Archiv der Kategorie: Bücher – Für Sie gelesen

Spinat in allen Lagen

Liebe Freundinnen und Freunde auf dem Land und in den Städten
Liebe Geniesserinnen und Schlemmer des guten Ton’s und Geschmack’s.

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Gemeinsames Singen macht stark und erzeugt gute Laune.
Der Schweizer Musiker Bo Wiget hat eine ganze Sammlung mit Spinatkanons komponiert. Auf lose Blätter genotet und wunderbar zum Anhören auf CD interpretiert, hat sie der St.Galler Vexer Verlag herausgegeben. Ein ungeahntes Universum. Spinat als Zuversicht. Als Begleiter. Im Zweifel. Im Wandel der Zeit. Spinat in allen Lebenslagen.
Wie geht das genau, haben wir Bo gefragt. Prompt hat er samt Familie geantwortet:

„Ich koche grad“

„Im Zweifel“

„Manche Leute denken“

„Und der Spinat“

Lust mit einzustimmen?

Spinat1_web…es ist angerichtet.

 

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Der schöne Schuber „Fritz Schedlers Spinatkanons von Bo Wiget“ ist bei uns erhältlich – hier. Auf Wunsch grün verpackt.

Wir wünschen guten Appetit und beste Gesundheit!

 

 

 

„Giovannis Zimmer“ nicht verlassen

Dieses Buch!
Dieses schreckliche, wundervolle, wichtige Buch.

Auch in seinem zweiten Roman liess sich James Baldwin nicht von den herrschenden Wertvorstellungen seiner Generation in Ketten legen und bewies sich abermals als tabubrechender Denker und Vorreiter seiner Zeit.

Mit elegantem, erbarmungslosem und zutiefst menschlichem Feingefühl, schildert Baldwin die Geschichte des jungen Amerikaners David, der auf der Flucht vor sich selbst, im Paris der Fünfzigerjahre strandet.

Bereits früh stellt David mit Bestürzung fest, dass er sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt. Da die Gesellschaft in der er lebt solcherlei Begehren aufs Schärfste verurteilt, beschliesst er diesen Teil seines Selbst in den Tiefen seiner Seele zu begraben und zu leugnen.

Als seine Verlobte eine Reise nach Spanien antritt, begegnet David in einer Pariser Bar dem schönen und ungestümen Italiener Giovanni, welcher nichts von Versteckspielen hält. Mit dieser Begegnung beginnt sich ein Riss durch Davids sorgfältig gebaute Fassade zu ziehen und ein Strudel von Fragen und Entscheidungen drohen ihn zu zerreissen.

Muss er sich seiner wahren Natur erwehren und eine Lüge leben oder findet er Zuflucht in Giovannis Zimmer? Welche Entscheidung kostet welchen Preis?

Baldwin ist es gelungen die Schicksale seiner Charaktere auf Gedeih und Verderb mit Davids innerem Kampf zu verflechten und den hausgemachten Irrsinn, welcher die menschliche Seele zu überschatten vermag, so dicht und bedrohlich zu vermitteln, dass sein Roman über Jahrzehnte nicht im Geringsten an Aktualität und Wichtigkeit verloren hat. Es ist fast unmöglich, sich dem unheilvollen und doch betörenden Sog dieses Buches zu entziehen.

Can Tolga

 

Giovanni

loslesen? hier gehts in „Giovannis Zimmer“, James Baldwin, dtv Verlag
oder „Giovanni’s room“, penguin books

Elektrische Fische

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Emma muss mit ihrer Mutter und den beiden Geschwistern von Dublin nach Mecklenburg-Vorpommern umziehen. In ein winziges, gottverlassenes Kaff am Ende der Welt. Die Mutter will nach einer gescheiterten Ehe an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren und mit den Kindern erstmal im Haus bei ihren alten Eltern wohnen. Die Ankunft in Deutschland wird für die ganze Familie zu einem einzigen Desaster. Emmas Mama hat sich das alles ganz anders vorgestellt. Sie kennt hier kaum noch jemanden und findet keinen Job. Der ältere Bruder zieht sich vollständig zurück und die kleine Schwester Aoife spricht kein Wort mehr, seit ein Mitschüler sie «Affe» genannt hat. Auch Emma tut sich schwer, ihr Deutsch reicht hinten und vorne nicht, sie findet keinen Anschluss und vermisst ihre vertraute Welt in Irland mit jedem Tag mehr. So reift in ihr der Plan, einfach abzuhauen. Ausgerechnet Levin, ein Mitschüler, der eigentlich selber einen grossen Sorgenrucksack trägt, hilft ihr bei der Planung. Fast zu spät merkt sie, dass sie sich Illusionen hingegeben hat, dass sie hier gebraucht wird und vor allem, dass sie hier einen wunderbaren, einmalig guten Freund gefunden hat.
Selten wurde das Gefühl von «Heimweh» so eindringlich und nachempfindbar beschrieben. Susan Kreller schreibt in einer einfachen, ruhigen Sprache. Manche Sätze sind so wunderbar treffend formuliert, dass man sie mehr als einmal lesen möchte. Vielleicht kann man nicht so genau sagen, welche Freundschaft besser ist, die gekippte oder die weit geöffnete, die Freundlichkeit, die gross ist, aber gleich verschwindet, oder die, die klein beginnt und ewig dauert. Elektrische Fische gehört zum Besten, was an literarischen Texten für Jugendliche in den letzten Jahren geschrieben worden ist. Und nebenbei erfahren Lesende eine ganze Menge über Irland, über irisches Essen, über Bräuche und wie man in Irland am schönsten flucht. Für Jugendliche.

Maria Riss

 

Susan Kreller: Elektrische Fische, Carlsen 2019

Ein Fall von vielen

Meinfall

Ein Buch, das unbedingt geschrieben werden musste und das in seiner existenziellen Dringlichkeit genauso gelesen werden sollte, ist das kürzlich im S. Fischer Verlag erschienene „Mein Fall“ von Josef Haslinger. Seine Zeit als Sängerknabe im katholischen Konvikt Zwettl in den 60er-Jahren bringt er im Selbstverständnis des betroffenen, sexuell missbrauchten und durch Gewalt misshandelten Kindes zu Papier. Aus diesem Blickwinkel hinterlässt es eine Verstörung, die alle treffen muss, die ebenfalls in dieser Zeit geboren und in das zerfallende katholische Milieu hinein gewachsen sind. Haslinger schildert weder voyeuristisch noch reisserisch die Betroffenheit des sprach- und schutzlosen Kindes, das noch heute aus dem erwachsenen, gebildeten und rational argumentierenden Professor spricht. Er findet Worte für die Ohnmacht und das Ausgeliefertsein in einem patriarchalen, hierarchisch funktionierenden Gesellschaftssystem, das in jener Zeit in seiner Normalität und seinen subtilen Mechanismen der Gewalt- und Machtspiele bei weitem nicht nur die Kirche geprägt hat.

In einem schmalen Band von gerade mal 139 Seiten sind seine Erinnerungen eine eindringliche Mahnung an die Menschlichkeit all jener, die gerne vergessen wollen, aber genauso an diejenigen, die aus diesen unsäglichen Verhältnissen Kapital und Publizität schlagen wollen. Es geht um Menschlichkeit – damals wie heute – und den achtsamen, menschenwürdigen Umgang miteinander. Diese einfache wie eindringliche Aufforderung aus der Feder eines Betroffenen zu lesen, bleibt aufwühlend und verstörend und ist nicht zuletzt auch eine mahnende Anklage an alle, die heute mit der Aufarbeitung dieser Zeit betraut sind.

 

Brigitta Schmid, Bücherladenfreundin

Josef Haslinger, Mein Fall. S. Fischer Verlag 2020

 

Gute Bücher für dicke Leser – weiter geht’s

Die dicken Leser sind sich uneins – ist das Buch gut, ist das Buch schlecht? Wir haben bei Tisch: eine „Mittelalter als Schauplatz der Geschichte“-Aversion, Freude an den eingängigen Beschreibungen des mittelalterlichen Alltags des südlichen Frankreichs, Kritik an den schlecht beschriebenen Motivationen der Figuren, Bewunderung für den flüssigen Stil, … Wo wir uns dann aber alle einig waren: Wie fein wir derweil speisen und trinken, hier oben am Hang mit Aussicht auf die Lichter Appenzeller Dörfer!

 

Und nun reingestürzt in Dr. Shiwago von Boris Pasternak – ob da sich die Klingen der dicken Leser wieder kreuzen werden?

Wer es mit uns wagt – wir treffen uns belesen wieder am Freitag 13. März.
Anmeldung und weitere Instruktionen via Bücherladen.

Hier direkt gebundenes Buch bestellen oder das Taschenbuch

 

Alte Zöpfe abschneiden

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Im Bücherladen liegt ein Flyer auf, der auffällt. Ein Haarzopf schlängelt sich über das Papier, „Alte Zöpfe abschneiden“ steht da geschrieben. Und sogleich taucht das berührende Buch „Der Zopf“ von Laetitia Colombani in meiner Erinnerung auf.

Smita, Giulia und Sarah haben eigentlich nichts gemeinsam: Sie leben in unterschiedlichen Welten, geografisch und auch was ihren Alltag betrifft. Wie drei Stränge eines Zopfes führt Laetitia Colombani diese drei Leben, in denen Haare auf unterschiedliche Weise eine Rolle spielen, zusammen. Und zeigt so, dass Unterstützung über verschiedenste Grenzen hinweg Leben ändern kann. Der Autorin ist eine wunderbare Geschichte darüber gelungen, wie schön es sein kann, wenn die Verbundenheit aller durch die Globalisierung fühlbar wird.

Und was hat es nun mit dem Flyer auf sich?
Die Naturcoiffeuse Edith Ulmann schneidet alte Zöpfe ab um Frauen und Kindern, die aufgrund von Krankheit ihre Haare verloren haben, eine Freude zu machen. Mit dem Verlust des Kopfschmuckes geht oft auch ein Stück Weiblichkeit, Sinnlichkeit und Identität verloren – das möchte Edith zusammen mit den Haar-Spenderinnen zurückschenken. Die Zöpfe werden zu haarcreation in Basel geschickt, wo sie zu schönen Haarteilen verarbeitet werden. Was es dazu braucht: ein bisschen Mut, frisch gewaschene Haare und eine Haarlänge von mindestens 20cm. Der Haarschnitt rundherum ist kostenlos.
Also hin und weg mit dem alten Zopf! Und vielleicht die ein oder andere goldene Kuh schlachten, die es sich in unserem Kopf bequem gemacht hat. Fürs neue Jahr die Chance zu haben, unbequem zwackende und störende Glaubenssätze zu entsorgen, kann befreiend sein. Das hilft sehen und sich freuen an dem, was ist. Und lässt uns so ein Teil der Fülle des Lebens sein.

 

Melina Cajochen

 

Wann und wo: Donnerstag 28. November 2019 von 18.30 bis 21.00 Uhr an der Jakob Signerstrasse 5 in Appenzell

Wie: ohne Anmeldung hin!

Bei Fragen: ei-genart@bluewin.ch

Beim Muschelessen über Muschelessen sprechen – Gute Bücher für dicke Leser

Schuberts Winterlieder.
Muschelnudeln mit Speck, Pilzen und Crème double
Zwei Salate
Wein, Bier, Wasser, Tee und Kaffee
Und Süsses dazu

Worte marschieren über den Tisch, mäandern auch mal
Der Anfang ist blass, die Mitte grandios, der Schluss ok
Wie Muscheln sterben (und Hummer bei Foster Wallace)
Wie Väter waren und sind
Was Mütter tun sollten. Und vielleicht nicht können
Was tatsächlich notwendig ist und hinreichend zumal

So oder so:
Der Tyrann muss weg
Punk.

Melina Cajochen

 

BUCH VIER

Das Buch für die nächste Runde „Gute Bücher für dicke Leser“ ist gewählt: Dr. Shiwago von Boris Pasternak. Sprechen wir darüber! Am 21. Dezember um 19 Uhr bei Pia. Gerne anmelden über mail@buecherladen-appenzell.ch.

Gleich bestellen und loslesen mit Ausgabe „schön-alt“ oder „elegant-neu“

 

Ultimativ

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Eugen de Bodt und sein Team sind gefordert, und wie. Der Mann der Bundeskanzlerin wird entführt. Später geht es der Frau des französischen Präsidenten ebenso. Beide müssen Fingeer lassen und die Regierungen der beiden big player in Europa sind mit nicht erfüllbaren Forderungen konfrontiert. Ganz nebenbei verlieren russische Staatsbeamte in halb Europa seltsamerweise ihr Leben und ein deutscher AKW-Cheftechniker steht arg unter Druck. Soweit so unübersichtlich. Soweit so Christian von Ditfurth. „Ultimatum“ sein neustes Buch lebt von der Verwirrung, den Dialogen und dem Zusammenspiel von de Bodts Team. Herzerfrischen arrogant und vollkommen unorthodox ermittelt de Bodt, lässt dabei schnell einmal den einen oder anderen unfähigen Minister über die Klinge springen und löst – natürlich – den Fall.

 

Christian von Ditfurth stellt mit seinen schnell erzählten, auf vielen Ebenen spielenden Geschichten von einem System, das angreifbar ist, an seine Grenzen stösst und auch am Schluss nicht unantastbar bleibt. Jede der knapp 500 Seiten ist Spannungsaufbau pur. Dass dann am Schluss der Schluss zwar schlüssig ist, aber etwas allzu stürmisch kommt, ist nicht weiter schlimm. Wer danach auf den Geschmack gekommen ist – „Ultimatum“ ist bereits der fünfte Fall von Eugen de Bodt.

Reto Pfändler

 

Ultimatum, Christan Ditfurth, C. Bertelsman 2019

direkt bestellen und zwar hier

Familienbande

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Ob mit oder ohne Geleitwort von Ljudmila Ulitzkaja und Vorwort der Herausgeberin Irina Scherbakowa, zweier gewichtiger Stimmen in der russischen zeitgenössischen Kulturlandschaft, das Buch „Ich glaube an unsere Kinder“ ist ein Kleinod der Erinnerung, aber auch eine stille Mahnung, die Geschichte in all ihren Winkeln und mit all ihren Auswüchsen immer ernst zu nehmen. 14 Väter kommen zu Wort, die während der Stalinzeit aus ihrer Haft, ihrem Verbannungs- oder Lagerort, an ihre Familien schrieben. Dort lebten sie zumeist unter widrigsten Umständen und starben häufig auch dort. Sie hielten den Kontakt zu ihren Familien mit äussersten Anstrengungen aufrecht, denn sie wollten Anteil haben an deren Alltag und wollten wissen, wie ihre Kinder aufwuchsen und lebten. Nicht selten war unter ihren Lebensumständen dieser Kontakt der einzige Grund ihres Lebenswillens. Ihre Stimmen stehen stellvertretend für Millionen von Menschen – Mütter wie Väter – die im sowjetischen Lager- und Haftsystem lebten, litten und umkamen. Ihr Zeugnis und der lakonische, sorgfältige Stil der Buchgestaltung, der auch den Kindern eine Stimme gibt, sind beredte Zeugen für eine Zeit, die authentisch zu bezeugen immer weniger Menschen in der Lage sind. Nicht zuletzt auch deshalb ist die Arbeit der internationalen Gesellschaft MEMORIAL nicht genug zu würdigen, der auch die hier erhaltenen Briefe ihre Existenz und Veröffentlichung verdanken.

 

Brigitta Schmid

Irina Scherbakowa (Hg.): Ich glaube an unsere Kinder. Briefe von Vätern aus dem Gulag. Mathes & Seitz, Berlin 2019

direkt bestellen hier

Brieffreundinnen

file-58Bett und Avery wollen eigentlich nicht befreundet sein, denn sie SOLLEN unbedingt befreundet sein. Verlangen ihre Väter. Und so beginnt eine E-Mail-Bekanntschaft, bei dem sie sich schnell klarmachen, dass sie auch gar nichts gemeinsam haben. Als sie sich in einem Ferienlager treffen, merken sie, dass Unterschiede eigentlich ganz praktisch sein können. Und dass sie durch das Schreiben, durch den Austausch von persönlichen Gedanken und Geheimnissen, schliesslich doch Freundinnen geworden sind.

Ein E-Mail- und bisschen Brief-Roman, turbulent, frisch und mit Herz. Und, wie ich finde, hübschem Einband. Für Leser*innen ab 12.

Melina Cajochen

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Holly Goldberg Sloan/Meg Wolitzer, An Nachteule von Sternenhai, Hanser 2019

Gute Bücher für dicke Leser!

Appenzell ist eigentlich recht gut dabei. Es zirkelt so einige Lesegruppe umher und diskutiert bis in den Bücherladen hinein. Immer schön und spannend.

Das wunderbare Leben als Buchhändlerin hat aber auch seine Nachteile..nämlich zwei! Erstens schenkt einem niemand mehr ein Buch (die glauben man habe sicher schon genug bis alle!) und zweitens muss man früher oder später der schockierenden Tatsache ins Auge sehen – man kann im Leben nicht alles lesen! So beigt und türmt es sich in unermessliche Höhen, und der Wunsch geht immer in beide Richtungen – Jagd auf Neuerscheinungen und Sehnsucht nach längst Geschriebenem, Aufgespartem, Wiederlesen, endlich einmal lesen. Besonders letzteres drängt sich immer mehr auf.

So haben Anna-Lena, Melina und ich beschlossen, es den Appenzeller*innen gleich zu tun – und gründen hiermit unsere erste Lesegruppe! Und laden euch herzlich ein, dabei zu sein.

Wir machen es so:

Wir lesen ein Buch bis zu einem bestimmten Dienstagmittag in ein paar Wochen und diskutieren, schwärmen, kritisieren, plaudern darüber. Bei einer Chäsladenplatte irgendwo in Appenzell. Der Ort wird sich wie das Buch immer ändern und jeweils bekannt gegeben. Die Bücher werden im Turnus der Mitlesenden ausgewählt. Je nach Buch entscheidet man, ob man dabei sein möchte. Die Einladungen erfolgen über den Blog. Es darf alles sein, alt, neu, jedes Genre, Hauptsache ein Buch, dass man schon immer lesen wollte!

Wir fangen an am

Dienstag 27. August
12.15 bis 14 Uhr
mit Charles Dickens „Grosse Erwartungen“
Anmeldung im Bücherladen gern bis am Montag 15. Juli

Wir lesen die neuste Übersetzung von Melanie Walz

grad bestellen und loslesen mit dem Taschenbuch

oder mit der schönen Leinenausgabe von Hanser

 

Warum ich dieses Buch unbedingt endlich lesen will?

Vor Jahren entdeckte ich die Erzählungen von Evelyn Waugh (seither nicht mehr aus den Augen gelassen) und da gab es diese eine Geschichte. „Der Mann, der Dickens liebte“. Und zwar so sehr, dass er über Leichen geht. Haarsträubend, absurd und genial. Seither ist meine Liebe für Dickens irgendwie erweckt.

 

Auf gehts, wir freuen uns – mit grossen Erwartungen, hoffentlich bis bald!

 

Vanja Hutter

 

Kinder lesen, empfehlen und verkaufen!

Bereits im Mai fand die erste Redaktionssitzung mit 13 Kindern aus Appenzell und Umgebung statt. Danach wurden die ausgewählten Bücher mit grosser Begeisterung gelesen und ganz wunderschön gestaltete Rezensionen verfasst. Kinder und ihre individuellen Leseinteressen wahrnehmen, ihre ganz persönlichen Meinungen über Gelesenes ernst nehmen, waren und sind oberste Ziele dieses Projekts. Vor allem an den beiden Verkaufstagen, wird zudem das Gespräch über Gelesenes im Zentrum stehen.

Wir hoffen und freuen uns auf möglichst viele Besucherinnen und Besucher an der Vernissage am Freitag 28. Juni um 17 Uhr.

Die Kinder werden sich über zahlreiche Kundinnen und Kunden an den beiden Samstagen freuen.

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So nicht!

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Jürgen Todenhöfer zählt zu den profiliertesten Kritikern der westlichen Aussenpolitik im Mittleren Osten. In seinem neusten und in den Augen vieler Kritiker wichtigsten Werk ‘Die grosse Heuchelei‘ legt Todenhöfer eine zeit- und zivilisationskritische Abrechnung mit der Aussenpolitik des Westens vor. Mittels Analyse mehrerer Militärinterventionen der kürzeren Vergangenheit, sowie anhand von Recherchen vor Ort in den gefährlichsten Krisengebieten der Welt, zeigt Todenhöfer auf, dass die Aussenpolitik westlicher Staaten nicht den edlen Zielen wie Menschenrechten oder Demokratisierung, sondern knallharten ökonomischen und geostrategischen Interessen dienen. Todenhöfer zeigt auf, dass die propagierten Werte der westlichen Aussenpolitik am ehesten Anklang finden würden, wenn diese vorgelebt und nicht mit gewaltsamen Interventionen durchgesetzt werden. Der Westen muss fair agieren und die Interessen anderer Völker mitberücksichtigen. Ansonsten befürchtet Todenhöfer, dass sich die Katastrophen der Vergangenheit wiederholen und ein weltweit friedliches Miteinander in weite Ferne rückt.

Ein interessantes Buch für Leserinnen, die sich auch für Weltgeschehen interessieren, das weiter weg passiert, als gleich jenseits unserer Landesgrenzen.

Tobias Wetter…

… ist am Frauenstreiktag eingesprungen für unsere Lernende Noemi und hat ihre Bücherladenarbeit, hier Blogschreibarbeit, übernommen.

 

Jürgen Todenhöfer, Die grosse Heuchelei. Wie Politik und Medien unsere Werte verraten, Propyläen 2019.

 

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Der etwas nervige Elefant

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Eines Tages klopft es an der Tür. Sam rennt die Treppe hinunter, um sie zu öffnen. Ist es der Postbote? Nein, es ist ein Elefant. Ein gewaltiger, gigantischer, elephantöser Elefant. Der Elefant will rein und Hunger hat er auch. Bald wird klar, weshalb der Elefant hier auftaucht und Sam zu kennen scheint: Sam hat im Zoo ein Patenschafts-Formular für einen Elefanten ausgefüllt. Und deshalb hat sich der Elefant in ein Flugzeug gesetzt und ist gleich hergekommen. Der Elefanten zwängt sich durch die Haustür zur Küche. Diese frisst er in «nullkommanix» leer. Anschliessend folgt ein Bad mit einer entsprechenden Überschwemmung und die Fahrt auf Sams Fahrrad, das dabei selbstverständlich in die Brüche geht. Das Ganze gipfelt schliesslich darin, dass es erneut an die Tür klopft und eine ganze Herde gigantischer Elefanten vor der Tür steht. Das ganze Haus füllt sich mit Elefanten und erst jetzt wird Sam bewusst, dass er künftig bei jedem Formular unbedingt das Kleingedruckte lesen muss.
Mit Tony Ross und David Williams, beide Altmeister des britischen Humors, haben sich zwei zusammengetan, die wissen, was Kinder und auch Erwachsene zum Lachen bringt. Die beiden beherrschen ihr Fach einfach meisterlich. Die aberwitzige Geschichte und die Bilder sind so wunderbar gekonnt, dass allein schon das Durchblättern helle Freude macht. Bereits ganz kleine Kinder werden begeistert sein und sich immer wieder auf die Suche nach den vielen Details machen, die in den farbenfrohen Bildern versteckt sind. Das vorliegende Bilderbuch wird mit Sicherheit zum Lieblingsbuch ganz vieler Kinder avancieren. Ab etwa 4 Jahren.

 

Maria Riss

grad einkaufen

 

David Williams / Tony Ross, Der etwas nervige Elefant, Rowohlt 2019

Unerhörte Stimmen

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Elif Shafak gilt seit ihren ersten Veröffentlichungen als Sprachrohr für Gleichberechtigung und freiheitliche Werte in der Türkei und aber auch in ganz Europa. Auch in ihrem neuen Roman sind die Hauptpersonen eben die, deren Stimmen sonst kein Gehör finden. Die Widmung in Elif Shafaks Roman setzt den Ton für dieses empathische Buch: “Für die Frauen Istanbuls und für die Stadt Istanbul, die eine weibliche Stadt ist und immer war.“

Die Hauptfigur ist Leila. Tequila Leila, wie sie von ihren Freunden und Kunden genannt wurde. Leila wurde ermordet und mit Leilas Tod beginnt die Geschichte. Leila ist diejenige, die uns ihre Geschichte erzählt. Ihr Leben als Prostituierte in der pulsierenden, brodelnden, bunten und unbarmherzigen Stadt Istanbul. Eine Frau, die ein neues Leben beginnen wollte und um ihren Platz in der Welt kämpfte, sei es in der eigenen Familie oder in der Gesellschaft. Aber es ist auch die Geschichte ihrer unkonventionellen Freunde, allesamt Menschen am Rande der Gesellschaft, die am Ende aber eines verbindet: Freundschaft über den Tod hinaus.

 

Carol Forster

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Elif Shafak, Unerhörte Stimmen, Kein & Aber Verlag 2019

 

grad einkaufen und loslesen