Archiv der Kategorie: Aktuell

Augustgedicht

Ja, das Gas habe ich abgestellt,
die Einkäufe erledigt: alles
liegt schön im Kühlschrank.

Deine Barmherzigkeit
brauche ich nicht mehr, leichtfüssig
breche ich auf, und ein lebhafter
Wind trägt mich fort.

Donata Berra

 

Donata Berra, Maddalena, Limmat Verlag 2019.

Guten Buches auf dem Weg

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Unser Projekt „von Dorf zu Dorf“ hat uns schon an viele unverhoffte Orte geführt. Bis über die Hügel hin zum Bodensee. Wenn man sich von da eher südöstlich hält, durch ein paar Tunnel und über Berge steigt, kommt man dem Himmel, also dem Paradies schon sehr nah.

Seit einem Jahr bieten wir das Buch auch im Abo an. Wenn Sie risikobereit und neugierig sind, wählen wir eine Lektüre aus und überraschen Sie damit. Jeden Monat, jeden zweiten, oder wann Sie wollen. Die Einen holen die Bücher im Bücherladen ab, den Anderen schicken wir sie zu. Eben zum Beispiel ins Paradies. Das Gasthaus Avrona ist ein feines kleines Hotel im Unterengadin bei Tarasp, hat sieben Zimmer, Sommerterrasse, vier kurze und lange Esstische, eine wunderbare Köchin und Gastgeberin, einen charmanten Kellner, seit neustem auch ein Teleskop und eben auch ein Abo für eine feine Hotelbibliothek. Jeden Monat schicken wir ein Buch hoch, wo es sich einreiht oder auf dem Nachttisch bereit gelegt wird.

Claudia Kläger habe ich als Küchenchefin in Lavin im Hotel Piz Linard kennengelernt. Ich zum ersten Mal im Service, beschäftigt zu lernen wie man drei Teller auf einmal hält, und aus den Augenwinkeln damals schon nach den selbstgemachten Gnocchi gespienzelt, hätte ich die Teller am liebsten selber leergeputzt.

Einst im Hof Weissbad gekocht und Carols alte Vespa ausgefahren, ist sie jetzt weitergezogen, hat und macht ihr Eigenes. Am liebsten würde ich das Buch jeden Monat persönlich liefern. So schön und still und bezaubernd ist es da. Wege durch Wälder zu Wiesen rund um Seen. So still, dass man die Luft riecht und sich ausstreckt.

Aus dem Garten nebenan kommt der Salat, von den Bauern der Käse und das Fleisch ist auch aus Sichtweite. Am Abend gibt’s eine Überraschung aus vier Gängen. Eine Stunde hinter Mitternacht liegt man leicht und fedrig.

Wie schön, dass Auge und Mund so nah beieinander liegen. Bücherfreundschaft und Gaumenfreude. Wenn der Teer langsam zu heiss wird und die Badi zu klein – hier kanns langgehen: Gasthaus Avrona

 

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Vanja Hutter

Brieffreundinnen

file-58Bett und Avery wollen eigentlich nicht befreundet sein, denn sie SOLLEN unbedingt befreundet sein. Verlangen ihre Väter. Und so beginnt eine E-Mail-Bekanntschaft, bei dem sie sich schnell klarmachen, dass sie auch gar nichts gemeinsam haben. Als sie sich in einem Ferienlager treffen, merken sie, dass Unterschiede eigentlich ganz praktisch sein können. Und dass sie durch das Schreiben, durch den Austausch von persönlichen Gedanken und Geheimnissen, schliesslich doch Freundinnen geworden sind.

Ein E-Mail- und bisschen Brief-Roman, turbulent, frisch und mit Herz. Und, wie ich finde, hübschem Einband. Für Leser*innen ab 12.

Melina Cajochen

grad jetzt einkaufen

Holly Goldberg Sloan/Meg Wolitzer, An Nachteule von Sternenhai, Hanser 2019

Gute Bücher für dicke Leser!

Appenzell ist eigentlich recht gut dabei. Es zirkelt so einige Lesegruppe umher und diskutiert bis in den Bücherladen hinein. Immer schön und spannend.

Das wunderbare Leben als Buchhändlerin hat aber auch seine Nachteile..nämlich zwei! Erstens schenkt einem niemand mehr ein Buch (die glauben man habe sicher schon genug bis alle!) und zweitens muss man früher oder später der schockierenden Tatsache ins Auge sehen – man kann im Leben nicht alles lesen! So beigt und türmt es sich in unermessliche Höhen, und der Wunsch geht immer in beide Richtungen – Jagd auf Neuerscheinungen und Sehnsucht nach längst Geschriebenem, Aufgespartem, Wiederlesen, endlich einmal lesen. Besonders letzteres drängt sich immer mehr auf.

So haben Anna-Lena, Melina und ich beschlossen, es den Appenzeller*innen gleich zu tun – und gründen hiermit unsere erste Lesegruppe! Und laden euch herzlich ein, dabei zu sein.

Wir machen es so:

Wir lesen ein Buch bis zu einem bestimmten Dienstagmittag in ein paar Wochen und diskutieren, schwärmen, kritisieren, plaudern darüber. Bei einer Chäsladenplatte irgendwo in Appenzell. Der Ort wird sich wie das Buch immer ändern und jeweils bekannt gegeben. Die Bücher werden im Turnus der Mitlesenden ausgewählt. Je nach Buch entscheidet man, ob man dabei sein möchte. Die Einladungen erfolgen über den Blog. Es darf alles sein, alt, neu, jedes Genre, Hauptsache ein Buch, dass man schon immer lesen wollte!

Wir fangen an am

Dienstag 27. August
12.15 bis 14 Uhr
mit Charles Dickens „Grosse Erwartungen“
Anmeldung im Bücherladen gern bis am Montag 15. Juli

Wir lesen die neuste Übersetzung von Melanie Walz

grad bestellen und loslesen mit dem Taschenbuch

oder mit der schönen Leinenausgabe von Hanser

 

Warum ich dieses Buch unbedingt endlich lesen will?

Vor Jahren entdeckte ich die Erzählungen von Evelyn Waugh (seither nicht mehr aus den Augen gelassen) und da gab es diese eine Geschichte. „Der Mann, der Dickens liebte“. Und zwar so sehr, dass er über Leichen geht. Haarsträubend, absurd und genial. Seither ist meine Liebe für Dickens irgendwie erweckt.

 

Auf gehts, wir freuen uns – mit grossen Erwartungen, hoffentlich bis bald!

 

Vanja Hutter

 

Juligedicht

Blinde-Kuh-Flashmob

Jetzt
schliessen wir die Augen,
wir alle.
Dann greift jeder
nach seinem toten Winkel
und legt ihn zu den anderen,
auf den vorbestimmten
Platz.

Orsolya Kalász

 

In: Das Gedicht & sein Double. Die zeitgenössische Lyrikszene im Portrait, Edition Azur 2018.

Kinder lesen, empfehlen und verkaufen!

Bereits im Mai fand die erste Redaktionssitzung mit 13 Kindern aus Appenzell und Umgebung statt. Danach wurden die ausgewählten Bücher mit grosser Begeisterung gelesen und ganz wunderschön gestaltete Rezensionen verfasst. Kinder und ihre individuellen Leseinteressen wahrnehmen, ihre ganz persönlichen Meinungen über Gelesenes ernst nehmen, waren und sind oberste Ziele dieses Projekts. Vor allem an den beiden Verkaufstagen, wird zudem das Gespräch über Gelesenes im Zentrum stehen.

Wir hoffen und freuen uns auf möglichst viele Besucherinnen und Besucher an der Vernissage am Freitag 28. Juni um 17 Uhr.

Die Kinder werden sich über zahlreiche Kundinnen und Kunden an den beiden Samstagen freuen.

Kinder_ZeitungBild

Kinder_ZeitungText

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So nicht!

sonicht

Jürgen Todenhöfer zählt zu den profiliertesten Kritikern der westlichen Aussenpolitik im Mittleren Osten. In seinem neusten und in den Augen vieler Kritiker wichtigsten Werk ‘Die grosse Heuchelei‘ legt Todenhöfer eine zeit- und zivilisationskritische Abrechnung mit der Aussenpolitik des Westens vor. Mittels Analyse mehrerer Militärinterventionen der kürzeren Vergangenheit, sowie anhand von Recherchen vor Ort in den gefährlichsten Krisengebieten der Welt, zeigt Todenhöfer auf, dass die Aussenpolitik westlicher Staaten nicht den edlen Zielen wie Menschenrechten oder Demokratisierung, sondern knallharten ökonomischen und geostrategischen Interessen dienen. Todenhöfer zeigt auf, dass die propagierten Werte der westlichen Aussenpolitik am ehesten Anklang finden würden, wenn diese vorgelebt und nicht mit gewaltsamen Interventionen durchgesetzt werden. Der Westen muss fair agieren und die Interessen anderer Völker mitberücksichtigen. Ansonsten befürchtet Todenhöfer, dass sich die Katastrophen der Vergangenheit wiederholen und ein weltweit friedliches Miteinander in weite Ferne rückt.

Ein interessantes Buch für Leserinnen, die sich auch für Weltgeschehen interessieren, das weiter weg passiert, als gleich jenseits unserer Landesgrenzen.

Tobias Wetter…

… ist am Frauenstreiktag eingesprungen für unsere Lernende Noemi und hat ihre Bücherladenarbeit, hier Blogschreibarbeit, übernommen.

 

Jürgen Todenhöfer, Die grosse Heuchelei. Wie Politik und Medien unsere Werte verraten, Propyläen 2019.

 

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Kleiner Frühling – mächtige Freude

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54 freiwillige Helfer*innen, 8 Lesungen, 4 Kunstpavillons, 5 Regenschauer,
11 Monate Vorbereitung, 1 Bar

plus

x mal 100 Zuschauer*innen und Zuhörer*innen

und

x mal 100 sprudelnde Gespräche, Gelächter und Gedankenstösse

gibt

einen kleinen Frühling der grossen Gefühle und mächtigen Freude.

 

Und so spüren wir mit einem Lächeln im Gesicht dem kleinen Frühling nach.

 

Nicht verpassen – heute um 22.25 Uhr der „Kleine Frühling“ auf SRF 1 im Kulturplatz !

Spot on – BuchKunstRaum fürs Fest

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Wir machen Platz für Kunst und bestücken das Dorf mit Pavillons. Das grosse Aufklappen findet statt am Freitag um 18.30 Uhr, Treffpunkt beim Pavillon am Adlerplatz. Muda Mathis & Sus Zwick – Ursula Palla – Markus Müller – Roman Signer – was sie da drin wohl alles passieren lassen!

Unterdessen das Treibhaus, wird bestromt und mit Bar bestückt, damit’s am Donnerstag um 19.30 Uhr gleich losgehen kann, mit Lieblingssätzen und Linder-Lesung. Der kleine Frühling erwacht!

PROGRAMM

Fontäne hoch drei!

 

Die Glücksfeen haben rausgefischt.. Wir gratulieren ganz herzlich und freuen uns auf: Monika, Manuela und Barbara!

Danke an all die angeschwommenen Blauwale und hoffentlich bis bald im Treibhaus!

 

PS: im Hintergrund baut Friedrich grad den Künstlerpavillon von Markus Müller auf.

Junigedicht

 

Pfingstrosen stieben auseinander
zu zweit, zu dritt
liegen Blütenblätter übereinander

Buson

 

In: Haiku, Fischer Verlag 2016.

Blauwal zum Glück

wett

Machen Sie doch mit! Gewinnen Sie 1 von 3 Festivalpässen für den Kleinen Frühling!

5 Tage gute Bücher, starke Kunst, luftige Konzerte, bester Fleischkäse und co., verstohlene Orte, umtriebiges Treibhaus…

Schreiben Sie uns das Wort BLAUWAL und fertig.
Per Mail an mail@buecherladen-appenzell.ch, per Whatsapp 077 484 09 48 oder, und am schönsten, per Postkarte an Bücherladen 9050 Appenzell.
Einsendeschluss am Samstag 1. Juni um 17 Uhr. Am Montag wird ausgelost. Los gehts!

Kleiner Frühling Programm

Der etwas nervige Elefant

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Eines Tages klopft es an der Tür. Sam rennt die Treppe hinunter, um sie zu öffnen. Ist es der Postbote? Nein, es ist ein Elefant. Ein gewaltiger, gigantischer, elephantöser Elefant. Der Elefant will rein und Hunger hat er auch. Bald wird klar, weshalb der Elefant hier auftaucht und Sam zu kennen scheint: Sam hat im Zoo ein Patenschafts-Formular für einen Elefanten ausgefüllt. Und deshalb hat sich der Elefant in ein Flugzeug gesetzt und ist gleich hergekommen. Der Elefanten zwängt sich durch die Haustür zur Küche. Diese frisst er in «nullkommanix» leer. Anschliessend folgt ein Bad mit einer entsprechenden Überschwemmung und die Fahrt auf Sams Fahrrad, das dabei selbstverständlich in die Brüche geht. Das Ganze gipfelt schliesslich darin, dass es erneut an die Tür klopft und eine ganze Herde gigantischer Elefanten vor der Tür steht. Das ganze Haus füllt sich mit Elefanten und erst jetzt wird Sam bewusst, dass er künftig bei jedem Formular unbedingt das Kleingedruckte lesen muss.
Mit Tony Ross und David Williams, beide Altmeister des britischen Humors, haben sich zwei zusammengetan, die wissen, was Kinder und auch Erwachsene zum Lachen bringt. Die beiden beherrschen ihr Fach einfach meisterlich. Die aberwitzige Geschichte und die Bilder sind so wunderbar gekonnt, dass allein schon das Durchblättern helle Freude macht. Bereits ganz kleine Kinder werden begeistert sein und sich immer wieder auf die Suche nach den vielen Details machen, die in den farbenfrohen Bildern versteckt sind. Das vorliegende Bilderbuch wird mit Sicherheit zum Lieblingsbuch ganz vieler Kinder avancieren. Ab etwa 4 Jahren.

 

Maria Riss

grad einkaufen

 

David Williams / Tony Ross, Der etwas nervige Elefant, Rowohlt 2019

Wetterglück für den kleinen Frühling

Unsere Ritualwallfahrt für den kleinen Frühling ist von fallendem Wasser gesegnet. Ein gutes Zeichen! In der Sonnenhalbkapelle bitten wir um günstiges Wetter an Pfingsten. Auf dass uns die Sonne das Haupt kitzeln und die freien Zehen an der linden Luft tanzen mögen!

 

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Wir freuen uns auf euch!

zum Programm

Unerhörte Stimmen

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Elif Shafak gilt seit ihren ersten Veröffentlichungen als Sprachrohr für Gleichberechtigung und freiheitliche Werte in der Türkei und aber auch in ganz Europa. Auch in ihrem neuen Roman sind die Hauptpersonen eben die, deren Stimmen sonst kein Gehör finden. Die Widmung in Elif Shafaks Roman setzt den Ton für dieses empathische Buch: “Für die Frauen Istanbuls und für die Stadt Istanbul, die eine weibliche Stadt ist und immer war.“

Die Hauptfigur ist Leila. Tequila Leila, wie sie von ihren Freunden und Kunden genannt wurde. Leila wurde ermordet und mit Leilas Tod beginnt die Geschichte. Leila ist diejenige, die uns ihre Geschichte erzählt. Ihr Leben als Prostituierte in der pulsierenden, brodelnden, bunten und unbarmherzigen Stadt Istanbul. Eine Frau, die ein neues Leben beginnen wollte und um ihren Platz in der Welt kämpfte, sei es in der eigenen Familie oder in der Gesellschaft. Aber es ist auch die Geschichte ihrer unkonventionellen Freunde, allesamt Menschen am Rande der Gesellschaft, die am Ende aber eines verbindet: Freundschaft über den Tod hinaus.

 

Carol Forster

unerhört

Elif Shafak, Unerhörte Stimmen, Kein & Aber Verlag 2019

 

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Selbst ist die Enola

 

In England schon längst eine Bestseller-Reihe, können wir nun auch in Deutsch bei Enola Holmes’ Ermittlungen mitfiebern. Was für eine Lesefreude!
Enola Holmes wohnt mit ihrer Mutter auf dem Land, in einem Vorort von London. Sie ist 14 Jahre alt und kann ihre Tage selber gestalten, ohne lästiges Korsett-tragen, Handarbeits-Training und sonstige Beschäftigungen, die jungen Damen von ihrem Stand angemessen wären. Als ihre Mutter verschwindet, flüchtet sie vor ihren Brüdern, denn die wollen sie in ein Internat stecken. Sie entschliesst sich, in London unterzutauchen – denn wo kann sie sich besser vor einem Meisterdetektiv und einem Mitarbeiter des Geheimdienstes verstecken, als im Trubel der Grossstadt? Wo kann sie sich besser vor ihren Brüdern Sherlock Holmes und Mycroft Holmes verstecken, als in der Höhle der Löwen. Auf dem Weg nach London stolpert sie über den Fall des verschwundenen Lords und beginnt zu ermitteln.
Die Sprache und die Bilder des Romans sind wie Enola selbst: kraftvoll, präzis, authentisch, klug und herzlich. Ein Buch aus einem Guss, zu Lesen ab 13 bis 25, für Interessierte an Lebensumständen Ende des 19. Jahrhunderts und an starken Frauenfiguren. Lasst euch also nicht vom mädchenhaften Bucheinband in die Irre führen!

Melina Cajochen

Nancy Springer, Der Fall des verschwundenen Lords. Ein Enola Holmes Krimi, Knesebeck 2019.

 

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