Dankeswallfahrt und Erinnerungszauber

Das „kleine Frühling“-Team auf dem Rückweg von der Sonnenhalbkapelle. Die Gut-Wetter-Wallfahrt im Mai hat Wirkung gezeigt – auf die Minute genau waren Sonnenschein und Regen verteilt bei unserem Buch-Kunst-Festival!

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Nachlese zum „kleinen Frühling 2017“

Die Lüftlein waren lau
die Stimmung – wow

trocken die Wimpel
zur richtigen Zeit

statt Regen strömten die Leut
es wurden Wellen geschlagen

hinaus in die Welt
Applaus und fröhliche Stimmen

das Treibhaus erfüllt
die Orte, nicht mehr verstohlen

Klänge zum Träumen
in sinniger Nacht

hinauf zu den Sternen
für die Ewigkeit gedacht.

Für all das sei Dank!

 

Margrit Gmünder

JULIGEDICHT

An die Sonne

 Schöner als der beachtliche Mond und sein geadeltes Licht,
Schöner als die Sterne, die berühmten Orden der Nacht,
Viel schöner als der feurige Auftritt eines Kometen
Und zu weit Schönrem berufen als jedes andre Gestirn,
Weil dein und mein Leben jeden Tag an ihr hängt, ist die Sonne.

 Schöne Sonne, die aufgeht, ihr Werk nicht vergessen hat
Und beendet, am schönsten im Sommer, wenn ein Tag
An den Küsten verdampft und ohne Kraft gespiegelt die Segel
Über dein Aug ziehn, bis du müde wirst und das letzte verkürzt.

 Ohne die Sonne nimmt auch die Kunst wieder den Schleier,
Du erscheinst mir nicht mehr, und die See und der Sand,
Von Schatten gepeitscht, fliehen unter mein Lid.

 Schönes Licht, das uns warm hält, bewahrt und wunderbar sorgt,
Daß ich wieder sehe und daß ich dich wiederseh!

 Nichts Schönres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein…

 Nichts Schönres als den Stab im Wasser zu sehn und den Vogel oben,
Der seinen Flug überlegt, und unten die Fische im Schwarm,
Gefärbt, geformt, in die Welt gekommen mit einer Sendung von Licht,
Und den Umkreis zu sehn, das Geviert eines Felds, das Tausendeck meines Lands
Und das Kleid, das du angetan hast. Und dein Kleid, glockig und blau!

 Schönes Blau, in dem die Pfauen spazieren und sich verneigen,
Blau der Fernen, der Zonen des Glücks mit den Wettern für mein Gefühl,
Blauer Zufall am Horizont! Und meine begeisterten Augen
Weiten sich wieder und blinken und brennen sich wund.

 Schöne Sonne, der vom Staub noch die größte Bewundrung gebührt,
Drum werde ich nicht wegen dem Mond und den Sternen und nicht,
Weil die Nacht mit Kometen prahlt und in mir einen Narren sucht,
Sondern deinetwegen und bald endlos und wie um nichts sonst
Klage führen über den unabwendbaren Verlust meiner Augen.

 Ingeborg Bachmann

 

In: Ingeborg Bachmann, Werke 1, Piper 2010.

 

read-y ?!

Heute wird’s noch heisser!

madame_bovary_1

ans Wasser mit: Madame Bovary, Gustave Flaubert, Hanser Verlag 2012 für 47,50 CHF

 

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unter einen Schattenbaum mit: die talentierte Mrs. Highsmith von Joan Schenkar, Diogenes Verlag 2015 für 43,90 CHF

 

Denken_1

einen kühlen Kopf bewahren mit: Georg Steiner, Warum denken traurig macht, Suhrkamp Verlag 2016 für 15.90 CHF

..weitere erfrischende Geschichten und Krimis wo’s einem kalt über den Rücken läuft – im bücherladen liegen sie parat – auf gehts.

Abenteuer am Mississippi

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Die Geschichte beginnt in den Südstaaten von Amerika und spielt am Ende des 19. Jahrhunderts. Vier Kinder aus völlig verschiedenen Milieus haben in den Sümpfen heimlich eine Hütte gebaut und verbringen dort ihre ganze Freizeit. Beim Angeln passiert es: Sie fischen aus dem Fluss eine alte Dose mit drei Dollar drin. Die drei bestellen sich mit dem Geld beim Versandhauskatalog eine Pistole, mit passender Munition versteht sich. Als das Paket endlich eintrifft, finden sie darin aber bloss eine alte Uhr. Bald erfahren die vier, dass diese Uhr ein Vermögen wert ist, denn die Falschlieferung wird im ganzen Land gesucht. Wenn diese alte Uhr tatsächlich mehrere tausend Dollar wert ist, dann wollen die vier auch etwas davon abkriegen. Dafür muss man die Uhr aber in Chicago vorbeibringen. Also beschliessen die vier, nach Norden abzuhauen.
Diese Reise durch ganz Amerika wird für die Kinder abenteuerlich und gefährlich, zumal sie kaum Geld besitzen. Zuerst fahren sie in ihrem selbstgebauten Einbaum nach New Orleans, dann mit dem Raddampfer den Mississippi hoch, später als blinde Passagiere im Zug weiter gen Norden. Sie werden überfallen, fahren zum ersten Mal mit einem Tram, staunen über Automobile, erfahren, da der jüngste von allen schwarz ist, wie verbreitet der Rassismus in bestimmten Gegenden noch immer ist und erleben auch öfters, wie hilfsbereit Menschen sein können. Ja und am Schluss, nachdem sie sogar einen Mord aufgeklärt haben, da werden die vier doch tatsächlich steinreich.
Der italienische Autor Davide Morosinotto hat ein ganz wunderbares Abenteuerbuch geschrieben: Eine überaus packende Handlung mit vielen, unvorhersehbaren Wendungen, schrägen Typen, fernen Schauplätzen und Hauptfiguren, deren Abenteuer man am liebsten selbst bestehen würde. Und vor allem am Anfang hat man beim Lesen das Gefühl, Huckleberry Finn tauche nächstens hinter einer Hausecke auf. Besonders faszinierend sind zudem die vielen Einblicke in das Leben jener Zeit: der technische Fortschritt, das schwierige Leben der Farmer, der für alle Beteiligten schreckliche Aufenthalt in einem Gefängnis. Das Buch ist in vier Teile gegliedert, jede der Hauptfiguren berichtet von einem Teil der gefährlichen Reise. Dadurch wird die Verschiedenartigkeit der vier Abenteurer spürbar. Diese spannende Art von Road Movie wird Kinder und Jugendliche ab etwa 12 Jahren, Mädchen wie Jungen, mit Sicherheit begeistern. Das Buch eignet sich zudem dank der klaren Gliederung auch hervorragend zum Vorlesen.

Maria Riss

Davide Morosinotto, Die Mississippi-Bande, Thienemann 2017.

ZUM INTERNET-SHOP

JUNIGEDICHT

Trotz allem der Sommer

Blinzeln unterm Akaziendach
an der warmen Wand
des hölzernen Schopfs
auf die hohen Pappeln
die Weiden im Wasser trinkend
die überquellenden Rosenbüsche
altrosa gelb herzblutrot
ihre verschwenderischen Blüten
schauen auf den überlaufenden
See Möwen auf überschwemmter
Mole Schwäne im Wasser an Land
Schauen in den grenzenlos
hellen verschwindenden Himmel
die Augen ruhen lassen
weil der Kopf nicht versteht
was vom Dunkel ins Helle führt
hinter der Pupille kein Gedanke
der Sommer trotz allem
trotz allem der Sommer

 Jochen Kelter

 

In: Jochen Kelter, Die Möwen von Sultanahmet, weissbooks.w 2015.

 

 

Bald – Lesung mit Michel Simonet

Dienstag 20. Juni 19 Uhr in der Bibliothek des Gymnasium Appenzell
zweisprachiger Anlass mit deutscher Übersetzung – Eintritt frei, Apéro

Die orange Farbe blendet. Der Mensch in seiner Arbeitskleidung wird gar nicht wahrgenommen, er ist nur ein Strassenwischer. Michel Simonet ist eine Ausnahme: die frische Rose, die er an seinem Müllkarren befestigt hat, macht auf ihn aufmerksam. Er hat ein „verrücktes“ Buch geschrieben: beeindruckend, berührend, von nichts anderem erzählend als von einem Mann, seiner Arbeit, seiner Stadt.

Organisiert von der Fachschaft Französisch, Fachschaft Deutsch, Bibliothek des Gymnasiums, der Kantonsbibliothek und der Volksbibliothek

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und nun die Hand aufs Herz,

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Klaus Merz, es war so schön!
Und jetzt soll es wirklich schon fertig sein?

Der Regen weint uns die Tränen – zum wehmütigen Abschied, doch vor allem zur Freude.. solch geschenkte Tage, all die unverhofften Entdeckungen, Blätterungen in unzählige Welten, Angelesenes wurde Inspirierendes – jede und jeder nimmt die eigenen Geschichten mit. So schliesst sich dieses Kapitel am Zenit, das Buch ist jedoch lang noch nicht fertig!

 

We are so lucky:

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Camels, Hermelin und der Schwamm.

Nora Gomringer und Philipp Scholz kommen auf die Bühne
und es macht PENG
und dann die genialen Lucky Camels – das Kies knirscht im Takt
Geigenspatz und Cellonachtigall – das Pacific Quartet Vienna
verzaubert von Vogelstimme bis zum Tango
Und die Reise geht los: Erste Erde Epos – Zweite Sensation Heute !

 

Und alles steigt und schwebt, erfüllt und hebt..

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Gestern war so schön, quasi langer Sinn und kurze Nacht. Jörg van der Berg führte uns durch das Tal und über die Brücken von Michael Donhauser zu Judith Albert.
Das Leben ist ein Steilhang. Verstohlen sind wir noch, doch bald treibts uns zusammen und der Abend wird gross!

Gut Kirschen mit Capus

Ob Wahrheit oder Dichtung – das Leben ist gut!

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Was für ein schöner, langer lauer Abend – handverlesene Textblüten, mundgerechte Köstlichkeiten, herzhafte Begegnungen..

Bald gehts schon weiter! Wir sind gespannt auf Judith Albert und ihre Hände und freuen uns auf Michael Donhauser  – bis gleich!

noch ein steinwurf…

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..und endlich treffen wir uns!

noch zweimal schlecken…

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..und wir kleben an den Büchern, schmelzen bei Gomringer und verlaufen uns an verstohlene Orte.

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5….. 4…. 3… 2.. 1. ab ins Treibhaus!

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Appenzell – verstohlenes literarisches Zentrum

Appenzell hat mehr zu bieten hat als nur fotogene Ansichten, lebendiges Brauchtum und vielfältige Traditionen. Das wissen alle, die den Hauptort von Appenzell Innerrhoden regelmässig besuchen. Aber auch ein musikalisch unterfüttertes Literatur- und Kunstfestival. Vom 1. bis 5. Juni 2017 – über das Pflingstwochenende – geht in Appenzell nun schon zum zweiten Mal das über die Bühne, was sich bescheiden «kleiner Frühling» nennt: ein Stelldichein von Autorinnen und Autoren, von Kunstschaffenden, Verlagsleuten und allgemein kulturell und literarisch Interessierten – mit besonderen Aktivitäten und Attraktionen für Kinder.

Alles begann im Jahre 2012, als der Bücherladen in Appenzell sein 20-jähriges Bestehen mit einer Art Festival feierte. Kunstvermittlerin Agathe Nisple und Buchhändlerin Carol Forster taten sich zusammen und stellten mit einem ehrenamtlich arbeitenden Team ein Kulturfest auf die Beine, wie es das Dorf noch nie gesehen hatte. Das Ereignis rief nach einer Wiederholung, und so fand 2015 der erste «kleine Frühling» statt. Mittlerweile ist die Tradition etabliert: Wiederum gastiert in diesem Jahr über Pfingsten in Appenzell eine ganze Reihe von Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Den Auftakt macht am Donnerstag, 1. Juni der Oltener Autor Alex Capus. An der Lesung im Treibhaus an der Wührestrasse 1 beteiligen sich aber auch Appenzellerinnen und Appenzeller, die ausgewählte Lieblingssätze aus Capus neustem Buch vortragen. Am Freitag findet die Vernissage der Ausstellung zu einem längjährigen künstlerischen Dialog zwischen der Videokünstlerin Judith Albert und dem Lyriker Michael Donhauser statt. Sie ist während des ganzen Festivals geöffnet.

Das Festivalprogramm ermöglicht überraschende Kooperationen: An «verstohlenen Orten», bei privaten Gastgebern, präsentieren im Verlaufe des Samstags Verleger ihre Autoren: Julia Weber, Rolf Hermann, Frédéric Zwicker und Alfonso Hophan. Ebenfalls am Samstag tritt die Lyrikerin, Erzählerin und Essayistin Nora Gomringer zusammen mit dem Schlagzeuger Philipp Scholz auf, anschliessend bringen die Lucky Camels den Swing der 40er Jahre auf die Bühne. Am Sonntag liest der Schriftsteller Raoul Schrott aus seinem Buch «Erste Erde Epos» – eine literarische Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse; zuvor findet als klassische Sonntagsmatinée das Konzert des Pacific Quartet Vienna statt. Am Montag führt der Schriftsteller Klaus Merz durch sein Werk. Ein Kinderworkshop zu «Masking Tapes» findet am Samstagvormittag statt. Am Nachmittag vertont das Pacific Quartet Vienna ein japanisches Märchen und die Schauspielerin Fränzi Frick erzählt die japanische Version vom Däumling – auch für Erwachsene.

Das Bemerkenswerte am «kleinen Frühling»: Literatur und Kunst verweben sich in den Alltag des Dorfes. Es wird sichtbar, was Appenzell auch sein kann: Ein Ort, an dem man sich gut mit den grossen und den kleinen Fragen des Lebens beschäftigen kann, ein verstohlenes literarisches Zentrum, eine nicht versiegende, sich stets erneuernde Inspirationsquelle.

Text: Hanspeter Spörri

Für ein warmes, leichtes Lüftlein

Mit Worten und Taten kümmern wir uns um ein schönes Pfingsten. Auf dass unser kleiner Frühling von feinstem Wetter beglückt sein möge!

Für den grösstmöglichen kleinen Frühling

Alte Bauernregeln besagen,
man soll sich nicht beklagen

Denn ab Mitte Mai
sei der Winter nun vorbei

So haben wir heute hier zusammengefunden
um mit vereinter Stimme zu bekunden:

Marmor Stein und Eisen bricht
aber unser Himmel nicht

Dass vom 1. bis zum 5., so lautet das Gebet,
ein warmes leichtes Lüftlein weht

Unser Wunsch ist simpel – trockene Wimpel

Auch vor 2 Jahren schon ein Thema
wird’s Wetter wie an der Rema?

Doch man trug die Frage elegant
Thomas Hürlimann sogar charmant

Bunte Regenschirme für jeden
man könnte drüber reden

Aber wir wollen uns hier besinnen
die bare Zuversicht gewinnen

Denn zuallererst und vorderhand
wollen wir einen gesunden Menschenversand

A-post nach Appenzell City

Statt Regen sollen die Leute strömen
sollen die Büchertische überschwemmen
die Bühne stürmen
Gomringer und Capus Beifall prasseln
und niemand wird auf dem Trockenen
Gelassen

Statt Bäche werden wir Becher stürzen

Nieselgeflüster und Tröpfelpalaver bahnen
sich Rinnsale durch die Nacht

Es sollen sich Fan-Pfützen bilden
um die Ecke werden sie kichern
O mein Gott, ist das Raoul Schrott?

Und es soll Wellen schlagen
zu weiten Kreisen weitertragen
es soll ausufern – Jubel hageln

Zusammen mit Klaus Merz
Fassen wir uns beschwingt ans Herz

Und zum Besiegeln unseres Schwurs
machen wir jetzt öpis sturs

Doch wie es hilft werdet ihr sehen
wenn wir jetzt im Zwickerschen Sinn
ein paar Runden im Kreise gehen

Vanja Hutter