Verstörend verdichtete Familiengeschichte

Nein man muss nicht erst von Karl Ove Knausgard, dem langjährigen Lebensgefährten der Autorin, sprechen, wenn man sich in ihre kleine, feine Geschichte „Willkommen in Amerika“ verguckt hat. Nein, man muss auch seine Romanexzesse nicht kennen, wenn man ihre verdichtete, schmerzhafte Sprache mag, wirklich nicht. Die Schwedin Linda Boström Knausgard entwirft in ihrem zweiten, knappen Roman eine atmosphärische Stimmung rund um ihre Heldin – die elfjährige Ellen. Sie spricht seit dem Tod des Vaters kein Wort mehr, mit niemandem, denn sie fühlt sich mitschuldig am Tod des depressiven, trinkenden Vaters – schliesslich hat sie genau diesen Tod von Gott erbeten. Um weitere Todesfälle zu verhindern, beschliesst sie zu schweigen. Die Schuldgefühle halten sie aber nicht davon ab, ihre Umgebung genau zu beobachten und zu beschreiben.

Die Autorin bettet die Geschichte einer Pubertierenden in eine schwierige Familiengeschichte, wobei diese einen ganz eigenen Sog in die chaotische Gefühlswelt einer Heranwachsenden eröffnet. Dass der Lyrikerin Boström Kanusgard trotz dieses komplexen Settings eine eindrückliches Stück Prosa gelungen ist, liegt, neben ihrer ganz eigenen, dichten Sprache, nicht zuletzt auch an der eindrücklichen Zeichnung der Figur der Mutter. Sie bleibt in all den familiären Wirrungen eine starke, sympathische Figur, die nicht von ihrer Idee einer „hellen“ Familie abweicht. Auch wenn ein derart dicht geschriebener Roman, der zudem um ein kindliches Trauma kreist, nicht als leichte Wochenend-, Strand- oder Bettlektüre schnell zu lesen ist, macht das Eintauchen in die Welt von Ellen nichts desto trotz zu einer bleibenden Leseerfahrung.

Brigitta Schmid

Linda Boström Knausgard, Willkommen in Amerika, Schöffling & Co. 2017

WillkommeninAmerikaVanja hat’s grad gepackt

ZUM INTERNET-SHOP

SEPTEMBERGEDICHT

Die fünf Ursachen

 Man kann, wenn wir es überlegen,
Wein trinken fünf Ursachen wegen:
Einmal um eines Festtags willen,
Sodann vorhandenen Durst zu stillen,
Ingleichen künftigen abzuwehren,
Ferner dem guten Wein zu Ehren,
Und endlich um jeder Ursach willen.

 Friedrich Rückert

 

In: Hiltrud Herbst, Doris Mendlewitsch (hg.), Schöner Rausch, Reclam 2013.

SWIPS!

Samstag 9. September von 18 bis 24 Uhr im Raum für Literatur an der Gutenbergstrasse 20 in St. Gallen

Swips ist kein Schwips auf französisch, Swips ist kein Gruss auf Hawaii  – Swips sind die Swiss Independent Publishers, die Vereinigung unabhängiger Verlage der Schweiz. Verlage also, die sich oft mit wenig Mitteln und immer mit viel Leidenschaft für Bücher einsetzen, an die sie glauben. An der Museumsnacht in St. Gallen laden 29 Schweizer Verlage ein, zu Lesungen, zum Eintauchen in Bücher, zur Entdeckungstour in die Schweizer Verlagswelt. Eine wunderbare Gelegenheit, starke Bucharbeit zu erleben. Wir vom Bücherladen werden da sein, mit vielen Büchern und viel Herz.

swips_aug17

 

AUGUSTGEDICHT

Weidewerk

 Die Witterung eines Wortes,
eines Satzes aufzunehmen,
die wirklich gesagt
sein möchten.

 Das hat mit Jagd
Zu tun, mit Sehnsucht.
Und es kann lange
dauern.

 Klaus Merz

 

In: Peter von Matt, Dirk Vaihinger (hg.), Die schönsten Gedichte der Schweiz, Nagel & Kimche 2002.

 

Märlistunde im Bücherladen

An Mittwochen ist im Bücherladen Märlistundenzeit – wir entdecken mit euch neue Geschichten, blättern zusammen durch Klassiker und zeigen euch unsere Lieblingsbilderbücher. Das nächste Mal am 2. August!

IMG_20170720_144845

Von 14 bis 15 Uhr, für Kinder von 4 bis 8 Jahren. Gerne mit Anmeldung!
mail@buecherladen-appenzell.ch – 071 787 29 30

Dankeswallfahrt und Erinnerungszauber

Das „kleine Frühling“-Team auf dem Rückweg von der Sonnenhalbkapelle. Die Gut-Wetter-Wallfahrt im Mai hat Wirkung gezeigt – auf die Minute genau waren Sonnenschein und Regen verteilt bei unserem Buch-Kunst-Festival!

IMG_7909

Nachlese zum „kleinen Frühling 2017“

Die Lüftlein waren lau
die Stimmung – wow

trocken die Wimpel
zur richtigen Zeit

statt Regen strömten die Leut
es wurden Wellen geschlagen

hinaus in die Welt
Applaus und fröhliche Stimmen

das Treibhaus erfüllt
die Orte, nicht mehr verstohlen

Klänge zum Träumen
in sinniger Nacht

hinauf zu den Sternen
für die Ewigkeit gedacht.

Für all das sei Dank!

 

Margrit Gmünder

JULIGEDICHT

An die Sonne

 Schöner als der beachtliche Mond und sein geadeltes Licht,
Schöner als die Sterne, die berühmten Orden der Nacht,
Viel schöner als der feurige Auftritt eines Kometen
Und zu weit Schönrem berufen als jedes andre Gestirn,
Weil dein und mein Leben jeden Tag an ihr hängt, ist die Sonne.

 Schöne Sonne, die aufgeht, ihr Werk nicht vergessen hat
Und beendet, am schönsten im Sommer, wenn ein Tag
An den Küsten verdampft und ohne Kraft gespiegelt die Segel
Über dein Aug ziehn, bis du müde wirst und das letzte verkürzt.

 Ohne die Sonne nimmt auch die Kunst wieder den Schleier,
Du erscheinst mir nicht mehr, und die See und der Sand,
Von Schatten gepeitscht, fliehen unter mein Lid.

 Schönes Licht, das uns warm hält, bewahrt und wunderbar sorgt,
Daß ich wieder sehe und daß ich dich wiederseh!

 Nichts Schönres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein…

 Nichts Schönres als den Stab im Wasser zu sehn und den Vogel oben,
Der seinen Flug überlegt, und unten die Fische im Schwarm,
Gefärbt, geformt, in die Welt gekommen mit einer Sendung von Licht,
Und den Umkreis zu sehn, das Geviert eines Felds, das Tausendeck meines Lands
Und das Kleid, das du angetan hast. Und dein Kleid, glockig und blau!

 Schönes Blau, in dem die Pfauen spazieren und sich verneigen,
Blau der Fernen, der Zonen des Glücks mit den Wettern für mein Gefühl,
Blauer Zufall am Horizont! Und meine begeisterten Augen
Weiten sich wieder und blinken und brennen sich wund.

 Schöne Sonne, der vom Staub noch die größte Bewundrung gebührt,
Drum werde ich nicht wegen dem Mond und den Sternen und nicht,
Weil die Nacht mit Kometen prahlt und in mir einen Narren sucht,
Sondern deinetwegen und bald endlos und wie um nichts sonst
Klage führen über den unabwendbaren Verlust meiner Augen.

 Ingeborg Bachmann

 

In: Ingeborg Bachmann, Werke 1, Piper 2010.

 

read-y ?!

Heute wird’s noch heisser!

madame_bovary_1

ans Wasser mit: Madame Bovary, Gustave Flaubert, Hanser Verlag 2012 für 47,50 CHF

 

Mrs_H_2

unter einen Schattenbaum mit: die talentierte Mrs. Highsmith von Joan Schenkar, Diogenes Verlag 2015 für 43,90 CHF

 

Denken_1

einen kühlen Kopf bewahren mit: Georg Steiner, Warum denken traurig macht, Suhrkamp Verlag 2016 für 15.90 CHF

..weitere erfrischende Geschichten und Krimis wo’s einem kalt über den Rücken läuft – im bücherladen liegen sie parat – auf gehts.

Abenteuer am Mississippi

IMG_1071

Die Geschichte beginnt in den Südstaaten von Amerika und spielt am Ende des 19. Jahrhunderts. Vier Kinder aus völlig verschiedenen Milieus haben in den Sümpfen heimlich eine Hütte gebaut und verbringen dort ihre ganze Freizeit. Beim Angeln passiert es: Sie fischen aus dem Fluss eine alte Dose mit drei Dollar drin. Die drei bestellen sich mit dem Geld beim Versandhauskatalog eine Pistole, mit passender Munition versteht sich. Als das Paket endlich eintrifft, finden sie darin aber bloss eine alte Uhr. Bald erfahren die vier, dass diese Uhr ein Vermögen wert ist, denn die Falschlieferung wird im ganzen Land gesucht. Wenn diese alte Uhr tatsächlich mehrere tausend Dollar wert ist, dann wollen die vier auch etwas davon abkriegen. Dafür muss man die Uhr aber in Chicago vorbeibringen. Also beschliessen die vier, nach Norden abzuhauen.
Diese Reise durch ganz Amerika wird für die Kinder abenteuerlich und gefährlich, zumal sie kaum Geld besitzen. Zuerst fahren sie in ihrem selbstgebauten Einbaum nach New Orleans, dann mit dem Raddampfer den Mississippi hoch, später als blinde Passagiere im Zug weiter gen Norden. Sie werden überfallen, fahren zum ersten Mal mit einem Tram, staunen über Automobile, erfahren, da der jüngste von allen schwarz ist, wie verbreitet der Rassismus in bestimmten Gegenden noch immer ist und erleben auch öfters, wie hilfsbereit Menschen sein können. Ja und am Schluss, nachdem sie sogar einen Mord aufgeklärt haben, da werden die vier doch tatsächlich steinreich.
Der italienische Autor Davide Morosinotto hat ein ganz wunderbares Abenteuerbuch geschrieben: Eine überaus packende Handlung mit vielen, unvorhersehbaren Wendungen, schrägen Typen, fernen Schauplätzen und Hauptfiguren, deren Abenteuer man am liebsten selbst bestehen würde. Und vor allem am Anfang hat man beim Lesen das Gefühl, Huckleberry Finn tauche nächstens hinter einer Hausecke auf. Besonders faszinierend sind zudem die vielen Einblicke in das Leben jener Zeit: der technische Fortschritt, das schwierige Leben der Farmer, der für alle Beteiligten schreckliche Aufenthalt in einem Gefängnis. Das Buch ist in vier Teile gegliedert, jede der Hauptfiguren berichtet von einem Teil der gefährlichen Reise. Dadurch wird die Verschiedenartigkeit der vier Abenteurer spürbar. Diese spannende Art von Road Movie wird Kinder und Jugendliche ab etwa 12 Jahren, Mädchen wie Jungen, mit Sicherheit begeistern. Das Buch eignet sich zudem dank der klaren Gliederung auch hervorragend zum Vorlesen.

Maria Riss

Davide Morosinotto, Die Mississippi-Bande, Thienemann 2017.

ZUM INTERNET-SHOP

JUNIGEDICHT

Trotz allem der Sommer

Blinzeln unterm Akaziendach
an der warmen Wand
des hölzernen Schopfs
auf die hohen Pappeln
die Weiden im Wasser trinkend
die überquellenden Rosenbüsche
altrosa gelb herzblutrot
ihre verschwenderischen Blüten
schauen auf den überlaufenden
See Möwen auf überschwemmter
Mole Schwäne im Wasser an Land
Schauen in den grenzenlos
hellen verschwindenden Himmel
die Augen ruhen lassen
weil der Kopf nicht versteht
was vom Dunkel ins Helle führt
hinter der Pupille kein Gedanke
der Sommer trotz allem
trotz allem der Sommer

 Jochen Kelter

 

In: Jochen Kelter, Die Möwen von Sultanahmet, weissbooks.w 2015.

 

 

Bald – Lesung mit Michel Simonet

Dienstag 20. Juni 19 Uhr in der Bibliothek des Gymnasium Appenzell
zweisprachiger Anlass mit deutscher Übersetzung – Eintritt frei, Apéro

Die orange Farbe blendet. Der Mensch in seiner Arbeitskleidung wird gar nicht wahrgenommen, er ist nur ein Strassenwischer. Michel Simonet ist eine Ausnahme: die frische Rose, die er an seinem Müllkarren befestigt hat, macht auf ihn aufmerksam. Er hat ein „verrücktes“ Buch geschrieben: beeindruckend, berührend, von nichts anderem erzählend als von einem Mann, seiner Arbeit, seiner Stadt.

Organisiert von der Fachschaft Französisch, Fachschaft Deutsch, Bibliothek des Gymnasiums, der Kantonsbibliothek und der Volksbibliothek

IMG_1061

und nun die Hand aufs Herz,

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Klaus Merz, es war so schön!
Und jetzt soll es wirklich schon fertig sein?

Der Regen weint uns die Tränen – zum wehmütigen Abschied, doch vor allem zur Freude.. solch geschenkte Tage, all die unverhofften Entdeckungen, Blätterungen in unzählige Welten, Angelesenes wurde Inspirierendes – jede und jeder nimmt die eigenen Geschichten mit. So schliesst sich dieses Kapitel am Zenit, das Buch ist jedoch lang noch nicht fertig!

 

We are so lucky:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Camels, Hermelin und der Schwamm.

Nora Gomringer und Philipp Scholz kommen auf die Bühne
und es macht PENG
und dann die genialen Lucky Camels – das Kies knirscht im Takt
Geigenspatz und Cellonachtigall – das Pacific Quartet Vienna
verzaubert von Vogelstimme bis zum Tango
Und die Reise geht los: Erste Erde Epos – Zweite Sensation Heute !

 

Und alles steigt und schwebt, erfüllt und hebt..

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Gestern war so schön, quasi langer Sinn und kurze Nacht. Jörg van der Berg führte uns durch das Tal und über die Brücken von Michael Donhauser zu Judith Albert.
Das Leben ist ein Steilhang. Verstohlen sind wir noch, doch bald treibts uns zusammen und der Abend wird gross!

Gut Kirschen mit Capus

Ob Wahrheit oder Dichtung – das Leben ist gut!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Was für ein schöner, langer lauer Abend – handverlesene Textblüten, mundgerechte Köstlichkeiten, herzhafte Begegnungen..

Bald gehts schon weiter! Wir sind gespannt auf Judith Albert und ihre Hände und freuen uns auf Michael Donhauser  – bis gleich!

noch ein steinwurf…

countdown1_low.jpg

..und endlich treffen wir uns!