Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendbuch

Weihnachtsgans mit Schneemann

Wie sich die Weihnachtsgans vor dem Ofen rettete

Wie sich die Weihnachtsgans vor dem Ofen rettete

Wolf, Fuchs und Wiesel wollen in diesem Jahr ein besonders festliches Weihnachtsessen zubereiten. Fuchs macht sich auch gleich mit einem grossen Sack auf die Jagd nach einem geeigneten Braten. Das Abenteuer beginnt, als er mit der Beute zu seinem Bau zurückkehrt. Gans, kaum dem Sack entlassen, schimpft gleich mächtig los. Fuchs solle gefälligst aufräumen, bevor er Damenbesuch erhalte. Fuchs gehorcht und putzt den Bau sauber, so lange bis alles glänzt. Als Wiesel und Wolf eintreffen, macht die Gans ihnen sofort klar, dass man eine Weihnachtsgans zuerst mästen und füttern müsse. Ja, das leuchtet ein. Aber nur Gans kann kochen, sie übernimmt das Kommando in der Küche, lässt die andern Gemüse rüsten und Geschirr spülen. Beim Mau-Mau spielen nach dem feinen Essen gewinnt Gans immer, weil sie halt am besten schummeln kann. Aber so viel Spass, hatten die drei schon lange nicht mehr. Gans übernimmt im Bau auch an den folgenden Tagen das Zepter. Da wird gebastelt und ein Baum geschmückt, da werden Plätzchen gebacken und Tannenzweige aufgehängt. Ein Leben ohne Gans, das können sich Wiesel, Wolf und Fuchs schon bald gar nicht mehr vorstellen. Und mit dem Braten, da warten sie doch lieber noch ein Jahr. Dies auch, weil alle drei keinen Schimmer davon haben, wie man einen solchen Gänsebraten überhaupt gart.  In den Bildern wird deutlich, wie einfallsreich Gans agiert, und wie gerissen sie die andern überlistet. Präzise geben die Bilder nicht nur die verschiedenen Charaktere und Gefühle wider, spürbar wird auch die Stimmung im Fuchsbau, die mit jedem Tag besser und gemütlicher wird, seit Gans hier wohnt. Gans hat Mut, Durchsetzungskraft und ist sehr viel klüger als alle andern, das wird die meisten Kinder begeistern. Das humorvolle und durchaus auch spannende Bilderbuch empfiehlt sich für Kinder ab etwa 4 Jahren.

Schöne Weihnachten, kleiner Schneemann!

Wolfgang Hänel: Schöne Weihnachten, kleiner Schneemann

Die Kinder haben einen wunderschönen Schneemann gebaut – fast. Leider werden sie nicht ganz fertig, weil sie ins Haus gerufen werden, um Weihnachten zu feiern. So steht der kleine Schneemann im Hof, ohne Rüebli-Nase und ohne Hut. Besonders traurig ist er nicht, ihn nimmt es einfach Wunder, was denn dieses Weihnachten eigentlich ist. Er macht sich deshalb auf, um schlauer zu werden. Die meisten Tiere, die er fragt, wissen auch nicht richtig Bescheid. Sie erzählen von Bäumen in Häusern und von extragrossen Hundeknochen. Ein kleiner Hase schenkt dem kleinen Schneemann dafür endlich eine Nase und meint, das mache man an Weihnachten so. Erst ein Eichhörnchen ist genauso neugierig wie er. Gemeinsam wollen sie der Sache auf den Grund gehen. Unterwegs treffen sie weitere Schneemänner, die sich ihnen anschliessen. Beim Haus einer Familie machen sie Halt. Sie schauen durchs Fenster und staunen ob dem Lichterglanz. Natürlich werden sie von den Kindern entdeckt und so kommt es, dass der kleine Schneemann am Schluss nicht nur eine wunderschöne Mütze auf dem Kopf, sondern auch einen wunderschönen, selbstgestrickten Schal um den Hals trägt.

Wolfgang Hänel hat eine fröhliche, unbeschwerte Weihnachtsgeschichte in 24 kurzen Kapiteln geschrieben. Susanne Göhlich hat ebenso heitere Bilder dazu gemalt. Eine unbeschwerte, vielleicht etwas gar niedliche Weihnachtsgeschichte, die aber an keiner Stelle kitschig wirkt. In dieser Zeit tun solche Geschichten zwischendurch ja auch ganz gut. Ein ideales Vorlesebuch für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Maria Riss

Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn

Dass es viel unbekanntes Wissen über Hühner gibt, merkt man schon beim Lesen der Inhaltsübersicht. Auf den ersten Seiten gibt es einen Überblick über verschiedene Rassen und deren Merkmale. Auch ein Ei sieht je nach Hühnerart völlig anders aus, genauso wie die Form der Kämme am Kopf. Zum Lernen gibt es viel, beispielsweise, dass ein Huhn gleichzeitig in verschiedene Richtungen schauen kann, weil es die beiden Augen unabhängig voneinander bewegen kann. Oder dass ein Huhn der Rasse «Jersey Giant» fast einen Meter gross wird. Eine Doppelseite ist den so unterschiedlich gemusterten Hühnerfedern gewidmet, eine andere gibt Auskunft darüber, was Hühner zum Leben brauchen, damit man möglichst viele Eier einsammeln kann.

Das vorliegende umfangreiche Buch bricht definitiv mit allen Vorstellungen, die Lesende sich über ein Hühner-Sachbuch machen. Man weiss nicht genau, ob man nun ein Kunst-, ein Bilder- oder Sachbuch in Händen hält. Wer sich bisher noch nicht für Hühner interessiert hat: Nach dem Lesen und Betrachten dieses Buches wird sich das mit Sicherheit ändern. Ganz egal wie alt man ist, ganz egal, ob man über Hühner schon Bescheid weiss oder nicht. Man kommt aus dem Staunen einfach nicht mehr heraus. Ein einmalig schönes Familienbuch mit fast 80 Seiten, das aber auch in keiner Schulbibliothek fehlen sollte.

Maria Riss

Barbara Sandri / Francesco Giubbilini: Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn. Wissenswertes über unser liebstes Federvieh. Verlag Kleine Gestalten 2020.

Ein Mann für alle Fälle

Er heisst Hans, dieser Mann für alle Fälle. Hans hat einen wirklich tollen Job: Er arbeitet für den Präsidenten, erledigt für ihn gewissenhaft alle anfallenden Arbeiten, auch wenn ihm diese manchmal nicht gar so sinnvoll erscheinen. Wenn Hans alles zur vollen Zufriedenheit des Präsidenten ausführt, darf er in absehbarer Zeit auf den Koffer des Präsidenten aufpassen. Dieser Koffer ist äusserst wichtig, denn ein roter Knopf daran kann die Welt zum Explodieren bringen. Auf dem Nachhauseweg trifft Hans auf einen, der ihm verflixt ähnlichsieht. Dieser Typ nimmt ihm nicht nur Schlüssel, Portemonnaie und Uniform ab, sondern auch den Job beim Präsidenten. Hans geht zur Polizei, aber beweisen, dass er, er selber ist und der andere ein Lügner, das gelingt Hans einfach nicht. Erst im Detektivbüro von Fräulein Cadmium findet er Unterstützung. Er will wieder sich selber sein und diesen fiesen, äusserst gefährlichen Betrüger stellen, um ihn hinter Gitter zu bringen. Weil das Land zugleich von einer fremden Macht bedroht wird, spitzt sich die Lage zu. Hans und Fräulein Cadmium müssen den Betrüger und vor allem den Koffer des Präsidenten unbedingt schnellstmöglich finden. Sonst, ja sonst fliegt vielleicht tatsächlich die ganze Welt in die Luft.
Einfachheit und bewusstes Weglassen sind wohl die Hauptmerkmale dieser so kunstvollen Graphic Novel. Auch bei der Farbgebung setzt der Autor bewusst Akzente. Manche Bilder sind schwarzweiss, andere mit einem flächigen Pastellton koloriert und mitunter werden gewisse Figuren mit kräftiger Farbe akzentuiert. Der Plot ist überaus spannend und leider auch aktuell, die kurzen Sätze in gut lesbarer Handschrift mit den Bildern verwoben. Auch Lesende, die sonst kaum je zu Comics oder Graphic Novels greifen, werden dieses Buch mit seinen 138 Seiten nicht nur gern zu Ende lesen, sondern ihren grossen Spass daran haben. Für Kinder ab etwa 8 Jahren genauso wie für Erwachsene.

Maria Riss

Øyvind Torseter, Ein Mann für alle Fälle, Gerstenberg Verlag 2020

lesen, empfehlen, verkaufen!

Endlich ist es wieder soweit!

Zum zweiten Mal überhaupt und zum ersten Mal im neuen Bücherladen findet unser Kinderprojekt statt. Acht Kinder aus Appenzell und Umgebung haben Bücher gelesen und Empfehlungen dazu geschrieben.

Kinder und ihre individuellen Leseinteressen wahrnehmen, ihre ganz persönlichen Meinungen über Gelesenes ernst nehmen, waren und sind oberste Ziele dieses Projekts. Vor allem an den beiden Verkaufstagen, wird zudem das Gespräch über Gelesenes im Zentrum stehen.

Wir hoffen und freuen uns auf möglichst viele Besucherinnen und Besucher an der Vernissage am Freitag 11. September um 17 Uhr im Bücherladen
Begleitet von musikalischen Leckerbissen der Musikschule Appenzell.

An den beiden Samstagvormittagen – 12.9 & 19.9. – stehen die Kinder hinter dem Ladentisch und freuen sich sicherlich über zahlreiche Kundinnen und Kunden.

 

Maria Riss

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Unsere heissen Sommertipps!

Bücher lesen im Liegestuhl, Bücher mittragen im Rucksack, Bücher im Zug verschlingen, Bücher zum Weiterträumen unters Kopfkissen legen. Wir brauchen Bücher in jeder Lebenslage! Hier sind unsere Reisebegleiter der letzten Wochen. Auf zu kurvigen Leseabenteuern und grenzenlosen Entdeckungsreisen!

 

Carol Forster empfiehlt..

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„Da sind wir“ von Graham Swift

Eine Dreiecksgeschichte im Varietémilieu der späten Fünfzigerjahre. Ein bezaubernder, flirrender Ausflug ins Seebad Brighton in Begleitung eines Zauberers, eines Entertainers und der entzückenden Evie White.
„Die Liebe ist ein schreckliches Ungeheuer – Illustre Schweizer Paare“ von Franziska Schläpfer

Aussergewöhnliche Persönlichkeiten, ungewöhnliche Liebesgeschichten. Franziska Schläpfer hat in Archiven gestöbert, unzählige Tagebücher gelesen, mit Nachkommen gesprochen und erzählt uns in ihrem neuesten Buch von starken Charakteren, die ihre Leidenschaft auf Augenhöhe lebten, im Guten wie im Schlechten. Corinna Bille und Maurice Chappaz, Anne-Marie Blanc und Heinrich Fueter und einige mehr. Ein aufregender Blick auf schillernde Schweizer Paare.
„Unter Blumen“ von Regula Engeler

Zeitgenössische Fotografie verbunden mit Liebeslyrik des 9. Jahrhunderts von Wen Tingyun. Eine künstlerische Begegnung von Ost und West. Bilder und Texte treten in einen Dialog und verdeutlichen die entgrenzenden Eigenschaften von Kunst. Erschienen im wunderbaren Vexer Verlag St.Gallen.
„Flugs in die Post“ von Patrick Leigh Fermor

Wir reisen im Zeitraum von siebzig Jahren in den Briefen von Patrick Leigh Fermor quer durch die Welt und erleben seine Abenteuer mit. Rumänien, Griechenland, England, Afrika, Italien. Paddy schrieb unermesslich viele Briefe an seine Frau, an seine Freundinnne und Freunde und an seine Geldgeber. Er war ein Bonvivant, ein Abenteurer, Journalist, Schriftsteller und ein unersättlicher Genussmensch. Grossartig. Danke lieber Dörlemann Verlag.
„Eine Frau in New York“ von Vivian Gornick

»Eine Frau in New York« ist das zutiefst ehrliche Bekenntnis Vivian Gornicks, der Grande Dame der amerikanischen Frauenbewegung, zu einem selbstbestimmten, unkonventionellen Leben, eine mutige Annäherung an das Fremde, eine Ode an wahre Verbundenheit und eine Liebeserklärung an diese kräftezehrende und zugleich so vitalisierende Stadt: New York.
„Die Farben des Feuers“ von Pierre Lemaitre

Oder doch nach Paris? Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs regieren Habgier und Neid in den Straßen von Paris, und so bahnt sich ein Komplott an, um das mächtige Bankimperium Péricourt zu Fall zu bringen. Doch Alleinerbin Madeleine weiß die Verhältnisse in Europa für sich zu nutzen, und dreht den Spieß kurzerhand um. Für Madeleine ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Um ihres Sohnes willen beginnt sie ihren ganz persönlichen Rachefeldzug zu planen.

 

„Gone Baby Gone“ von Dennis Lehane

Nichts für schwache Nerven. Dorchester, das Arbeitierviertel von Boston. Kenzie & Gennaro ermitteln in einem Entführungsfall. In „Gone Baby, Gone“ steht das Kindeswohl im Mittelpunkt, manchen liegt es so am Herzen, dass sie ein Kind, die vierjährige Amanda, entführen. Die Mutter, Helene McCready, ist Drogen, Alkohol, dem Fernsehen und falschen Freunden mehr zugeneigt als ihrer Tochter. Die Schwägerin, mit Helenes Bruder verheiratet, sorgt sich mehr um den Verbleib ihrer Nichte als die Mutter, die ihre Trauer vor allem vor der Reportermeute zur Schau stellt. Die Polizei rückt mit Hundertschaften aus, und findet keine Spur der Kleinen. Sie scheint samt ihrer Puppe vom Erdboden verschwunden zu sein. Deshalb engagiert die Tante das Privatdetektiv-Duo Patrick Kenzie & Angela Gennaro.

 

Anna-Lena Fässler empfiehlt…

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Für Reisehungrige, die diesen Sommer zumindest in Gedanken verreisen möchten:
„Brot, Salz und unsere Herzen“ Edith Durhams Reise durch die Bergwelt Albaniens  und „Insel Europa“  von Annemarie Schwarzenbach – zwei eindrückliche Reisepionierinnen, die ihre Abenteuer und Eindrücke packend festgehalten haben.
„Schwarze See – eine Reise um das Schwarze Meer“ von Jens Mühling – er erzählt von einem Meer zwischen den Trennlinien Europas und führt uns vor Augen, dass alle Grenzen letztlich fliessende sind und ein „Klassiker“ der Reiseliteratur: „Die Erfahrung der Welt“ von Nicolas Bouvier.

Für Lesehungrige:
„Hilma af Klint – Die Menschheit in Erstaunen versetzen“ von Julia Voss – endlich eine ausführliche Biographie über die lange verkannte Pionierin der abstrakten Malerei – ein wunderbares Zeit- und Frauenportrait.

Für Abenteuerhungrige:
Tru & Nelle G. Neri – eine absolut liebenswerte Kinderbuchentdeckung über die Freundschaft von Nelle Harper Lee und Truman Capote in einem heissen Südstaatensommer.

 

Can Tolga empfiehlt…

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Mooji lädt ein zu entdecken, das unser Herz „Weiter als Himmel, grösser als Raum“ ist.
Für alle die sich nicht vor einer Reise nach innen scheuen.

Für die Kleinen, Mittel- und ganz Grossen ein reinstes Lesevergnügen.
Ob liebevoll und gewitzt mit „Die Wahrheit über alles – der kleine Spirou“, exotisch mit
„Marsupilami – Tumult in Palumbien“, oder tollpatschig mit „Percy Pickwick – Just married“ – für alle ist etwas dabei.

Utterly amusing and nonetheless very informative„Mythos“ by Stephen Fry is compelling and witty.

„Meddling Kids“ by Edgar Cantero, what a mad and lovable book. A rollercoaster ride through genres and emotions, one can only love this imaginative, unsettling and lovable tale.

 

Vanja Hutter empfiehlt…

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Für alle, die „Weit weg von Verona“ ihre Füsse über die Mauer baumeln lassen wollen, in Gesellschaft der schlagfertigen und klugen 14-jährigen Jessica.

Für die „Spartaner“ unter uns, genügsam mit schlankem Buch, unersättlich an blitzschnellem Dialogabtausch.

Für solche, die wissen wollen „Warum ich nicht länger mit Weissen über Hautfarbe spreche“, um nachher dringend darüber zu reden.

Für die Ausloterinnen und Forscher einer „Geografie der Freiheit“ . Ein John-Berger-Projekt“ vom Vexer Verlag St. Gallen, dessen Spezialforschungsgebiet unter anderem der Tümpel ist. www.vexer.ch

Utopist*innen vor. Die Welten von Emmanuelle Bayamack-Tam rütteln die Eigenen in neues Licht. Willkommen in „Arkadien“.
„Nicht mein Ding“ würde ich niemals von diesem Buch sagen. Lustig und todtraurig, dazwischen eine Brücke der kleinen, feinen Wunder.

 

Maria Riss, bereits in die Ferien gedüst, empfiehlt…

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„Alles genau so in echt passiert“ von Anke Kuhl

Anke Kuhls Illustrationen sind schlicht umwerfend. Mit ganz wenigen Strichen bringt sie in den kurzen Comics alles zum Ausdruck, was Kinder bewegt: Angst, Eifersucht oder Glückseligkeit. Das Buch eignet sich zum Erzählen oder Vorlesen, zum Lernen einer differenzierten Bildersprache, zum Lachen, Vergleichen und Diskutieren. Für Kinder ab etwa 6 Jahren.
„Sammy. Die unglaublichen Abenteuer einer kleinen Maus“ Henry Cole

Die Spannung in dieser Geschichte beginnt gleich auf der ersten Seite und bleibt bis ganz zum Schluss erhalten. Es ist wirklich schier unglaublich, was dieser Mäuserich mit seiner so mutigen Freundin Fiona alles erlebt. Ein wunderbar, spannender Lese- und Vorlesespass mit fantastischen Bildern. Zum Vorlesen ab 6, zum Selberlesen ab etwa 8.
„Endling. Die Suche beginnt“ Katherine Applegate

Das Buch «Endling» ist Fantasy vom Feinsten. Hier stimmt einfach alles: Die treffend gezeichneten Figuren mit ihren verschiedenen Charakteren, die Schilderung der mystischen Welt und ihrer Fabelwesen, die zahlreichen klugen Dialoge und der spannende Plot. Ein wunderbar ergreifendes und spannendes Lesevergnügen für Kinder ab etwa 12 Jahren.

„Heldenhaft“ Andreas Thamm

Zwei Jungs, beide etwa 16 Jahre alt, wohnen in einem kleinen Kaff und träumen nicht nur von grossen Abenteuern, sondern auch von der ersten Liebe. Und dann zieht Lea ins Dorf und plötzlich wird alles anders, realer. Die Geschichte ist in einer Sprache geschrieben, die sich locker liest und die doch sehr treffend das grosse Gefühlsdurcheinander junger Erwachsener beschreibt. «Heldenhaft» lohnt sich zu lesen, nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene, die ihrer eigenen Jugend nachspüren wollen.

 

Zur Sprache bringen. Empfehlunen für junge Leserinnen & Leser

Kinder- und Jugendbücher stellen immer wieder sehr aktuelle Themen in den Fokus. Auch zum momentanen Geschehen in den USA. Vier lohnenswerte Titel stellen wir genauer vor.

Rosaparks Rosaparks_Buch

Im letzten Herbst ist ein wunderbares, leicht verständliches Bilderbuch für kleine Kinder über die Lebensgeschichte von Rosa Parks, der bekannten afroamerikanischen Bürgerrechtlerin, erschienen. Besprechung „Rosa Parks“ aus der Reihe „Little people – big Dreams“ .

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jason-reynolds-2019 nichtsokay_buch

Im Jahr 2016 hat der erfolgreiche afroamerikanische Autor Jason Reynolds ein Buch geschrieben, das die derzeitigen Ereignisse in den USA genau auf den Punkt bringt. Besprechung „Nichts ist okey!“ von Jason Reynolds

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nicstone dearmartin_buch

Nic Stone berichtet in ihrem ersten eindrücklichen Jugendroman von Yustice, einem jungen Schwarzen, der Briefe an Martin Luther King schreibt und ihn um Rat bittet. Besprechung „Dear Martin“ von Nic Stone.

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athomas thehateyougive_buch

Angie Thomas schreibt über die sechzehnjährige Starr, die trotz ihrer schwarzen Hautfarbe eine weisse Schule besucht. Der beeindruckende Roman hat es auf Anhieb auf Platz 1 der New York Times-Bestenliste geschafft. Besprechung  „The hate u give“ von Angie Thomas.

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Mitlesen, Anlesen, Auflesen, VORLESEN!

Zum heutigen Vorlesetag 27. Mai 2020

Vorlesen soll Spass machen, nicht nur den zuhörenden Kindern, sondern auch Vorleserinnen und Vorleser. Frisch erschienen und wunderbar geschrieben ist das Buch: „Als ich die Pflaumen des Riesen klaute“ von Ulf Stark. 

 

Vorlesen_pflaume

In Ulfs kleinem Dorf lebt ein Riese. Unheimlich ist dieser hünenhafte Oskarsson, schaut immer mürrisch in die Gegend und spricht kaum ein Wort. Nur wenn Mama bei offenem Fenster Klavier spielt, da werden die Augen des Riesen ganz sanft. Ulf und sein bester Freund Bernt haben Angst vor diesem Oskarsson. Da helfen auch die ganzen Hypnosekünste nicht, die Bernt immer wieder ausprobiert. Um sich die Zeit in diesem nie enden wollenden Sommer zu vertreiben, stellen sich die beiden gegenseitig Mutproben. Ulf ist nur bedingt begeistert und trotzdem fasziniert davon. Die neuste Aufgabe, die erfordert wirklich all seinen Mut: Er soll in Oskarsson Garten Pflaumen klauen. Es stürmt an diesem Tag, alles wirbelt durcheinander, vielleicht ist dies mit ein Grund, weshalb Ulf zum ersten Mal mit Oskarsson spricht und etwas Wichtiges entdeckt: Grosse mürrische Menschen müssen nicht immer böse sein, möglicherweise sind sie nur so einsam, dass sie das Reden verlernt haben. Wie Ulf und Bernt es schaffen, dass Oskarsson plötzlich ziemlich nett ist und ihnen sogar beim Bau einer Hütte hilft, das sei hier noch nicht verraten, zu schön ist es, diese Geschichte selber nachzulesen.
Der leider verstorbene schwedische Autor Ulf Stark bleibt sich auch in seinem letzten Buch treu. Er ist bekannt für seine wunderschöne Sprache, für seinen Witz und für seine so liebenswerten Figuren. Man spürt beim Lesen die Wärme, das Licht, aber auch, dass manchmal Schatten zum Leben dazugehören. Und zwischendurch, da kann man immer wieder kichern. Das Buch erzählt von Lausbuben, die, wie sollte es anders sein, ein butterweiches Herz haben. Eine witzige, spannende und gleichermassen berührend poetische Geschichte, die sich hervorragend für vergnügliche Vorlesestunden eignet. Für Kinder ab 8 Jahren genauso wie für Erwachsene.

Urachhaus 2020, ISBN: 978-3-8251-5222-2

 

Weitere tolle Vorleseempfehlungen von Maria Riss, unsere Spezialistin für Kinderbücher,  finden Sie hier !

 

Unser Vorleser

Der TV-Entertainer aus dem Appenzell (und ehemaliger Bücherladennachbar) ist ein umtriebiger Tausendsassa. Für den Vorlesetag fand er trotzdem Zeit – schliesslich liegt ihm das Vorlesen ebenso am Herzen wie uns. Marco Fritsche liest Jugendlichen ab 12 Jahren aus Sunil Manns Jugendbuch «Totsch» (da bux) vor.

Regie und Kamera hat Carol Forster übernommen, die Buchhändlerin des Bücherladens Appenzell, wo Marco Fritsche vorliest.

 

 

Hier geht’s direkt zum „Totsch“ im Bücherladen Internet-Shop

Elektrische Fische

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Emma muss mit ihrer Mutter und den beiden Geschwistern von Dublin nach Mecklenburg-Vorpommern umziehen. In ein winziges, gottverlassenes Kaff am Ende der Welt. Die Mutter will nach einer gescheiterten Ehe an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren und mit den Kindern erstmal im Haus bei ihren alten Eltern wohnen. Die Ankunft in Deutschland wird für die ganze Familie zu einem einzigen Desaster. Emmas Mama hat sich das alles ganz anders vorgestellt. Sie kennt hier kaum noch jemanden und findet keinen Job. Der ältere Bruder zieht sich vollständig zurück und die kleine Schwester Aoife spricht kein Wort mehr, seit ein Mitschüler sie «Affe» genannt hat. Auch Emma tut sich schwer, ihr Deutsch reicht hinten und vorne nicht, sie findet keinen Anschluss und vermisst ihre vertraute Welt in Irland mit jedem Tag mehr. So reift in ihr der Plan, einfach abzuhauen. Ausgerechnet Levin, ein Mitschüler, der eigentlich selber einen grossen Sorgenrucksack trägt, hilft ihr bei der Planung. Fast zu spät merkt sie, dass sie sich Illusionen hingegeben hat, dass sie hier gebraucht wird und vor allem, dass sie hier einen wunderbaren, einmalig guten Freund gefunden hat.
Selten wurde das Gefühl von «Heimweh» so eindringlich und nachempfindbar beschrieben. Susan Kreller schreibt in einer einfachen, ruhigen Sprache. Manche Sätze sind so wunderbar treffend formuliert, dass man sie mehr als einmal lesen möchte. Vielleicht kann man nicht so genau sagen, welche Freundschaft besser ist, die gekippte oder die weit geöffnete, die Freundlichkeit, die gross ist, aber gleich verschwindet, oder die, die klein beginnt und ewig dauert. Elektrische Fische gehört zum Besten, was an literarischen Texten für Jugendliche in den letzten Jahren geschrieben worden ist. Und nebenbei erfahren Lesende eine ganze Menge über Irland, über irisches Essen, über Bräuche und wie man in Irland am schönsten flucht. Für Jugendliche.

Maria Riss

 

Susan Kreller: Elektrische Fische, Carlsen 2019

Brieffreundinnen

file-58Bett und Avery wollen eigentlich nicht befreundet sein, denn sie SOLLEN unbedingt befreundet sein. Verlangen ihre Väter. Und so beginnt eine E-Mail-Bekanntschaft, bei dem sie sich schnell klarmachen, dass sie auch gar nichts gemeinsam haben. Als sie sich in einem Ferienlager treffen, merken sie, dass Unterschiede eigentlich ganz praktisch sein können. Und dass sie durch das Schreiben, durch den Austausch von persönlichen Gedanken und Geheimnissen, schliesslich doch Freundinnen geworden sind.

Ein E-Mail- und bisschen Brief-Roman, turbulent, frisch und mit Herz. Und, wie ich finde, hübschem Einband. Für Leser*innen ab 12.

Melina Cajochen

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Holly Goldberg Sloan/Meg Wolitzer, An Nachteule von Sternenhai, Hanser 2019

Kinder lesen, empfehlen und verkaufen!

Bereits im Mai fand die erste Redaktionssitzung mit 13 Kindern aus Appenzell und Umgebung statt. Danach wurden die ausgewählten Bücher mit grosser Begeisterung gelesen und ganz wunderschön gestaltete Rezensionen verfasst. Kinder und ihre individuellen Leseinteressen wahrnehmen, ihre ganz persönlichen Meinungen über Gelesenes ernst nehmen, waren und sind oberste Ziele dieses Projekts. Vor allem an den beiden Verkaufstagen, wird zudem das Gespräch über Gelesenes im Zentrum stehen.

Wir hoffen und freuen uns auf möglichst viele Besucherinnen und Besucher an der Vernissage am Freitag 28. Juni um 17 Uhr.

Die Kinder werden sich über zahlreiche Kundinnen und Kunden an den beiden Samstagen freuen.

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Der etwas nervige Elefant

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Eines Tages klopft es an der Tür. Sam rennt die Treppe hinunter, um sie zu öffnen. Ist es der Postbote? Nein, es ist ein Elefant. Ein gewaltiger, gigantischer, elephantöser Elefant. Der Elefant will rein und Hunger hat er auch. Bald wird klar, weshalb der Elefant hier auftaucht und Sam zu kennen scheint: Sam hat im Zoo ein Patenschafts-Formular für einen Elefanten ausgefüllt. Und deshalb hat sich der Elefant in ein Flugzeug gesetzt und ist gleich hergekommen. Der Elefanten zwängt sich durch die Haustür zur Küche. Diese frisst er in «nullkommanix» leer. Anschliessend folgt ein Bad mit einer entsprechenden Überschwemmung und die Fahrt auf Sams Fahrrad, das dabei selbstverständlich in die Brüche geht. Das Ganze gipfelt schliesslich darin, dass es erneut an die Tür klopft und eine ganze Herde gigantischer Elefanten vor der Tür steht. Das ganze Haus füllt sich mit Elefanten und erst jetzt wird Sam bewusst, dass er künftig bei jedem Formular unbedingt das Kleingedruckte lesen muss.
Mit Tony Ross und David Williams, beide Altmeister des britischen Humors, haben sich zwei zusammengetan, die wissen, was Kinder und auch Erwachsene zum Lachen bringt. Die beiden beherrschen ihr Fach einfach meisterlich. Die aberwitzige Geschichte und die Bilder sind so wunderbar gekonnt, dass allein schon das Durchblättern helle Freude macht. Bereits ganz kleine Kinder werden begeistert sein und sich immer wieder auf die Suche nach den vielen Details machen, die in den farbenfrohen Bildern versteckt sind. Das vorliegende Bilderbuch wird mit Sicherheit zum Lieblingsbuch ganz vieler Kinder avancieren. Ab etwa 4 Jahren.

 

Maria Riss

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David Williams / Tony Ross, Der etwas nervige Elefant, Rowohlt 2019

Selbst ist die Enola

 

In England schon längst eine Bestseller-Reihe, können wir nun auch in Deutsch bei Enola Holmes’ Ermittlungen mitfiebern. Was für eine Lesefreude!
Enola Holmes wohnt mit ihrer Mutter auf dem Land, in einem Vorort von London. Sie ist 14 Jahre alt und kann ihre Tage selber gestalten, ohne lästiges Korsett-tragen, Handarbeits-Training und sonstige Beschäftigungen, die jungen Damen von ihrem Stand angemessen wären. Als ihre Mutter verschwindet, flüchtet sie vor ihren Brüdern, denn die wollen sie in ein Internat stecken. Sie entschliesst sich, in London unterzutauchen – denn wo kann sie sich besser vor einem Meisterdetektiv und einem Mitarbeiter des Geheimdienstes verstecken, als im Trubel der Grossstadt? Wo kann sie sich besser vor ihren Brüdern Sherlock Holmes und Mycroft Holmes verstecken, als in der Höhle der Löwen. Auf dem Weg nach London stolpert sie über den Fall des verschwundenen Lords und beginnt zu ermitteln.
Die Sprache und die Bilder des Romans sind wie Enola selbst: kraftvoll, präzis, authentisch, klug und herzlich. Ein Buch aus einem Guss, zu Lesen ab 13 bis 25, für Interessierte an Lebensumständen Ende des 19. Jahrhunderts und an starken Frauenfiguren. Lasst euch also nicht vom mädchenhaften Bucheinband in die Irre führen!

Melina Cajochen

Nancy Springer, Der Fall des verschwundenen Lords. Ein Enola Holmes Krimi, Knesebeck 2019.

 

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Hallo, hier kommt Lucy

ichliegeLucy Adler liebt Basketball und ihren besten Freund Percy. Mit typischem Mädchencliquenzeug kann sie so gar nichts anfangen. Percy leider schon: Seine Freundinnen sind hübsch, liebenswert und darauf bedacht, Männerträume zu erfüllen. Im New York der 90er versucht Lucy herauszufinden, was sie eigentlich will. Und erfährt, dass nicht mit jedem gelebten Traum ein Wunsch in Erfüllung geht.
Ich mag Lucy, ich mag es (Lese-) Zeit mit ihr zu verbringen, an ihren Leidenschaften teilzuhaben und mit ihr auf der Suche zu sein. Ein tolles Buch für Jungs und Mädels ab 14, die sich Gedanken über ihren Platz in der Welt machen.

Melina Cajochen

Dana Czapnik, Ich werde fliegen, Heyne Verlag 2019

 

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Eine schrecklich gute Geschichte einer abscheulichen Familie

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Familie Willoughby, das sind vier Kinder mit ganz schrecklich bösen Eltern. Diese Eltern gehen auf eine gefährliche Weltreise und kommen dabei ums Leben. Für die Kinder ist das eine ganz wunderbare Botschaft, weil sie mittlerweile von einem sehr liebevollen Kindermädchen betreut werden. Zur gleichen Zeit erzählt die Geschichte von Mister Melanoff, einem Milliardär, der seit langem deprimiert ist, weil seine Frau, die er nicht so besonders mochte und sein Sohn, den er umso mehr ins Herz geschlossen hatte, durch eine Lawine verschüttet worden sind und nie gefunden wurden. Dieser griesgrämige Milliardär findet eines morgens ein Baby vor seiner Haustür. Dieses kleine Mädchen erweicht sein Herz. Er lässt seine riesengrosse Villa endlich putzen, isst wieder regelmässig, kauft für das Kind alle möglichen Spielsachen und kümmert sich ganz liebevoll um das kleine Kind. Gleichzeitig werden in den Schweizer Bergen eine Frau und ein Junge aus einer Lawine geborgen. Die Frau findet die Schweizer Berge, vor allem den Postboten dort, ganz wunderbar, sie will um keinen Preis zurück. Der Sohn aber hat Heimweh nach seinem früheren Leben, vor allem sehnt er sich nach seinem Vater, der mit einer Erfindung von speziellen Schokoriegeln zum Milliardär geworden war. Man ahnt es beim Lesen mit jeder Seite mehr: Bei dieser verzwickten Geschichte führt irgendwann eins zum andern und kommt es buchstäblich zu einem Happyend, wie es im Buche steht.

Lois Lowry hat ein bemerkenswertes Buch geschrieben, dies in vielerlei Hinsicht: Da sind diese schrägen Figuren, die sich in einer altmodischen Welt so wohlerzogen und doch selbstbewusst bewegen, da ist das freche Spiel mit Klischees, vor allem, was Waisenkinder und die Schweizer Bergwelt betrifft, da sind diese vielen Übertreibungen und ein stellenweise wirklich schwarzer Humor. Durch die vielen Erzählstränge und Handlungsorte ist diese Geschichte nicht ganz einfach, sie eignet sich aber trotzdem hervorragend zum Vorlesen, weil Kinder wie Erwachsene immer wieder zum Lachen kommen und weil die verschiedenen Schauplätze durch eine klare Gliederung der Kapitel gut zu unterscheiden sind. Ein Buch für alle, die schräge, unkonventionelle und spannende Geschichten lieben. Für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Maria Riss

Lois Lowry, Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby, dtv 2019.

 

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Frisch vom Markt für Jugendliche

Maria Riss empfiehlt spannende Sommerlektüren!

dearmartinYustyce ist einer der besten Schüler seines Jahrgangs. Yustice sieht gut aus und kann auch im Sport mithalten. Fürs nächste Jahr hat er sich gar einen Studienplatz in Yale gesichert. Aber Yustice wird völlig willkürlich verhaftet und in Handschellen gelegt, obwohl er nur einem betrunkenen Mädchen helfen wollte. Denn Yustice ist schwarz. Er kommt zwar frei, weiss aber nicht, wie er mit seiner Wut umgehen soll. So beginnt er zu schreiben. Er schreibt Briefe an Martin Luther King, bittet um Rat, weil er einfach nicht weiss, wie er mit den vielen, oft kleinen rassistischen Beleidigungen im Alltag umgehen soll, und er weiss auch nicht, wem er sich anschliessen soll. Da gibt es die Gruppe der radikalen schwarzen Kämpfer, die mit roher Gewalt ihr Recht einfordern, manche von ihnen kennt Yustice seit dem Kindergarten. Da ist seine weisse Mitschülerin Sarah-Jane, die er so mag und die ihm nicht nur beim Debattieren zur Seite steht. Und da ist seine Mum, die für ihren Sohn alles tut, es aber niemals verstehen würde, wenn Yustice sich in ein weisses Mädchen verlieben würde. Egal wem sich Yustice anschliesst, er wird sich Feinde machen. Und von Martin Luther King bekommt er auch keine Antwort. Aber all die Briefe, die vielen Überlegungen, das Ordnen der Gefühle beim Schreiben, das ist trotz allem hilfreich. Und ganz zum Schluss weiss Yustice, welchen Weg er gehen will.

Gleich mit ihrem ersten Roman ist der jungen Autorin Nic Stone ein Wurf geglückt. Nicht nur, weil das Thema nach wie vor so aktuell ist, sondern auch, weil sie Yustice mit seinem Durcheinander an Gefühlen, seiner Suche nach dem für ihn richtigen Weg so glaubhaft und eindringlich beschrieben hat. Yustice gerät immer wieder zwischen die Fronten und wird bedroht. Dies ist nicht nur in Amerika so. Jugendliche werden Yustice Konflikte sehr gut nachvollziehen können. Es geht im Buch darum, seine Rechte einzufordern, sich über die eigene Haltung klar zu werden und dafür auch gerade zu stehen, ganz egal, ob man sich damit Feinde macht. Das spannende Buch sei Jugendlichen ab etwa 14 Jahren wärmstens empfohlen.

Nic Stone: Dear Martin
Aus dem Englischen von Karsten Singelmann
Rowohlt 2018
ISBN: 978-3 499-21833-0

 

philippullman

Malcolm lebt mit seinen Eltern und seinem Daemon Asta in Oxford. Er ist etwa 12 Jahre alt und ein ungemein kluger und hilfsbereiter Junge. Gegenüber dem Fluss gibt es ein Nonnenkloster, Malcolm hilft dort immer wieder aus. Eines Tages wird im Kloster ein Baby abgegeben, ein kleines Mädchen mit dem Namen Lyra. Zur gleichen Zeit passieren merkwürdige Dinge: Malcolm beobachtet einen Mord und belauscht beim Helfen in der Gaststube seiner Eltern geheime Gespräche über Macht, Krieg und Religion. Malcolm erfährt auch, wer der Vater der kleinen Lyra ist. Lyras Vater wird verfolgt und kann sich nicht um seine kleine Tochter kümmern. Malcolm verspricht ihm, was immer auch kommen möge, er werde Lyra beschützen. Man munkelt in diesen Tagen auch von einer Flut, die kommen werde, so gross, wie sie noch nie jemand erlebt habe. Es ist Malcom, der zusammen mit dem Küchenmädchen Alice das kleine Baby vor den schrecklichen Fluten rettet. In Malcolms kleinem Boot gelingt ihnen die Flucht. Um das Baby Lyra scheinen sich die Mächtigen des Landes zu streiten, deshalb wird Malcoms Boot verfolgt. Nicht nur die riesigen Wassermassen, auch bewaffnete Verfolger bedrohen das Leben der drei Flüchtenden. Alice und Malcolm haben Lyra vom ersten Moment an in ihr Herz geschlossen und verteidigen ihr Leben mit allen Mitteln. Erst ganz am Schluss, nach dem Bestehen von unglaublich vielen Gefahren, können sie Lyra endlich in die Hände ihres Vaters legen.

Philip Pullman hat einen ganz fantastischen Roman geschrieben, dies in jeder Beziehung. In welcher Zeit und Welt die Geschichte spielt, ist unklar, im Vordergrund steht aber der Konflikt zwischen mächtigen Religionsführern und den Gelehrten der Wissenschaft. Der Autor hat den Plot mit vielen fantastischen Elementen ausgestattet, so wird etwa jede Figur von einem passenden Daemon begleitet, dies macht die Lektüre zusätzlich spannend und geheimnisvoll. Auch die Beschreibungen der Figuren sind so treffend, dass Lesende Alice und Malcolm zu kennen glauben und wohl mit allen beiden gern befreundet wären. Obwohl das Buch fast 600 Seiten umfasst, würde man gerne weiterlesen, so eindrücklich ist diese Lektüre, auch wegen der vielen, aktuellen und politischen Anspielungen. Da ist es gut, dass bereits im Herbst der nächste Band «Ans andere Ende der Welt»erscheinen wird.

«Über den wilden Fluss» ist Teil der Vorgeschichte zur unvergesslichen Trilogie «Der goldene Kompass».

Philip Pullman: Über den wilden Fluss
Aus dem Englischen von Antoinette Gittinger
Carlsen 2018
ISBN: 978-3-551-58393-2

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