Die Marschallin

Zora del Buono, geboren 1962, ist Architektin, Schriftstellerin und Mitbegründerin des wunderbaren Mare-Verlages, Sie lebt in Zürich und Berlin. Sie hat schon ein paar Bücher veröffentlicht—so zum Beispiel:“ Das Leben der Mächtigen—Reisen zu alten Bäumen“ ( Naturkunden Verlag) und mit diesem lebensprallen Familienroman beschert sie uns nun einen intimen Einblick in ihre eigene Familiengeschichte.

Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer Grossmutter, die ebenfalls Zora del Buono hiess und ihre Familie mit eiserner Hand und viel Weitsicht und zum Teil eigenartigen Ansichten regiert hatte, Insgeheim wurde sie „Die Marschallin“ genannt—frei nach Marschall Tito, den sie glühend verehrte.

Nun aber der Reihe nach:

Die Slowenin Zora lernt ihren späteren Ehemann, den Radiologieprofessor Pietro Del Buono am Ende des 1.Weltkrieges kennen. Sie folgt ihm nach Bari in Süditalien. Die beiden überzeugten Kommunisten führen ein grossbürgerliches Leben in einem von Zora entworfenen Palazzo. Dennoch engagieren sie sich beide für den politischen Widerstand gegen Mussolini. Zora ist herrisch, temperamentvoll, intelligent und begabt. Sie bewundert Josip Broz Tito, dem sie Waffen ins damalige Jugoslawien zu liefern versucht und dem ihr Mann einmal, sogar zweimal, das Leben rettet. Ihre drei Söhne Manfredi ( der Vater der Autorin), Greco und Davide erzieht sie mit strengem Regiment. Die wechselnden Hausangestellten sind ihr selten gut genug. Oftmals sind es Mädchen aus ihrer Heimat Slowenien, die sich um den Haushalt und um die Kinder kümmern. Als die Söhne so um die 17 Jahre alt sind, setzt sie alles daran, diese vom Krieg fernzuhalten. Die künftigen Schwiegertöchter sind ihr allesamt suspekt und die Enkel und Enkelinnen liebt sie mit einer kritischen Distanz.Der Palazzo der Del Buonos ist ein offenes Haus. Ständig gehen Leute ein und aus. Es gibt Abendessen und Einladungen, Freunde der Familie und Familienmitglieder kommen zu Besuch und abendelang wir über Politik,Medizin, Kunst und Kultur diskutiert. Zora ist eine durch und durch faszinierende Frau, die ihr Leben kompromisslos und geschickt gelebt hat.

Am Ende des Buches lesen wir einen eindrucksvollen Monolog der alten Zora—die in einem Altersheim in Slowenien ihren Lebensabend verbringt—über ihr gelebtes Leben. Ihr Mann Pietro hingegen verbringt seine letzten Jahre demenzkrank in Bari in einem Pflegeheim.

Die Marschallin ist eine grandiose Familiengeschichte mit einer zum Teil widersprüchlichen aber durch und durch faszinierenden Hauptakteurin Wir erleben die Geschichte der Familie Del Buono vom Jahr 1919 bis 1948 und dann den Zora-Monolog im hohen Alter im Jahre 1980. Del Buono schrieb man früher mit einem grossen D in Del—was auf eine adelige Herkunft hinweist. Erst die Söhne der kommunistischen Zora haben später das grosse D durch das kleine d ersetzt.

Entdecken Sie die grossartige Autorin Zora del Buono ( mit kleinem d) !

Carol Forster

Loslesen: „Die Marschallin“ von Zora del Buono, erschienen im Beck Verlag 2020

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