Ein Western im 21. Jahrhundert

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Mit viel Vergnügen habe ich dieses recht dünne Buch in ein paar Stunden gelesen.

Auch der heutige Westernroman braucht einen Bösewicht. Dieser hier – wie könnte es anders sein – heisst Blackway. Er haust irgendwo im US-Bundesstaat Vermont und terrorisiert seine Umgebung nach Herzenslust. Die Helden, die ihn zur Strecke bringen – also ins Jenseits befördern – wollen (wollen sie es wirklich?) ist ein skuriles Trio:

Lilian, eine junge Frau, die von auswärts zugezogen ist. Ihr einheimischer Freund wurde von Blackway aus der Gegend vertrieben. Dieser versucht nun dasselbe mit Lilian: Als Warnung tötet er zuerst ihre Katze, dann schlägt er ihr die Fensterscheiben ein. Sie will sich vom Bösewicht nicht auch noch aus der Gegend vertreiben lassen und bittet den Sheriff um Hilfe. Dieser will (oder kann?) nicht helfen also geht sie zur alten Sägemühle, wo sich die Arbeitslosen und Rentner der Gegend treffen, um sich Hilfe zu holen. Diese sind beeindruckt von Lilians Mut und überreden zwei Männer, ihr zu helfen.

Der betagte Lester, der schon lange alleine in seiner Hütte haust und der Anführer des Trios wird. Bevor sie Blackway suchen, nimmt er ein langes eingewickeltes Ding mit (ist es eine Vorhangstange oder doch ein Gewehr?)

Nate, ein starker, furchtloser Hüne, dessen Verstand aber etwas beschränkt scheint.

Dann geht’s los mit der Verfolgungsjagd – im Gegensatz zu den alten Western nicht auf Pferden sondern im Pickup. Hat Lester einen Plan? Die Geschichte nimmt Fahrt auf. Es geht kreuz und quer durch verschiedene Stationen des Ortes, dann in ein heruntergekommenes Motel und zuletzt in den riesigen Wald. Ist Blackway dort? Die Spannung lässt einem nicht mehr los. Keiner konnte bisher dem hinterhältigen Kriminellen den Meister zeigen. Ist jemand aus dem Trio noch hinterhältiger, um dies zu schaffen?

Als besonderen Erzählkniff lässt der Autor C. Freemann uns zwischendurch teilhaben an den Gesprächen der Männer bei der bei der alten Sägefabrik. Diese Plaudereien sind – alkoholbedingt – manchmal ein Durcheinander aber immer sehr unterhaltsam, Gespräche über die Gegend, ihre Abstiegssorgen, Blackway usw. Es ist wie ein Chor im antiken Theater, der alles kommentiert.

Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein heutiger Westernroman so gut unterhalten könnte.

Erwin Bolli

Castle Freeman, Männer mit Erfahrung, Nagel & Kimche 2016.

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