Offene Augen – weites Herz

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Russische Landschaft, russische Geschichte, russische Mentalität und russisches Schicksal – das alles in frühsowjetischer Zeit, vor fast 100 Jahren. Was die tatarische Schriftstellerin Gusel Jachina in ihrem Erstling präsentiert, ist alles andere als leichte literarische Frühlingskost. Offene lesende Augen reichen vollständig, um sich von der ersten Seite an entführen zu lassen in das tragische, exemplarische Schicksal der Protagonistin, der tatarischen Bäuerin Suleika. Jachina erzählt kunstvoll prosaisch ausholend, sich weit zurück in der Geschichte und weit hinein in die menschlichen Abgründe stürzend. Ein schweres Buch in leichtem Stil und wunderbar stimmig geschrieben ist dieser Roman einzigartig herzerwärmend wie auch herzzerreissend. Dass Jachina das sibirische Lagerleben dabei wohl doch etwas sehr romantisierend unter die Feder kommt, mag ich ihr bei dieser Sprachwucht gerne nachsehen. Sie schuf ein erfüllendes Leseabenteuer, das man sich aber mit Vorteil mit den authentischen Vorgängerinnen Jewgenija Ginsburg, Anna Larina Bucharina und Nadeschda Mandel`stam (schlicht die Übermütter der Lagerliteratur) und mit den eindrücklichen zeitgenössischen Werken wie zum Beispiel „Aber der Himmel – grandios“ der Litauerin Dalia Grinkeviciute im Hinterkopf zu Gemüte führen kann.

Brigitta Schmid

Gusel Jachina, Suleika öffnet die Augen, Aufbau 2017.

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