Die Zeit und die Liebe

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Waldemar ist am Ende. Arbeits- und wohnungslos sitzt er im Messi-Appartement seiner eben verstorbenen Tanten und schreibt an seine Verflossene Mrs. Haven. Sein Ziel: Sie zurückgewinnen. Der Weg: Ihr erklären, weshalb er solch ein Schwächling ist. Für ihn ist klar, Schuld ist das Symptom, von dem seine Familie seit Urgrossvaters Zeiten befallen ist, schuld ist deren epische Suche nach der Zeitreise-Formel. Und so macht er sich daran, zu erzählen, welch verheerende Wirkung das Symptom in seiner Familie entfaltete. Dabei holt er weit aus, vom Wien Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum New York der Jetztzeit, und schont dabei weder sich noch seine Verwandten. Entstanden ist ein abenteuerlicher Bericht, der eintaucht in Physik, Philosophie und Geschichte, mit tollen Dialogen, schrulligen Charakteren und der ein oder anderen Kehre und Wendung.

Am Schluss von Waldemars Bericht angelangt, dachte ich mir, und denkt sich möglicherweise auch Waldemar selbst: Vielleicht ist es ja mit der Liebe, wie mit der Zeit. Nämlich so, wie Aristoteles über sie spricht: „Was also ist die Zeit? Wenn mich niemand danach fragt, so weiss ich es, wenn ich sie aber jemanden auf seine Frage hin erklären möchte, so weiss ich es nicht.“ Und Waldemar ist am Anfang.

Melina Cajochen

John Wray, Das Geheimnis der verlorenen Zeit, Rowohlt 2016.

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