Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendbuch

Brieffreundinnen

file-58Bett und Avery wollen eigentlich nicht befreundet sein, denn sie SOLLEN unbedingt befreundet sein. Verlangen ihre Väter. Und so beginnt eine E-Mail-Bekanntschaft, bei dem sie sich schnell klarmachen, dass sie auch gar nichts gemeinsam haben. Als sie sich in einem Ferienlager treffen, merken sie, dass Unterschiede eigentlich ganz praktisch sein können. Und dass sie durch das Schreiben, durch den Austausch von persönlichen Gedanken und Geheimnissen, schliesslich doch Freundinnen geworden sind.

Ein E-Mail- und bisschen Brief-Roman, turbulent, frisch und mit Herz. Und, wie ich finde, hübschem Einband. Für Leser*innen ab 12.

Melina Cajochen

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Holly Goldberg Sloan/Meg Wolitzer, An Nachteule von Sternenhai, Hanser 2019

Kinder lesen, empfehlen und verkaufen!

Bereits im Mai fand die erste Redaktionssitzung mit 13 Kindern aus Appenzell und Umgebung statt. Danach wurden die ausgewählten Bücher mit grosser Begeisterung gelesen und ganz wunderschön gestaltete Rezensionen verfasst. Kinder und ihre individuellen Leseinteressen wahrnehmen, ihre ganz persönlichen Meinungen über Gelesenes ernst nehmen, waren und sind oberste Ziele dieses Projekts. Vor allem an den beiden Verkaufstagen, wird zudem das Gespräch über Gelesenes im Zentrum stehen.

Wir hoffen und freuen uns auf möglichst viele Besucherinnen und Besucher an der Vernissage am Freitag 28. Juni um 17 Uhr.

Die Kinder werden sich über zahlreiche Kundinnen und Kunden an den beiden Samstagen freuen.

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Der etwas nervige Elefant

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Eines Tages klopft es an der Tür. Sam rennt die Treppe hinunter, um sie zu öffnen. Ist es der Postbote? Nein, es ist ein Elefant. Ein gewaltiger, gigantischer, elephantöser Elefant. Der Elefant will rein und Hunger hat er auch. Bald wird klar, weshalb der Elefant hier auftaucht und Sam zu kennen scheint: Sam hat im Zoo ein Patenschafts-Formular für einen Elefanten ausgefüllt. Und deshalb hat sich der Elefant in ein Flugzeug gesetzt und ist gleich hergekommen. Der Elefanten zwängt sich durch die Haustür zur Küche. Diese frisst er in «nullkommanix» leer. Anschliessend folgt ein Bad mit einer entsprechenden Überschwemmung und die Fahrt auf Sams Fahrrad, das dabei selbstverständlich in die Brüche geht. Das Ganze gipfelt schliesslich darin, dass es erneut an die Tür klopft und eine ganze Herde gigantischer Elefanten vor der Tür steht. Das ganze Haus füllt sich mit Elefanten und erst jetzt wird Sam bewusst, dass er künftig bei jedem Formular unbedingt das Kleingedruckte lesen muss.
Mit Tony Ross und David Williams, beide Altmeister des britischen Humors, haben sich zwei zusammengetan, die wissen, was Kinder und auch Erwachsene zum Lachen bringt. Die beiden beherrschen ihr Fach einfach meisterlich. Die aberwitzige Geschichte und die Bilder sind so wunderbar gekonnt, dass allein schon das Durchblättern helle Freude macht. Bereits ganz kleine Kinder werden begeistert sein und sich immer wieder auf die Suche nach den vielen Details machen, die in den farbenfrohen Bildern versteckt sind. Das vorliegende Bilderbuch wird mit Sicherheit zum Lieblingsbuch ganz vieler Kinder avancieren. Ab etwa 4 Jahren.

 

Maria Riss

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David Williams / Tony Ross, Der etwas nervige Elefant, Rowohlt 2019

Selbst ist die Enola

 

In England schon längst eine Bestseller-Reihe, können wir nun auch in Deutsch bei Enola Holmes’ Ermittlungen mitfiebern. Was für eine Lesefreude!
Enola Holmes wohnt mit ihrer Mutter auf dem Land, in einem Vorort von London. Sie ist 14 Jahre alt und kann ihre Tage selber gestalten, ohne lästiges Korsett-tragen, Handarbeits-Training und sonstige Beschäftigungen, die jungen Damen von ihrem Stand angemessen wären. Als ihre Mutter verschwindet, flüchtet sie vor ihren Brüdern, denn die wollen sie in ein Internat stecken. Sie entschliesst sich, in London unterzutauchen – denn wo kann sie sich besser vor einem Meisterdetektiv und einem Mitarbeiter des Geheimdienstes verstecken, als im Trubel der Grossstadt? Wo kann sie sich besser vor ihren Brüdern Sherlock Holmes und Mycroft Holmes verstecken, als in der Höhle der Löwen. Auf dem Weg nach London stolpert sie über den Fall des verschwundenen Lords und beginnt zu ermitteln.
Die Sprache und die Bilder des Romans sind wie Enola selbst: kraftvoll, präzis, authentisch, klug und herzlich. Ein Buch aus einem Guss, zu Lesen ab 13 bis 25, für Interessierte an Lebensumständen Ende des 19. Jahrhunderts und an starken Frauenfiguren. Lasst euch also nicht vom mädchenhaften Bucheinband in die Irre führen!

Melina Cajochen

Nancy Springer, Der Fall des verschwundenen Lords. Ein Enola Holmes Krimi, Knesebeck 2019.

 

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Hallo, hier kommt Lucy

ichliegeLucy Adler liebt Basketball und ihren besten Freund Percy. Mit typischem Mädchencliquenzeug kann sie so gar nichts anfangen. Percy leider schon: Seine Freundinnen sind hübsch, liebenswert und darauf bedacht, Männerträume zu erfüllen. Im New York der 90er versucht Lucy herauszufinden, was sie eigentlich will. Und erfährt, dass nicht mit jedem gelebten Traum ein Wunsch in Erfüllung geht.
Ich mag Lucy, ich mag es (Lese-) Zeit mit ihr zu verbringen, an ihren Leidenschaften teilzuhaben und mit ihr auf der Suche zu sein. Ein tolles Buch für Jungs und Mädels ab 14, die sich Gedanken über ihren Platz in der Welt machen.

Melina Cajochen

Dana Czapnik, Ich werde fliegen, Heyne Verlag 2019

 

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Eine schrecklich gute Geschichte einer abscheulichen Familie

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Familie Willoughby, das sind vier Kinder mit ganz schrecklich bösen Eltern. Diese Eltern gehen auf eine gefährliche Weltreise und kommen dabei ums Leben. Für die Kinder ist das eine ganz wunderbare Botschaft, weil sie mittlerweile von einem sehr liebevollen Kindermädchen betreut werden. Zur gleichen Zeit erzählt die Geschichte von Mister Melanoff, einem Milliardär, der seit langem deprimiert ist, weil seine Frau, die er nicht so besonders mochte und sein Sohn, den er umso mehr ins Herz geschlossen hatte, durch eine Lawine verschüttet worden sind und nie gefunden wurden. Dieser griesgrämige Milliardär findet eines morgens ein Baby vor seiner Haustür. Dieses kleine Mädchen erweicht sein Herz. Er lässt seine riesengrosse Villa endlich putzen, isst wieder regelmässig, kauft für das Kind alle möglichen Spielsachen und kümmert sich ganz liebevoll um das kleine Kind. Gleichzeitig werden in den Schweizer Bergen eine Frau und ein Junge aus einer Lawine geborgen. Die Frau findet die Schweizer Berge, vor allem den Postboten dort, ganz wunderbar, sie will um keinen Preis zurück. Der Sohn aber hat Heimweh nach seinem früheren Leben, vor allem sehnt er sich nach seinem Vater, der mit einer Erfindung von speziellen Schokoriegeln zum Milliardär geworden war. Man ahnt es beim Lesen mit jeder Seite mehr: Bei dieser verzwickten Geschichte führt irgendwann eins zum andern und kommt es buchstäblich zu einem Happyend, wie es im Buche steht.

Lois Lowry hat ein bemerkenswertes Buch geschrieben, dies in vielerlei Hinsicht: Da sind diese schrägen Figuren, die sich in einer altmodischen Welt so wohlerzogen und doch selbstbewusst bewegen, da ist das freche Spiel mit Klischees, vor allem, was Waisenkinder und die Schweizer Bergwelt betrifft, da sind diese vielen Übertreibungen und ein stellenweise wirklich schwarzer Humor. Durch die vielen Erzählstränge und Handlungsorte ist diese Geschichte nicht ganz einfach, sie eignet sich aber trotzdem hervorragend zum Vorlesen, weil Kinder wie Erwachsene immer wieder zum Lachen kommen und weil die verschiedenen Schauplätze durch eine klare Gliederung der Kapitel gut zu unterscheiden sind. Ein Buch für alle, die schräge, unkonventionelle und spannende Geschichten lieben. Für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Maria Riss

Lois Lowry, Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby, dtv 2019.

 

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Frisch vom Markt für Jugendliche

Maria Riss empfiehlt spannende Sommerlektüren!

dearmartinYustyce ist einer der besten Schüler seines Jahrgangs. Yustice sieht gut aus und kann auch im Sport mithalten. Fürs nächste Jahr hat er sich gar einen Studienplatz in Yale gesichert. Aber Yustice wird völlig willkürlich verhaftet und in Handschellen gelegt, obwohl er nur einem betrunkenen Mädchen helfen wollte. Denn Yustice ist schwarz. Er kommt zwar frei, weiss aber nicht, wie er mit seiner Wut umgehen soll. So beginnt er zu schreiben. Er schreibt Briefe an Martin Luther King, bittet um Rat, weil er einfach nicht weiss, wie er mit den vielen, oft kleinen rassistischen Beleidigungen im Alltag umgehen soll, und er weiss auch nicht, wem er sich anschliessen soll. Da gibt es die Gruppe der radikalen schwarzen Kämpfer, die mit roher Gewalt ihr Recht einfordern, manche von ihnen kennt Yustice seit dem Kindergarten. Da ist seine weisse Mitschülerin Sarah-Jane, die er so mag und die ihm nicht nur beim Debattieren zur Seite steht. Und da ist seine Mum, die für ihren Sohn alles tut, es aber niemals verstehen würde, wenn Yustice sich in ein weisses Mädchen verlieben würde. Egal wem sich Yustice anschliesst, er wird sich Feinde machen. Und von Martin Luther King bekommt er auch keine Antwort. Aber all die Briefe, die vielen Überlegungen, das Ordnen der Gefühle beim Schreiben, das ist trotz allem hilfreich. Und ganz zum Schluss weiss Yustice, welchen Weg er gehen will.

Gleich mit ihrem ersten Roman ist der jungen Autorin Nic Stone ein Wurf geglückt. Nicht nur, weil das Thema nach wie vor so aktuell ist, sondern auch, weil sie Yustice mit seinem Durcheinander an Gefühlen, seiner Suche nach dem für ihn richtigen Weg so glaubhaft und eindringlich beschrieben hat. Yustice gerät immer wieder zwischen die Fronten und wird bedroht. Dies ist nicht nur in Amerika so. Jugendliche werden Yustice Konflikte sehr gut nachvollziehen können. Es geht im Buch darum, seine Rechte einzufordern, sich über die eigene Haltung klar zu werden und dafür auch gerade zu stehen, ganz egal, ob man sich damit Feinde macht. Das spannende Buch sei Jugendlichen ab etwa 14 Jahren wärmstens empfohlen.

Nic Stone: Dear Martin
Aus dem Englischen von Karsten Singelmann
Rowohlt 2018
ISBN: 978-3 499-21833-0

 

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Malcolm lebt mit seinen Eltern und seinem Daemon Asta in Oxford. Er ist etwa 12 Jahre alt und ein ungemein kluger und hilfsbereiter Junge. Gegenüber dem Fluss gibt es ein Nonnenkloster, Malcolm hilft dort immer wieder aus. Eines Tages wird im Kloster ein Baby abgegeben, ein kleines Mädchen mit dem Namen Lyra. Zur gleichen Zeit passieren merkwürdige Dinge: Malcolm beobachtet einen Mord und belauscht beim Helfen in der Gaststube seiner Eltern geheime Gespräche über Macht, Krieg und Religion. Malcolm erfährt auch, wer der Vater der kleinen Lyra ist. Lyras Vater wird verfolgt und kann sich nicht um seine kleine Tochter kümmern. Malcolm verspricht ihm, was immer auch kommen möge, er werde Lyra beschützen. Man munkelt in diesen Tagen auch von einer Flut, die kommen werde, so gross, wie sie noch nie jemand erlebt habe. Es ist Malcom, der zusammen mit dem Küchenmädchen Alice das kleine Baby vor den schrecklichen Fluten rettet. In Malcolms kleinem Boot gelingt ihnen die Flucht. Um das Baby Lyra scheinen sich die Mächtigen des Landes zu streiten, deshalb wird Malcoms Boot verfolgt. Nicht nur die riesigen Wassermassen, auch bewaffnete Verfolger bedrohen das Leben der drei Flüchtenden. Alice und Malcolm haben Lyra vom ersten Moment an in ihr Herz geschlossen und verteidigen ihr Leben mit allen Mitteln. Erst ganz am Schluss, nach dem Bestehen von unglaublich vielen Gefahren, können sie Lyra endlich in die Hände ihres Vaters legen.

Philip Pullman hat einen ganz fantastischen Roman geschrieben, dies in jeder Beziehung. In welcher Zeit und Welt die Geschichte spielt, ist unklar, im Vordergrund steht aber der Konflikt zwischen mächtigen Religionsführern und den Gelehrten der Wissenschaft. Der Autor hat den Plot mit vielen fantastischen Elementen ausgestattet, so wird etwa jede Figur von einem passenden Daemon begleitet, dies macht die Lektüre zusätzlich spannend und geheimnisvoll. Auch die Beschreibungen der Figuren sind so treffend, dass Lesende Alice und Malcolm zu kennen glauben und wohl mit allen beiden gern befreundet wären. Obwohl das Buch fast 600 Seiten umfasst, würde man gerne weiterlesen, so eindrücklich ist diese Lektüre, auch wegen der vielen, aktuellen und politischen Anspielungen. Da ist es gut, dass bereits im Herbst der nächste Band «Ans andere Ende der Welt»erscheinen wird.

«Über den wilden Fluss» ist Teil der Vorgeschichte zur unvergesslichen Trilogie «Der goldene Kompass».

Philip Pullman: Über den wilden Fluss
Aus dem Englischen von Antoinette Gittinger
Carlsen 2018
ISBN: 978-3-551-58393-2

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Eine Insel zwischen Himmel und Meer

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Vor fast zwölf Jahren entdeckte der alte Osh ein kleines Boot vor der Küste. Erst beim Näherkommen sah er das kleine Baby darin. Er nannte das kleine Mädchen Crow. Seither leben die beiden zusammen auf dieser kleinen abgeschiedenen Insel im Einklang mit der Natur. Später will Crow wissen, woher sie kommt, will herausfinden, wer ihre Eltern sind und weshalb sie in einem alten Kahn ausgesetzt wurde. Osh hat zwar grosse Angst, seine geliebte Pflegetochter zu verlieren, aber er hilft bei der Suche, wo er nur kann. Die Geschichte begeistert vor allem durch die so gelungene Beschreibung der Figuren und deren warmherzige, feinfühlige Beziehung zueinander.  In einer wundervoll umsichtigen Sprache erzählt die Autorin von Crow’s Suche nach ihrer Identität, aber auch vom kargen und einfachen Leben in dieser unwirtlichen Gegend. Dies beeindruckt und berührt gleichermassen. Ein spannendes, anspruchsvolles und wunderbar stilles Buch, dessen Figuren und auch die Handlung lange nachhallen. Für Jugendliche.

 

Maria Riss

Lauren Wolk: Eine Insel zwischen Himmel und Meer
dtv. Reihe Hanser 2018

 

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Vomhimmelhoch das Schneegestöber

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Rico sagt von sich, tiefbegabt zu sein. Sein bester Freund ist der hochbegabte Oskar. Beide wohnen nun an der Dieffe 93. Mama hat den Bühl, den nettesten Polizisten Berlins geheiratet und sie hat jetzt einen so dicken Bauch, als hätte sie einen Wasserball verschluckt und trägt sehr weite Klamotten wegen der Umstände. Es ist der 24. Dezember und Rico muss unbedingt zusammen mit Oskar nochmals zu Karstadt. Wegen den Geschenken. Seit einiger Zeit hat sich Ricos Tiefbegabung echt gebessert, er könnte, wenn es sein muss, auch ganz alleine zum Kaufhaus laufen und würde den Weg zurück wohl auch wieder finden. Aber mit Oskar macht Einkaufen sehr viel mehr Spass. Unterwegs kommen sie an einem Hinterhof vorbei, den beide möglichst ignorieren. Zu viele schöne und auch enttäuschende Erinnerungen kommen hoch. Die beiden kaufen also ihre Geschenke und kämpfen sich durch den hohen Schnee heim. Aber Rico lassen die Erinnerungen an den Sommer im Hinterhof nicht mehr los, und er erzählt sie seinen Leserinnen und Lesern nach und nach. Unterdessen tobt draussen ein richtig heftiger Schneesturm. Niemand traut sich mehr raus. Auch an der Dieffe 93 geht so ziemlich alles drunter und drüber und keiner weiss, wie dieser verrückte Tag noch enden wird. Plötzlich stehen da auch frühere Freunde vom Hinterhof vor der Tür und die wieder wegzuschicken, das geht bei diesem Wetter beim besten Willen nicht. Rico und Oskar, die helfen fleissig mit am Wirbeln und am Hochhergehen und zu guter Letzt, da gibt es zwei riesengrosse Überraschungen, so richtig Vomhimmelhoch, mit denen wirklich an diesem Abend niemand gerechnet hätte.
Wer gute Laune braucht, nehme dieses Buch zur Hand. Ganz egal, wie alt man ist. Man spürt schier in jeder Zeile, wie viel Spass der Autor am Schreiben hatte und genauso geht es den Leserinnen und Lesern. Man geniesst jedes einzelne Wort, fiebert mit und lacht immer wieder zwischendurch. Und dann kommt dieses wunderfantastische Ende, das man sich genauso erträumt hat. Andreas Steinhöfel ist ein wunderbar einfühlsamer Beobachter, ein Sprachkünstler, ein in jeder Beziehung begnadeter Erzähler. Er hat seiner grossen Leserschaft mit diesem Buch ein einmalig schönes Weihnachtsgeschenk gemacht. Für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Maria Riss

 

Andres Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch.
Mit Illustrationen von Peter Schössow – Carlsen Verlag

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Alles, alles über Berge

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Dieses neue Sachbuch ist schier allumfassend, was das Thema «Berge» betrifft. Da werden Pistenfahrzeuge präsentiert, Höhlenformationen erklärt, da gibt es Informationen zu allen möglichen Tieren, die sich auf das Leben in der kargen Berglandschaft spezialisiert haben. Da geht es um Schneekristalle, um Gletscher, um Höhenkurven oder um die Kraft des Wassers. Auf jeder Seite werden Leserinnen und Leser aufgefordert, etwas zu tun. Wanderwege einzuzeichnen beispielsweise, kleinere Experimente durchzuführen, Blätter zu analysieren oder Rindenabdrücke zu erstellen. Das Buch besticht vor allem durch die vielen informativen Bilder, die Texte sind auf ein absolutes Minimum reduziert. Ein bisschen ähnelt die Aufmachung einem Comic; so erhalten auch eher lesefaule, aber interessierte Kinder Lust auf die Lektüre. Für Bibliotheken eignet sich das Buch weniger, weil Nutzerinnen und Nutzer immer wieder ins Buch malen sollen. Für den Unterricht eignen sich die klaren Illustrationen und Erklärungen aber ganz besonders: Wenn Wissen so vermittelt wird, können Lesen und Lernen richtig Spass machen! Für Kinder ab etwa 8 Jahren und Erwachsene.

Maria Riss

Piotr Karski: Berge, Das Mitmachbuch für Gipfelstürmer, Moritz 2017.

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Abenteuer am Mississippi

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Die Geschichte beginnt in den Südstaaten von Amerika und spielt am Ende des 19. Jahrhunderts. Vier Kinder aus völlig verschiedenen Milieus haben in den Sümpfen heimlich eine Hütte gebaut und verbringen dort ihre ganze Freizeit. Beim Angeln passiert es: Sie fischen aus dem Fluss eine alte Dose mit drei Dollar drin. Die drei bestellen sich mit dem Geld beim Versandhauskatalog eine Pistole, mit passender Munition versteht sich. Als das Paket endlich eintrifft, finden sie darin aber bloss eine alte Uhr. Bald erfahren die vier, dass diese Uhr ein Vermögen wert ist, denn die Falschlieferung wird im ganzen Land gesucht. Wenn diese alte Uhr tatsächlich mehrere tausend Dollar wert ist, dann wollen die vier auch etwas davon abkriegen. Dafür muss man die Uhr aber in Chicago vorbeibringen. Also beschliessen die vier, nach Norden abzuhauen.
Diese Reise durch ganz Amerika wird für die Kinder abenteuerlich und gefährlich, zumal sie kaum Geld besitzen. Zuerst fahren sie in ihrem selbstgebauten Einbaum nach New Orleans, dann mit dem Raddampfer den Mississippi hoch, später als blinde Passagiere im Zug weiter gen Norden. Sie werden überfallen, fahren zum ersten Mal mit einem Tram, staunen über Automobile, erfahren, da der jüngste von allen schwarz ist, wie verbreitet der Rassismus in bestimmten Gegenden noch immer ist und erleben auch öfters, wie hilfsbereit Menschen sein können. Ja und am Schluss, nachdem sie sogar einen Mord aufgeklärt haben, da werden die vier doch tatsächlich steinreich.
Der italienische Autor Davide Morosinotto hat ein ganz wunderbares Abenteuerbuch geschrieben: Eine überaus packende Handlung mit vielen, unvorhersehbaren Wendungen, schrägen Typen, fernen Schauplätzen und Hauptfiguren, deren Abenteuer man am liebsten selbst bestehen würde. Und vor allem am Anfang hat man beim Lesen das Gefühl, Huckleberry Finn tauche nächstens hinter einer Hausecke auf. Besonders faszinierend sind zudem die vielen Einblicke in das Leben jener Zeit: der technische Fortschritt, das schwierige Leben der Farmer, der für alle Beteiligten schreckliche Aufenthalt in einem Gefängnis. Das Buch ist in vier Teile gegliedert, jede der Hauptfiguren berichtet von einem Teil der gefährlichen Reise. Dadurch wird die Verschiedenartigkeit der vier Abenteurer spürbar. Diese spannende Art von Road Movie wird Kinder und Jugendliche ab etwa 12 Jahren, Mädchen wie Jungen, mit Sicherheit begeistern. Das Buch eignet sich zudem dank der klaren Gliederung auch hervorragend zum Vorlesen.

Maria Riss

Davide Morosinotto, Die Mississippi-Bande, Thienemann 2017.

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Hin- und hergerissen

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Dass für Teenager das Leben nicht immer einfach ist, weiss Remy O’Malley seit ihrem zwölften Geburtstag. Ihr Stiefvater war ein gewalttätiger Tyrann der es liebte ihr und ihrer Mutter Schmerzen zuzufügen. Jahrelang musste sie ihre Gabe, ihre Heilkraft geheim halten. Als sie zu ihrem leiblichen Vater Ben O‘Malley kommt lernt sie das erste Mal in ihrem Leben, ihre ruppige Fassade zu senken und anderen zu vertrauen – und verliebt sich in Asher Blackwell. Die berühmt-berüchtigte Familie Blackwell die aus den Geschwistern  Gabriel (dem grüblerischen, unnahbaren Ältesten), Asher (dem Draufgänger und Frauenheld) und Lottie (der leicht eingebildeten Zicke) besteht ist genauso anders wie Remy. Sie sind unsterbliche  Beschützer und Remy als Heilerin eigentlich ihre Feindin. Trotz dieser Tatsache verlieben Remy und Asher sich in einander. In den vorausgegangenen Büchern (Touched Der Preis der Unsterblichkeit & Touched – Die Schatten der Vergangenheit) verliert Remy ihre Mutter, wird ihren Stiefvater los und muss hilflos zusehen (gezwungen von ihrem eigenen Grossvater) wie ihr leiblicher Vater Ben gekidnappt und ihre Stiefmutter Laura tödlich verletzt wird. Ihre Beziehung zu Asher leidet darunter, das die Erlebnisse beide zu sehr verändert haben, zudem entdecken Remy und Gabriel ihre Gefühle füreinander. Hin und hergerissen zwischen den ungleichen Brüdern muss Remy erkennen, dass sie das Kind einer verbotenen Liebe ist, denn ihre Mutter war eine Heilerin und ihr Vater ein Beschützer. Das ist auch einer der  Gründe, warum Heiler und Beschützer sie entweder für ihre Zwecke missbrauchen oder töten wollen. Wird es ihr gelingen zu überleben und die richtige Entscheidung in Sache Liebe zu fällen?

Corrine Jackson beschreibt meisterlich aus der Ich-Perspektive das Gefühlsleben ihrer Protagonistin Remy. Jeder ihrer Charaktere hat deutlich wahrnehmbar eine eigene Stimme, eine selbstständige, oftmals eigenwillige Persönlichkeit die mit Humor, Ironie und teilweise sogar Sarkasmus zu lustigen Dialogen beiträgt. Für alle Fantasy – Fans die nicht immer nur in fiktive Welten eintauchen sondern ihre fantastischen Charaktere gepaart mit Magie in der realen Welt verankert erleben wollen.

Sarah Berghändler

Corrine Jackson, Touched – Die Macht der ewigen Liebe, Thienemann 2014.

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Sternenkinder

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Daniel ist ein besonders kluger Schüler. Nur mit dem Rechnen hat er es nicht so, es gibt Zahlen, die ihm Angst machen, die Unglück bringen. Und der Sport, vor allem das Footballspielen, ist für Daniel eigentlich ein Albtraum, obwohl er in der Schulmannschaft mitspielt. Daniel ist anders und er läuft immer wieder Gefahr, von den andern ausgegrenzt zu werden. Aber er hat Gottlob einen Freund. Wenn der starke und bei allen beliebte Max an seiner Seite ist, kann ihm niemand was anhaben. Und dann findet er diesen seltsamen Zettel in seinem Schulrucksack: Ich brauche deine Hilfe. Ein anderes Sternenkind. Daniel ist verwirrt und muss sein abendliches Programm sofort ausbauen: Exakt 35-mal vom Bett ins Bad wandern, den Lichtschalter 120-mal betätigen, jede Hand mit zehn Rubbelbewegungen waschen und vieles mehr. Oft dauert sein Programm mehrere Stunden, bis er endlich einschlafen darf. Bald stellt sich heraus, dass dieser Zettel von Sara kam. Sara, die mit niemandem spricht. Sara, die stets nur mit einer Betreuerin in der Schule auftaucht. Aber Daniel wird von Sara angesprochen, sie bittet ihn um Hilfe, den Mörder ihres Vaters zu finden. Sara ist klug, Sara ist auch direkt und sie konfrontiert ihren neuen und bisher einzigen Freund mit seiner Krankheit. Daniel war bis dahin ein Meister darin, seine Zwangsstörung vor andern geheim zu halten. Sara hilft Daniel, endlich über seine Ängste zu reden. Daniel wiederum hilft seiner so ungewöhnlichen Freundin, dem mysteriösen Verschwinden ihres Vaters auf die Spur zu kommen. Dass sie dabei einbrechen, heimliche Tonaufnahmen machen und Überwachungen anstellen müssen, macht die Lektüre überaus spannend. Im Buch von Wesley King geht es nicht nur um das Tabu rund um Zwangsneurosen, es geht vor allem auch um Zivilcourage, um Freundschaft, um das «Über-sich-hinauswachsen». Der Autor litt als Jugendlicher selber unter Zwangsstörungen, dies ist sicherlich ein Grund, weshalb ihm die Beschreibung der Hauptfigur so überaus glaubhaft gelungen ist. Man versteht Daniel beim Lesen, leidet mit ihm mit, kann seine Ängste und Zwänge auch nachvollziehen. Dies alles ist verpackt in einen sehr spannenden und verzwickten Plot. Für Jugendliche ab etwa 13 Jahren.

Maria Riss

Wesley King, Daniel is different, Magellan 2017.

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Rigo und Rosa

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Rigo, das ist ein Leopard – Rosa, eine kleine Maus. Man glaubt es kaum, aber die beiden sind dicke Freunde. Sie leben im Zoo und verbringen die Tage zusammen. Dabei haben sie viel Zeit, um sich Geschichten zu erzählen, um sich Fragen zu stellen und gemeinsam über Antworten zu grübeln. Die beiden finden beispielsweise heraus, dass die Pinguine im Zoo eigentlich zweimal Geburtstag feiern könnten: einmal als das Ei gelegt wurde und einmal, als sie aus dem Ei schlüpften. Ein andermal stellen sich die beiden vor, wie sie die Welt anders erschaffen würden – eine Welt mit hohen Käsebergen, meint Rosa, das wär doch wunderschön! Oder sie denken über die Weltkugel nach, wo man hinkommt, wenn man nicht aufhört zu graben und sie staunen ob der Tatsache, dass die ganze Erde im Weltall schweben kann, obwohl sie doch so unglaublich schwer ist.

Wenn Lorenz Pauli und Kathrin Schärer zusammen ein Buch machen, dann wird das ein gutes Buch. Die vorliegende Sammlung mit 28 Kurzgeschichten bestätigt dies einmal mehr. Ganz wundervoll hat die Illustratorin das Geschehen und die Stimmungen der beiden Hauptfiguren in ihren Bildern eingefangen. Die kurzen Texte eignen sich hervorragend zum Vorlesen, zum gemeinsamen Philosophieren, zum Lachen und Geniessen für zwischendurch. Die Themen der Erzählungen sind ganz nah an dem, was Kinder immer wieder beschäftigt. Es geht um Freundschaft, um Vertrauen, es geht um Langeweile, ums Träumen und darum, dass man Geschichten immer neu und anders erfinden kann. Ein «rigoros» gutes und wunderbares Vorlesebuch für Kinder ab etwa 6 Jahren.

Maria Riss

Lorenz Pauli / Kathrin Schärer, Rigo und Rosa, Atlantis 2016.

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Mauspost

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Briefträger Maus hat keinen leichten Job. Am frühen Morgen schon zieht er los, mit einem riesengrossen Karren voll von Paketen und Briefen. Bei allen Tieren muss Briefträger Maus vorbei, bei der Elster, bei den Hasen, beim Maulwurf, bei den Ameisen, bei Familie Krokodil und vielen andern. Überall klingelt Briefträger Maus und überall wird er freudig empfangen und begrüsst. Das allerletzte Päckchen, es ist mittlerweile Abend geworden, das bringt Briefträger Maus seinem Sohn Tommy mit, der hat heute nämlich Geburtstag. Ein Bilderbuch, das diesen Namen wirklich verdient. Kleine Betrachterinnen und Betrachter werden ihre helle Freude daran haben, all diese Wohnungen und Häuser von innen zu betrachten. So viele Details kann man entdecken. Im Haus der Fliege beispielsweise hat es auch Möbel an der Decke, bei den Hasen türmen sich die Stockbetten und beim Krokodil, da steht alles unter Wasser, weil das schlaue Tier mittels Trichter eine Bewässerungsanlage eingebaut hat. Ein wunderbares Entdeckerbuch, das schon ganz kleine Kinder – und ältere ebenso – begeistern wird.

Maria Riss

Marianne Dubuc: Briefträger Maus. Beltz 2016.

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Elin im Sturmland

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Die Geschichte spielt im Jahr 2060 in Schweden. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Schnee gibt es schon lange nicht mehr, dafür werden die Menschen von heftigen Stürmen geplagt, roter Sand bedeckt immer wieder die Landschaft. Elin ist etwa 16 Jahre alt. Sie und ihre Familie haben der Regierung getrotzt, sind nicht in die grossen Städte gezogen und leben auf einem der verstreuten Höfe. Tag und Nacht müssen die Überwachungskameras laufen, ständig sind sie unter der Kontrolle der Mächtigen. Und dann passiert es: Auf dem Ritt nach Hause werden Elin und ihr Bruder überfallen. Elin hat ihre Armbrust dabei und kann sich wehren. Ihr Bruder Vagn aber wird entführt. Sofort macht sich Elin auf die Suche nach ihrem geliebten Bruder. Dies ist lebensgefährlich. Nicht nur die Entführer, eine verfeindete Familie, machen ihr zu schaffen, es ist auch die Armee und die Polizei und das Gefühl, niemandem wirklich trauen zu können.

Mats Wahl hat ein absolut spannendes, packendes Buch geschrieben, das Jugendliche beider Geschlechter gleichermassen begeistern wird. Und dies bereits ab der ersten Seite. Das Buch besticht nicht nur durch die enorme Spannung, besonders beeindruckend ist auch die Zeichnung der Figuren gelungen. Elin und Vagn könnten nebenan wohnen, so glaubhaft und nachvollziehbar sind ihre Handlungsweisen. Obwohl die Geschichte in ferner Zukunft spielt und vieles fremd erscheint, stellt der Autor beklemmende Bezüge zu unserer heutigen Welt her. Das Buch ist aus diesem Grund sehr viel mehr als bloss ein Abenteuerbuch oder Fantasy Roman. Mats Wahl gehört zu den wichtigsten Autoren der modernen Jugendliteratur. Mit diesem Buch, das unbedingt in jede Bibliothek gehört, beweist er dies einmal mehr. Bereits ist der zweite Band erschienen: Sturmland. Die Kämpferin.

Maria Riss

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