Aprilgedicht

Mein schönstes Gedicht?
Ich schrieb es nicht.
Aus tiefsten Tiefen stieg es.
Ich schwieg es.

 

Mascha Kaléko, In meinen Träumen läutet es Sturm, dtv

Spinat in allen Lagen

Liebe Freundinnen und Freunde auf dem Land und in den Städten
Liebe Geniesserinnen und Schlemmer des guten Ton’s und Geschmack’s.

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Gemeinsames Singen macht stark und erzeugt gute Laune.
Der Schweizer Musiker Bo Wiget hat eine ganze Sammlung mit Spinatkanons komponiert. Auf lose Blätter genotet und wunderbar zum Anhören auf CD interpretiert, hat sie der St.Galler Vexer Verlag herausgegeben. Ein ungeahntes Universum. Spinat als Zuversicht. Als Begleiter. Im Zweifel. Im Wandel der Zeit. Spinat in allen Lebenslagen.
Wie geht das genau, haben wir Bo gefragt. Prompt hat er samt Familie geantwortet:

„Ich koche grad“

„Im Zweifel“

„Manche Leute denken“

„Und der Spinat“

Lust mit einzustimmen?

Spinat1_web…es ist angerichtet.

 

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Der schöne Schuber „Fritz Schedlers Spinatkanons von Bo Wiget“ ist bei uns erhältlich – hier. Auf Wunsch grün verpackt.

Wir wünschen guten Appetit und beste Gesundheit!

 

 

 

„Giovannis Zimmer“ nicht verlassen

Dieses Buch!
Dieses schreckliche, wundervolle, wichtige Buch.

Auch in seinem zweiten Roman liess sich James Baldwin nicht von den herrschenden Wertvorstellungen seiner Generation in Ketten legen und bewies sich abermals als tabubrechender Denker und Vorreiter seiner Zeit.

Mit elegantem, erbarmungslosem und zutiefst menschlichem Feingefühl, schildert Baldwin die Geschichte des jungen Amerikaners David, der auf der Flucht vor sich selbst, im Paris der Fünfzigerjahre strandet.

Bereits früh stellt David mit Bestürzung fest, dass er sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt. Da die Gesellschaft in der er lebt solcherlei Begehren aufs Schärfste verurteilt, beschliesst er diesen Teil seines Selbst in den Tiefen seiner Seele zu begraben und zu leugnen.

Als seine Verlobte eine Reise nach Spanien antritt, begegnet David in einer Pariser Bar dem schönen und ungestümen Italiener Giovanni, welcher nichts von Versteckspielen hält. Mit dieser Begegnung beginnt sich ein Riss durch Davids sorgfältig gebaute Fassade zu ziehen und ein Strudel von Fragen und Entscheidungen drohen ihn zu zerreissen.

Muss er sich seiner wahren Natur erwehren und eine Lüge leben oder findet er Zuflucht in Giovannis Zimmer? Welche Entscheidung kostet welchen Preis?

Baldwin ist es gelungen die Schicksale seiner Charaktere auf Gedeih und Verderb mit Davids innerem Kampf zu verflechten und den hausgemachten Irrsinn, welcher die menschliche Seele zu überschatten vermag, so dicht und bedrohlich zu vermitteln, dass sein Roman über Jahrzehnte nicht im Geringsten an Aktualität und Wichtigkeit verloren hat. Es ist fast unmöglich, sich dem unheilvollen und doch betörenden Sog dieses Buches zu entziehen.

Can Tolga

 

Giovanni

loslesen? hier gehts in „Giovannis Zimmer“, James Baldwin, dtv Verlag
oder „Giovanni’s room“, penguin books

Bleiben Sie gesund und belesen!

Liebe Bücherladenfreundinnen und Freunde, Belesene und Inhäusige

Wir hoffen es geht euch gut, ihr seid gesund und erfinderisch.
Die ersten Tage vom anderen Leben liegen hinter uns. Ungewohnt, ungewiss und beherzt machen wir weiter. Ein gutes Buch muss verfügbar bleiben, gerade jetzt!

Die Bücherladentür ist geschlossen, dahinter packen wir fleissig eure Bücher ein! Wir sind ganz beglückt von den vielen Bestellungen und der gegenseitigen Unterstützung. Ein grosses Dankeschön an die Metzgerei Fässler,  die uns in der Coop Filiale ein Bücherschaufenster und eine Buchabholstation bereit stellt.

D56649C4-26A4-4F26-96E4-017F2A495AD0 Vanja ……………….Metzger Reto Fässler……………..Anna-Lena

Wir freuen uns auch immer über eure freundlichen Gesichter, die beim Dorfspaziergang reinblitzen und die ausgefüllten Bestellzettel im Briefkasten.

Bei unseren Hauslieferungen lernen wir das Appenzellerland nochmals neu kennen und entdecken wunderschöne Zuhause, alle Arten von Briefkästen und durchfahren tolle Ortsnamen wie Hinterkau, Vorderhaslen und Schmalzgrub.

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Alle werden eingespannt. Hier Santo angeschnallt und bereit für die Hauslieferung. (Gstältli für Katze noch in Arbeit. )

In dieser Zeit sind wir auch sehr froh um besonders komplizierte Bestellungen!
Dem Buchhändlerberuf wohnt ja seit jeher auch ein Stück des Detektivischen inne, welches zu verfeinern wir nun endlich ausgiebig die Zeit haben. Sie suchen ein Buch, können sich aber nur noch an die Farbe, ungefähre Grösse oder Brillengestell des Autors erinnern? Kein Problem!
Sie wünschen einen Krimi aus der Perspektive eines Labradors mit zwielichtiger Vergangenheit und Hang zu Klaustrophobie? Sollte so ein Buch existieren, ist jetzt die Zeit danach zu forschen! Oder gar zu schreiben?!

Zögern Sie also nicht, uns mit Ihren Bücherwünschen herauszufordern – Wir sind weiterhin für sie da!

 

Plakat «Corona» ok[2] Kopie 2

Internet-Shop

 

Zeit zum Lesen

…auch Bücher sind lebensnotwendige Güter.

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Liebe Bücherladenfreunde, liebe Leserinnen und Leser

In diesen ungewissen Zeiten sind wir aufgefordert zu handeln und uns gegenseitig bestmöglich zu unterstützen. Unser Bücherladen bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Natürlich möchten wir Ihnen den Zugang zu Büchern dennoch ermöglichen. Lesen tut gut, davon sind wir überzeugt.

Unser bereits erprobtes und bewährtes Projekt «Von Dorf zu Dorf» (Bücherlieferservice in Geschäfte der umliegenden Dörfer) wird noch persönlicher. Wir liefern Ihnen Ihre Bestellung kostenlos direkt nach Hause, in den Milchkasten, an die Türklinke, durchs offene Fenster. Dies in den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen. Pakete in fernere Regionen werden per Post verschickt, dies lediglich mit einem Unkostenbeitrag CHF 6 (Ab CHF 100 portofrei).

Unser Internet-Shop ist Tag und Nacht für Sie geöffnet. Das Bücherladentelefon ist während unseren Öffnungszeiten (ausser Sonntag) besetzt. Gerne beraten wir Sie auf diesem Weg oder stellen Ihnen ein tolles Überraschungspaket zusammen. Teilen Sie uns Ihre Vorlieben mit!
Zudem werden wir ab Donnerstag 19.3.2020  einen kleinen «Shop-in-Shop» in der Filiale der Metzgerei Fässler (Chitzele) im Coop eröffnen. Dort finden Sie eine kleine Auswahl an Neuheiten und Lieblingsbüchern. Sie können auch Bücher im Internet-Shop oder telefonisch bestellen mit dem Vermerk «Chitzele». Sie können ihre bestellten Bücher dann ebenfalls dort mit Rechnung abholen. Wir sind der Metzgerei Fässler sehr dankbar für diese solidarische Unterstützung!

Wir freuen uns auf Ihren Anruf, Ihre Mail und wünschen Ihnen guten Mut und Gesundheit in der kommenden Zeit.

 

Ihr Bücherladenteam

Carol Forster, Anna-Lena Fässler, Vanja Hutter, Maria Riss, Can Tolga

Zeit zum Lesen!

…auch Bücher sind lebensnotwendige Güter.

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Liebe Bücherladenfreunde, liebe Leserinnen und Leser

In diesen ungewissen Zeiten sind wir aufgefordert zu handeln und uns gegenseitig bestmöglich zu unterstützen. Unser Bücherladen bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Natürlich möchten wir Ihnen den Zugang zu Büchern dennoch ermöglichen. Lesen tut gut, davon sind wir überzeugt.

Unser bereits erprobtes und bewährtes Projekt «Von Dorf zu Dorf» (Bücherlieferservice in Geschäfte der umliegenden Dörfer) wird noch persönlicher. Wir liefern Ihnen Ihre Bestellung kostenlos direkt nach Hause, in den Milchkasten, an die Türklinke, durchs offene Fenster. Dies in den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen. Pakete in fernere Regionen werden per Post verschickt, dies lediglich mit einem Unkostenbeitrag CHF 6 (Ab CHF 100 portofrei).

Unser Internet-Shop ist Tag und Nacht für Sie geöffnet. Das Bücherladentelefon ist während unseren Öffnungszeiten (ausser Sonntag) besetzt. Gerne beraten wir Sie auf diesem Weg oder stellen Ihnen ein tolles Überraschungspaket zusammen. Teilen Sie uns Ihre Vorlieben mit!
Zudem werden wir ab Donnerstag 19.3.2020  einen kleinen «Shop-in-Shop» in der Filiale der Metzgerei Fässler (Chitzele) im Coop eröffnen. Dort finden Sie eine kleine Auswahl an Neuheiten und Lieblingsbüchern. Sie können auch Bücher im Internet-Shop oder telefonisch bestellen mit dem Vermerk «Chitzele». Sie können ihre bestellten Bücher dann ebenfalls dort mit Rechnung abholen. Wir sind der Metzgerei Fässler sehr dankbar für diese solidarische Unterstützung!

Wir freuen uns auf Ihren Anruf, Ihre Mail und wünschen Ihnen guten Mut und Gesundheit in der kommenden Zeit.

 

Ihr Bücherladenteam

Carol Forster, Anna-Lena Fässler, Vanja Hutter, Maria Riss, Can Tolga

Eine Losi im Lade

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Just bevor der Virus begann, unser aller Leben in die Finger zu kriegen, fand die Losi im Lade statt. Eine Losi in einem Bücherladen, lustiges Treiben mit Musik zwischen Büchern? Passt! Vor allem, wenn eine der Bücherladenfrauen eine der ganz wenigen Geigerinnen ist, die sich Appenzeller Musik zuwendet.

Aber das Ganze von Anfang an: Anna-Lena, die seit Kindesalter Geige spielt, kam der Liebe wegen von Zürich nach Appenzell und nahm eine Stelle im Bücherladen an, wo ihre Buchpassion seither Blüten treibt. Zusammen mit ihrem Mann Chitzeles Be an der Bassgeige, mit Hans Keller am Hackbrett und dessen Vater Hans Keller an der Handorgel bestritten sie die Losi im Lade. Fast schon eine Familienformation also.

Und so sassen wir im neuen Bücherladen, zwischen Büchern, gut verpflegt und kamen in Genuss von traditioneller Appenzeller Musik in ihren verschiedensten Farben. Schottisch, Walzer, moderne Kompositionen von Josef Rempfler … Stücke wie die von Acker’gnazi aus dem vorvorletzten Jahrhundert überraschten, mit Anklängen aus klassischer Musik und Volksmusik. Ein „sauchog“ zum Spielen, wie Benjamin Fässler meinte. Und eine Freude zum Hören, waren wir Gäste uns einig. Füsse wippten, Köpfe wiegten hin und her und zwischendurch war Zeit und Platz für Plaudereien – ein Abend mit guter Musik, an dem die Freude am Zusammensein zelebriert wurde. Eine richtig gute Losi war das.

Ein herzliches Dankeschön an die, bis jetzt noch namenlose, Musikformation und ein grosses Danke an all die lieben Leute, die durch ihre Unterstützung auf Wemakeit (hier Nachschauen) diesen Abend im neuen Bücherladen an der Hauptgasse 10 möglich machten.

Melina Cajochen

Elektrische Fische

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Emma muss mit ihrer Mutter und den beiden Geschwistern von Dublin nach Mecklenburg-Vorpommern umziehen. In ein winziges, gottverlassenes Kaff am Ende der Welt. Die Mutter will nach einer gescheiterten Ehe an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren und mit den Kindern erstmal im Haus bei ihren alten Eltern wohnen. Die Ankunft in Deutschland wird für die ganze Familie zu einem einzigen Desaster. Emmas Mama hat sich das alles ganz anders vorgestellt. Sie kennt hier kaum noch jemanden und findet keinen Job. Der ältere Bruder zieht sich vollständig zurück und die kleine Schwester Aoife spricht kein Wort mehr, seit ein Mitschüler sie «Affe» genannt hat. Auch Emma tut sich schwer, ihr Deutsch reicht hinten und vorne nicht, sie findet keinen Anschluss und vermisst ihre vertraute Welt in Irland mit jedem Tag mehr. So reift in ihr der Plan, einfach abzuhauen. Ausgerechnet Levin, ein Mitschüler, der eigentlich selber einen grossen Sorgenrucksack trägt, hilft ihr bei der Planung. Fast zu spät merkt sie, dass sie sich Illusionen hingegeben hat, dass sie hier gebraucht wird und vor allem, dass sie hier einen wunderbaren, einmalig guten Freund gefunden hat.
Selten wurde das Gefühl von «Heimweh» so eindringlich und nachempfindbar beschrieben. Susan Kreller schreibt in einer einfachen, ruhigen Sprache. Manche Sätze sind so wunderbar treffend formuliert, dass man sie mehr als einmal lesen möchte. Vielleicht kann man nicht so genau sagen, welche Freundschaft besser ist, die gekippte oder die weit geöffnete, die Freundlichkeit, die gross ist, aber gleich verschwindet, oder die, die klein beginnt und ewig dauert. Elektrische Fische gehört zum Besten, was an literarischen Texten für Jugendliche in den letzten Jahren geschrieben worden ist. Und nebenbei erfahren Lesende eine ganze Menge über Irland, über irisches Essen, über Bräuche und wie man in Irland am schönsten flucht. Für Jugendliche.

Maria Riss

 

Susan Kreller: Elektrische Fische, Carlsen 2019

Märzgedicht

Die Mädchen in den ersten Tagen
Des Frühlings sind so wunderbar.
Noch wissen sie es nicht zu sagen
Und fühlen doch wie Kronentragen
Die Blüten hoch im Haar.

Des Windes leisen Violinen
Wandern sie nach im Lenzgebet,
Und eine Sehnsucht ist in ihnen,
Die ihre blassen Träumermienen
Mit vielen Feuern überweht.

Und aller Dinge dumpfes Streben
Gewinnt in ihnen seinen Sinn.
Der jungen Erde Rausch und Beben,
Sie tragen mit ihren Leben
Schon träumend in den Frühling hin.

 

 

Stefan Zweig, Silberne Saiten Gedichte,
Fischer Taschenbibliothek 2018

Darf ich mich vorstellen …

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Liebe Bücherladenfreundinnen und Bücherladenfreunde

Es könnte durchaus sein, dass Sie bei Ihrem nächsten Besuch im Bücherladen auf ein neues Gesicht treffen werden. Dabei würde es sich dann, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit,  um meines handeln. Es ist mir eine Freude als  neues Teammitglied im Bücherladen mitwirken zu dürfen. Mein Name ist Can Tolga.
Da die Liebe bekanntlich hinfällt, wo es ihr beliebt, habe ich den Weg vom fernen Thun in das Appenzellerland gefunden.
Ich durfte meine Lehre in der grössten Buchhandlung der Schweiz, dem Stauffacher in Bern absolvieren. Dort habe ich die letzten 6 Jahre im Englishbookshop und in der Comicabteilung  gearbeitet. Mit Leidenschaft sammle ich nach wie vor Comics und verschlinge englische Bücher, sollten Sie also die eine oder andere Leidenschaft mit mir gemeinsam haben, zögern Sie nicht auf mich zuzukommen.
Ansonsten lese ich Bücher aller möglichen (sowie unmöglichen) Genres, von Belletristik bis zum Sachbuch ist nichts vor mir sicher.
Durch meine Zeit an der Jazzschule Luzern begleitet mich die Musik – singend –  durch mein Leben. Überhaupt fasziniert mich kreativer Ausdruck in all seinen Facetten.
Ebenso fasziniert bin ich von den verschiedenen Kulturen die unsere Erde bevölkern und uns mit Lebensfülle und Vielseitigkeit bereichern.
China, das grosse Reich der Mitte, hat es mir besonders angetan. Wann immer möglich bereise ich dieses geschichtsträchtige und eigensinnige Land.
Mit Freude treibe ich Sport und verbringe Zeit in der Natur beim Wandern oder Pilze sammeln.
Im Leben versuche ich jeweils dass „Jetzt“ zu geniessen und mit grossem Herzen und offenem Geist auf Menschen zuzugehen, denn ein jeder ist ein Tor zur Welt und einer neuen Weltsicht.

Ein Fall von vielen

Meinfall

Ein Buch, das unbedingt geschrieben werden musste und das in seiner existenziellen Dringlichkeit genauso gelesen werden sollte, ist das kürzlich im S. Fischer Verlag erschienene „Mein Fall“ von Josef Haslinger. Seine Zeit als Sängerknabe im katholischen Konvikt Zwettl in den 60er-Jahren bringt er im Selbstverständnis des betroffenen, sexuell missbrauchten und durch Gewalt misshandelten Kindes zu Papier. Aus diesem Blickwinkel hinterlässt es eine Verstörung, die alle treffen muss, die ebenfalls in dieser Zeit geboren und in das zerfallende katholische Milieu hinein gewachsen sind. Haslinger schildert weder voyeuristisch noch reisserisch die Betroffenheit des sprach- und schutzlosen Kindes, das noch heute aus dem erwachsenen, gebildeten und rational argumentierenden Professor spricht. Er findet Worte für die Ohnmacht und das Ausgeliefertsein in einem patriarchalen, hierarchisch funktionierenden Gesellschaftssystem, das in jener Zeit in seiner Normalität und seinen subtilen Mechanismen der Gewalt- und Machtspiele bei weitem nicht nur die Kirche geprägt hat.

In einem schmalen Band von gerade mal 139 Seiten sind seine Erinnerungen eine eindringliche Mahnung an die Menschlichkeit all jener, die gerne vergessen wollen, aber genauso an diejenigen, die aus diesen unsäglichen Verhältnissen Kapital und Publizität schlagen wollen. Es geht um Menschlichkeit – damals wie heute – und den achtsamen, menschenwürdigen Umgang miteinander. Diese einfache wie eindringliche Aufforderung aus der Feder eines Betroffenen zu lesen, bleibt aufwühlend und verstörend und ist nicht zuletzt auch eine mahnende Anklage an alle, die heute mit der Aufarbeitung dieser Zeit betraut sind.

 

Brigitta Schmid, Bücherladenfreundin

Josef Haslinger, Mein Fall. S. Fischer Verlag 2020

 

Bald – Sofalesung in Appenzell

Sonntag 16. Februar um 17 Uhr
Jakob Signerstrasse 5 in 9050 Appenzell
auf Agathe Nisples Sofa

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Bei den Sofalesungen kommen schweizweit lesende und schreibende Menschen zusammen, hören zu, fragen nach und plaudern mit. Die Lesungen finden da statt, wo man sich wohlfühlt: bei wunderbaren Gastgebern in gelassener Atmosphäre.

Die sonntägliche Sofalesung findet im Dorf Appenzell statt, an der Jakob Signerstrasse 5 bei Agathe Nisple. Ihr Sofa, oder präziser, ihr grande table, ist nicht nur Sitzplatz, nein, es ist ein Salon. Ein Ort also, an dem unterschiedliche Menschen sich treffen, geniessen, diskutieren und immer wieder Neues entdecken. Agathe Nisple zeigt, wie das geht, Salonkultur im 21. Jahrhundert – offline, sinnlich und inspirierend.

Lesen wird Johannes Morgenthaler, aus seinem Roman „Heiligenscheinblass“. Ein gealteter Orientierungsläufer, der seine Karriere beendet. Zwei Frauen, die eine sich entfernend, die andere sich nähernd; ein Kind. Es geht um die Suche nach einem Anfang, um den Lauf durch die Kopfwälder der Erinnerung. Gibt die Welt noch entschlüsselbare Bilder und Zeichen her? Wenn ja: Was bedeuten sie, was ist von Bedeutung?

Johannes Morgenthaler, geboren 1979 in Langnau im Emmental, ist ausgebildeter Lehrer und Absolvent des Literaturinstituts in Biel. „Heiligenscheinblass“ ist sein erstes Buch. Morgenthaler ist verheiratet, Vater von drei Kindern und unterrichtet an einer Sekundarschule in Zürich.

Hier Anmelden! sofalesungen.ch

 

Februargedicht

Vom silbernen Schrecken
wenn sich im Wind
zwei Gräser berühren –
bis zu den dumpf
stürzenden Früchten
torkelnd vor Reife.

Vom leichtfüssigen Nebel
der atmet sich kühl
ins zaghafte Licht –
bis zum nie-satten Schatten
im feuchtwarmen
farnsprossigen Tal.

Von der Ankunft der Sichel
am Abend wenn Geborgenes
glasglöckig strandet –
bis zum Abschied graumorgens
mit pochenden Narben
am Fächer des Herzens.

 

aus „Mein Haus hat keine Wände“ von Franz Dodel, 2019

ankommen, staunen, entdecken

Jetzt sind wir da! Unglaublich und schön – auch die vielen Reaktionen von altbekannten und neuen Gesichtern. Feinschleifen macht auch Spass – wo haben wir schon wieder die Laubsägelibü…

Häufige Frage: „war dieses Gewölbe wirklich schon die ganze Zeit da?“

Häufiger Ausruf: „Oh, dahinten geht es ja noch weiter!“

Schöner Satz : „es ist nicht einfach nur anders – es ist sogar schöner!“

Wir sind so beglückt, ob dem freien Raum zum Luftholen, Ausschreiten, Ausbreiten – und freuen uns auf euren Besuch (tolle neue Kaffeemaschine folgt demnächst!).

 

 

Türe auf!

Wortlampe

Liebe Bücherladenfreunde und Lesevergnügte, liebe Buchliebhaberinnen,

es ist angerichtet! Die Buchstaben sind neu geordnet, die Bücher luftig eingereiht, die Kassenrolle frisch eingefädelt. Kommt herein und stosst mit uns an.
Morgen Samstag 18. Januar, ab 9 bis 16 Uhr, und wahrscheinlich noch länger.

Wir freuen uns auf euch!

Carol Forster, Anna-Lena Fässler, Maria Riss, Vanja Hutter

 

Bücherladen Appenzell, Hauptgasse 10, 9050 Appenzell

 

Gute Bücher für dicke Leser – weiter geht’s

Die dicken Leser sind sich uneins – ist das Buch gut, ist das Buch schlecht? Wir haben bei Tisch: eine „Mittelalter als Schauplatz der Geschichte“-Aversion, Freude an den eingängigen Beschreibungen des mittelalterlichen Alltags des südlichen Frankreichs, Kritik an den schlecht beschriebenen Motivationen der Figuren, Bewunderung für den flüssigen Stil, … Wo wir uns dann aber alle einig waren: Wie fein wir derweil speisen und trinken, hier oben am Hang mit Aussicht auf die Lichter Appenzeller Dörfer!

 

Und nun reingestürzt in Dr. Shiwago von Boris Pasternak – ob da sich die Klingen der dicken Leser wieder kreuzen werden?

Wer es mit uns wagt – wir treffen uns belesen wieder am Freitag 13. März.
Anmeldung und weitere Instruktionen via Bücherladen.

Hier direkt gebundenes Buch bestellen oder das Taschenbuch