Dezembergedicht

Advent

Wo kommt denn plötzlich
diese Weite in mir her –

mit dem Duft von Zimt und Kardamom,
der Fernsicht in andere Zeiten,

während um mich Alt und Jung
mit Tüten voller Glitzerkram
in alle Windrichtungen flitzt,
und am Strassenrand ein Mann
in sich versunken Akkordeon spielt?

Wo kommt denn diese Weite her,
die aus dem Nichts mich überfällt –

trotz Bise und tropfender Nase,
mitten im Lockvogelgezwitscher,
unter tausend goldnen Sternen,
die an den Drähten prangen?

Diese Weite –

mit von weiss nicht wo
vertrauten Klängen,
die Wehmut mit Heiterkeit paaren.

Als ob es
im Dickicht der Dinge
eine Lichtung gäbe.

Andrea Maria Keller

 

Aus: Andrea Maria Keller, Vielstimmig, Gedichte, Edition Howeg, Zürich 2018

Ein Gedanke zu „Dezembergedicht

  1. Agathe Nisple sagt:

    Danke für diese Einstimmung in den Tag, Lg Agathe

    Von meinem iPhone gesendet

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