesen und Empfehlungen dazu geschrieben.

Kinder und ihre individuellen Leseinteressen wahrnehmen, ihre ganz persönlichen Meinungen über Gelesenes ernst nehmen, waren und sind oberste Ziele dieses Projekts. Vor allem an den beiden Verkaufstagen, wird zudem das Gespräch über Gelesenes im Zentrum stehen.

Wir hoffen und freuen uns auf möglichst viele Besucherinnen und Besucher an der Vernissage am Freitag 11. September um 17 Uhr im Bücherladen
Begleitet von musikalischen Leckerbissen der Musikschule Appenzell.

An den beiden Samstagvormittagen – 12.9 & 19.9. – stehen die Kinder hinter dem Ladentisch und freuen sich sicherlich über zahlreiche Kundinnen und Kunden.

 

Maria Riss

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Unsere heissen Sommertipps!

Bücher lesen im Liegestuhl, Bücher mittragen im Rucksack, Bücher im Zug verschlingen, Bücher zum Weiterträumen unters Kopfkissen legen. Wir brauchen Bücher in jeder Lebenslage! Hier sind unsere Reisebegleiter der letzten Wochen. Auf zu kurvigen Leseabenteuern und grenzenlosen Entdeckungsreisen!

 

Carol Forster empfiehlt..

Sommer_CF

„Da sind wir“ von Graham Swift

Eine Dreiecksgeschichte im Varietémilieu der späten Fünfzigerjahre. Ein bezaubernder, flirrender Ausflug ins Seebad Brighton in Begleitung eines Zauberers, eines Entertainers und der entzückenden Evie White.
„Die Liebe ist ein schreckliches Ungeheuer – Illustre Schweizer Paare“ von Franziska Schläpfer

Aussergewöhnliche Persönlichkeiten, ungewöhnliche Liebesgeschichten. Franziska Schläpfer hat in Archiven gestöbert, unzählige Tagebücher gelesen, mit Nachkommen gesprochen und erzählt uns in ihrem neuesten Buch von starken Charakteren, die ihre Leidenschaft auf Augenhöhe lebten, im Guten wie im Schlechten. Corinna Bille und Maurice Chappaz, Anne-Marie Blanc und Heinrich Fueter und einige mehr. Ein aufregender Blick auf schillernde Schweizer Paare.
„Unter Blumen“ von Regula Engeler

Zeitgenössische Fotografie verbunden mit Liebeslyrik des 9. Jahrhunderts von Wen Tingyun. Eine künstlerische Begegnung von Ost und West. Bilder und Texte treten in einen Dialog und verdeutlichen die entgrenzenden Eigenschaften von Kunst. Erschienen im wunderbaren Vexer Verlag St.Gallen.
„Flugs in die Post“ von Patrick Leigh Fermor

Wir reisen im Zeitraum von siebzig Jahren in den Briefen von Patrick Leigh Fermor quer durch die Welt und erleben seine Abenteuer mit. Rumänien, Griechenland, England, Afrika, Italien. Paddy schrieb unermesslich viele Briefe an seine Frau, an seine Freundinnne und Freunde und an seine Geldgeber. Er war ein Bonvivant, ein Abenteurer, Journalist, Schriftsteller und ein unersättlicher Genussmensch. Grossartig. Danke lieber Dörlemann Verlag.
„Eine Frau in New York“ von Vivian Gornick

»Eine Frau in New York« ist das zutiefst ehrliche Bekenntnis Vivian Gornicks, der Grande Dame der amerikanischen Frauenbewegung, zu einem selbstbestimmten, unkonventionellen Leben, eine mutige Annäherung an das Fremde, eine Ode an wahre Verbundenheit und eine Liebeserklärung an diese kräftezehrende und zugleich so vitalisierende Stadt: New York.
„Die Farben des Feuers“ von Pierre Lemaitre

Oder doch nach Paris? Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs regieren Habgier und Neid in den Straßen von Paris, und so bahnt sich ein Komplott an, um das mächtige Bankimperium Péricourt zu Fall zu bringen. Doch Alleinerbin Madeleine weiß die Verhältnisse in Europa für sich zu nutzen, und dreht den Spieß kurzerhand um. Für Madeleine ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Um ihres Sohnes willen beginnt sie ihren ganz persönlichen Rachefeldzug zu planen.

 

„Gone Baby Gone“ von Dennis Lehane

Nichts für schwache Nerven. Dorchester, das Arbeitierviertel von Boston. Kenzie & Gennaro ermitteln in einem Entführungsfall. In „Gone Baby, Gone“ steht das Kindeswohl im Mittelpunkt, manchen liegt es so am Herzen, dass sie ein Kind, die vierjährige Amanda, entführen. Die Mutter, Helene McCready, ist Drogen, Alkohol, dem Fernsehen und falschen Freunden mehr zugeneigt als ihrer Tochter. Die Schwägerin, mit Helenes Bruder verheiratet, sorgt sich mehr um den Verbleib ihrer Nichte als die Mutter, die ihre Trauer vor allem vor der Reportermeute zur Schau stellt. Die Polizei rückt mit Hundertschaften aus, und findet keine Spur der Kleinen. Sie scheint samt ihrer Puppe vom Erdboden verschwunden zu sein. Deshalb engagiert die Tante das Privatdetektiv-Duo Patrick Kenzie & Angela Gennaro.

 

Anna-Lena Fässler empfiehlt…

Sommer_AL
Für Reisehungrige, die diesen Sommer zumindest in Gedanken verreisen möchten:
„Brot, Salz und unsere Herzen“ Edith Durhams Reise durch die Bergwelt Albaniens  und „Insel Europa“  von Annemarie Schwarzenbach – zwei eindrückliche Reisepionierinnen, die ihre Abenteuer und Eindrücke packend festgehalten haben.
„Schwarze See – eine Reise um das Schwarze Meer“ von Jens Mühling – er erzählt von einem Meer zwischen den Trennlinien Europas und führt uns vor Augen, dass alle Grenzen letztlich fliessende sind und ein „Klassiker“ der Reiseliteratur: „Die Erfahrung der Welt“ von Nicolas Bouvier.

Für Lesehungrige:
„Hilma af Klint – Die Menschheit in Erstaunen versetzen“ von Julia Voss – endlich eine ausführliche Biographie über die lange verkannte Pionierin der abstrakten Malerei – ein wunderbares Zeit- und Frauenportrait.

Für Abenteuerhungrige:
Tru & Nelle G. Neri – eine absolut liebenswerte Kinderbuchentdeckung über die Freundschaft von Nelle Harper Lee und Truman Capote in einem heissen Südstaatensommer.

 

Can Tolga empfiehlt…

Sommer_CT

Mooji lädt ein zu entdecken, das unser Herz „Weiter als Himmel, grösser als Raum“ ist.
Für alle die sich nicht vor einer Reise nach innen scheuen.

Für die Kleinen, Mittel- und ganz Grossen ein reinstes Lesevergnügen.
Ob liebevoll und gewitzt mit „Die Wahrheit über alles – der kleine Spirou“, exotisch mit
„Marsupilami – Tumult in Palumbien“, oder tollpatschig mit „Percy Pickwick – Just married“ – für alle ist etwas dabei.

Utterly amusing and nonetheless very informative„Mythos“ by Stephen Fry is compelling and witty.

„Meddling Kids“ by Edgar Cantero, what a mad and lovable book. A rollercoaster ride through genres and emotions, one can only love this imaginative, unsettling and lovable tale.

 

Vanja Hutter empfiehlt…

Sommer_VH

Für alle, die „Weit weg von Verona“ ihre Füsse über die Mauer baumeln lassen wollen, in Gesellschaft der schlagfertigen und klugen 14-jährigen Jessica.

Für die „Spartaner“ unter uns, genügsam mit schlankem Buch, unersättlich an blitzschnellem Dialogabtausch.

Für solche, die wissen wollen „Warum ich nicht länger mit Weissen über Hautfarbe spreche“, um nachher dringend darüber zu reden.

Für die Ausloterinnen und Forscher einer „Geografie der Freiheit“ . Ein John-Berger-Projekt“ vom Vexer Verlag St. Gallen, dessen Spezialforschungsgebiet unter anderem der Tümpel ist. www.vexer.ch

Utopist*innen vor. Die Welten von Emmanuelle Bayamack-Tam rütteln die Eigenen in neues Licht. Willkommen in „Arkadien“.
„Nicht mein Ding“ würde ich niemals von diesem Buch sagen. Lustig und todtraurig, dazwischen eine Brücke der kleinen, feinen Wunder.

 

Maria Riss, bereits in die Ferien gedüst, empfiehlt…

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„Alles genau so in echt passiert“ von Anke Kuhl

Anke Kuhls Illustrationen sind schlicht umwerfend. Mit ganz wenigen Strichen bringt sie in den kurzen Comics alles zum Ausdruck, was Kinder bewegt: Angst, Eifersucht oder Glückseligkeit. Das Buch eignet sich zum Erzählen oder Vorlesen, zum Lernen einer differenzierten Bildersprache, zum Lachen, Vergleichen und Diskutieren. Für Kinder ab etwa 6 Jahren.
„Sammy. Die unglaublichen Abenteuer einer kleinen Maus“ Henry Cole

Die Spannung in dieser Geschichte beginnt gleich auf der ersten Seite und bleibt bis ganz zum Schluss erhalten. Es ist wirklich schier unglaublich, was dieser Mäuserich mit seiner so mutigen Freundin Fiona alles erlebt. Ein wunderbar, spannender Lese- und Vorlesespass mit fantastischen Bildern. Zum Vorlesen ab 6, zum Selberlesen ab etwa 8.
„Endling. Die Suche beginnt“ Katherine Applegate

Das Buch «Endling» ist Fantasy vom Feinsten. Hier stimmt einfach alles: Die treffend gezeichneten Figuren mit ihren verschiedenen Charakteren, die Schilderung der mystischen Welt und ihrer Fabelwesen, die zahlreichen klugen Dialoge und der spannende Plot. Ein wunderbar ergreifendes und spannendes Lesevergnügen für Kinder ab etwa 12 Jahren.

„Heldenhaft“ Andreas Thamm

Zwei Jungs, beide etwa 16 Jahre alt, wohnen in einem kleinen Kaff und träumen nicht nur von grossen Abenteuern, sondern auch von der ersten Liebe. Und dann zieht Lea ins Dorf und plötzlich wird alles anders, realer. Die Geschichte ist in einer Sprache geschrieben, die sich locker liest und die doch sehr treffend das grosse Gefühlsdurcheinander junger Erwachsener beschreibt. «Heldenhaft» lohnt sich zu lesen, nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene, die ihrer eigenen Jugend nachspüren wollen.

 

Zur Sprache bringen. Empfehlunen für junge Leserinnen & Leser

Kinder- und Jugendbücher stellen immer wieder sehr aktuelle Themen in den Fokus. Auch zum momentanen Geschehen in den USA. Vier lohnenswerte Titel stellen wir genauer vor.

Rosaparks Rosaparks_Buch

Im letzten Herbst ist ein wunderbares, leicht verständliches Bilderbuch für kleine Kinder über die Lebensgeschichte von Rosa Parks, der bekannten afroamerikanischen Bürgerrechtlerin, erschienen. Besprechung „Rosa Parks“ aus der Reihe „Little people – big Dreams“ .

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jason-reynolds-2019 nichtsokay_buch

Im Jahr 2016 hat der erfolgreiche afroamerikanische Autor Jason Reynolds ein Buch geschrieben, das die derzeitigen Ereignisse in den USA genau auf den Punkt bringt. Besprechung „Nichts ist okey!“ von Jason Reynolds

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nicstone dearmartin_buch

Nic Stone berichtet in ihrem ersten eindrücklichen Jugendroman von Yustice, einem jungen Schwarzen, der Briefe an Martin Luther King schreibt und ihn um Rat bittet. Besprechung „Dear Martin“ von Nic Stone.

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athomas thehateyougive_buch

Angie Thomas schreibt über die sechzehnjährige Starr, die trotz ihrer schwarzen Hautfarbe eine weisse Schule besucht. Der beeindruckende Roman hat es auf Anhieb auf Platz 1 der New York Times-Bestenliste geschafft. Besprechung  „The hate u give“ von Angie Thomas.

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Mitlesen, Anlesen, Auflesen, VORLESEN!

Zum heutigen Vorlesetag 27. Mai 2020

Vorlesen soll Spass machen, nicht nur den zuhörenden Kindern, sondern auch Vorleserinnen und Vorleser. Frisch erschienen und wunderbar geschrieben ist das Buch: „Als ich die Pflaumen des Riesen klaute“ von Ulf Stark. 

 

Vorlesen_pflaume

In Ulfs kleinem Dorf lebt ein Riese. Unheimlich ist dieser hünenhafte Oskarsson, schaut immer mürrisch in die Gegend und spricht kaum ein Wort. Nur wenn Mama bei offenem Fenster Klavier spielt, da werden die Augen des Riesen ganz sanft. Ulf und sein bester Freund Bernt haben Angst vor diesem Oskarsson. Da helfen auch die ganzen Hypnosekünste nicht, die Bernt immer wieder ausprobiert. Um sich die Zeit in diesem nie enden wollenden Sommer zu vertreiben, stellen sich die beiden gegenseitig Mutproben. Ulf ist nur bedingt begeistert und trotzdem fasziniert davon. Die neuste Aufgabe, die erfordert wirklich all seinen Mut: Er soll in Oskarsson Garten Pflaumen klauen. Es stürmt an diesem Tag, alles wirbelt durcheinander, vielleicht ist dies mit ein Grund, weshalb Ulf zum ersten Mal mit Oskarsson spricht und etwas Wichtiges entdeckt: Grosse mürrische Menschen müssen nicht immer böse sein, möglicherweise sind sie nur so einsam, dass sie das Reden verlernt haben. Wie Ulf und Bernt es schaffen, dass Oskarsson plötzlich ziemlich nett ist und ihnen sogar beim Bau einer Hütte hilft, das sei hier noch nicht verraten, zu schön ist es, diese Geschichte selber nachzulesen.
Der leider verstorbene schwedische Autor Ulf Stark bleibt sich auch in seinem letzten Buch treu. Er ist bekannt für seine wunderschöne Sprache, für seinen Witz und für seine so liebenswerten Figuren. Man spürt beim Lesen die Wärme, das Licht, aber auch, dass manchmal Schatten zum Leben dazugehören. Und zwischendurch, da kann man immer wieder kichern. Das Buch erzählt von Lausbuben, die, wie sollte es anders sein, ein butterweiches Herz haben. Eine witzige, spannende und gleichermassen berührend poetische Geschichte, die sich hervorragend für vergnügliche Vorlesestunden eignet. Für Kinder ab 8 Jahren genauso wie für Erwachsene.

Urachhaus 2020, ISBN: 978-3-8251-5222-2

 

Weitere tolle Vorleseempfehlungen von Maria Riss, unsere Spezialistin für Kinderbücher,  finden Sie hier !

 

Unser Vorleser

Der TV-Entertainer aus dem Appenzell (und ehemaliger Bücherladennachbar) ist ein umtriebiger Tausendsassa. Für den Vorlesetag fand er trotzdem Zeit – schliesslich liegt ihm das Vorlesen ebenso am Herzen wie uns. Marco Fritsche liest Jugendlichen ab 12 Jahren aus Sunil Manns Jugendbuch «Totsch» (da bux) vor.

Regie und Kamera hat Carol Forster übernommen, die Buchhändlerin des Bücherladens Appenzell, wo Marco Fritsche vorliest.

 

 

Hier geht’s direkt zum „Totsch“ im Bücherladen Internet-Shop