Röntgenblick in die Geschichte

buck_verg
Vera Buck- Das Buch der vergessenen Artisten. Limes Verlag, 2018

Mathis ist ein mutiger Einzelgänger, der in einem Wohnwagen lebt. Er schreibt heimlich ein Buch und er liebt eine aussergewöhnliche, ja eine aussergewöhnlich starke Frau. So oder ähnlich könnten viele Liebes- und Lebensgeschichten beginnen. „Das Buch der vergessenen Artisten“ ist da allerdings überraschend anders als erwartet. Vera Buck entführt in die Welt der Jahrmarktkünstler, die sich am Rande, der sich in den 30er Jahren nazifizierenden deutschen Gesellschaft, bewegt. Wunderbar leicht, ernsthaft und frei erzählt sie vom Verschwinden dieser Subkultur. Der unangepassten, eigenwilligen und oft auch skurrilen Einzelgänger und Jahrmarktkünstler. Durch das erstarkende Naziregime bedroht, leben der Röntgenkünstler Mathis und seine Partnerin, die Kraftfrau Meta, bescheiden in einer Wohnwagensiedlung bei Berlin. Aber den Bedrohungen ihrer Zeit können sie nicht entgehen: die Bühnen werden geschlossen und Auftrittsverbote werden verhängt. Menschen verschwinden über Nacht und der Alltag wird immer beschwerlicher. Nur noch in geheimen Clubs und Künstlertreffs lebt die Vergangenheit weiter.

Vera Buck schreibt – genau wie ihr Protagonist Mathis – in zweifacher Hinsicht gegen das Vergessen: sie erinnert an die lebendige Kultur der Jahrmarktartisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts und an einzelne Künstler aus diesem Milieu, auf deren Spuren sie sich in umfangreichen Recherchen gemacht hat. Ihnen wird in diesem aus- und einladenden Buch ein sympathisches, dringend nötiges und süffig zu lesendes Denkmal gesetzt.

 

Brigitta Schmid

 

EINKAUFEN

 

Sag’s mit einem Buch…

Endlich geht es wieder los… der Diogenes Verlag hat eine Kiste Mandarinen und Baumnüsse geschickt, die Bücherauslieferung schenkt pünktlich die feinen Erdnüssli aus dem Caffè Ferrari und Heike, unsere Vertreterin bringt Guetzli und einen Tee, der tatsächlich nach Sahne und Karamell schmeckt. Es ist wie Weihnachten.

Die kurzweiligen, turbulenten Tage vor dem grossen Fest sind besonders. Nebst Fingerfertigkeit im Päckeln steigt die Freude. Wenn man zusammen das perfektes Geschenk gefunden hat. Wenn fremde Leute anfangen sich Büchertipps zu geben. Wenn die Kleinen ganz vertieft im „Briefträger Maus“ verschwinden. Wenn noch jemand nach Ladenschluss auf ein Glas Prosecco bleibt. Wenn man im Hinterzimmer sitzt und das Lachen von vorne bis dahin schallt.

Bücher sind so viel. Auch dicke Briefe an Freunde. Wusste schon Jean Paul. Einen Freund zu haben ist das grösste Geschenk. Sag’s ihm doch. Mit einem Buch.

freundinschlafenhamsterkleinermannSchwesternherzvertrauegavaldatanzenweihnacht9

Kommen Sie zu uns in die gute Bücherladen-Stube und wir finden zusammen das Buch, das genau das sagt, was Sie sagen wollen. Wir freuen uns!

Nighthawks

nighth.jpeg

Vier Menschen in einer Bar, irgendwo in einer amerikanischen Stadt – das Bild „Nighthawks“ von Edward Hopper aus dem Jahr 1942 ist Kult. Ich gebe es zu: Ich liebe Hopper und sein Werk. Und nun kommt Lawrence Block – ein von mir sehr verehrter Autor – nimmt sich eine Reihe von Hoppers Bildern und lädt hervorragende Autorinnen und Autoren ein, zu jedem Bild eine Geschichte zu schreiben. Herausgekommen sind 17 Stories zu berühmten Gemälden des weltbekannten Malers. Die Menschen in Hoppers Bildern wirken immer irgendwie einsam, vom Leben an einen Ort gestellt zu dem sie erst noch die Verbindung suchen müssen. Kurz, eine perfekte Ausgangslage für Schreibende wie Michael Connelly, Lee Child, Stephen King und andere, diese Menschen in eine Kurzgeschichte zu weben. Natürlich hat auch Lawrence Block dies getan.

„Nighthawks“, so der Titel dieser genialen Sammlung, ist eine Hommage an Edward Hopper, an die Meisterschaft der kurzen Form und ein abwechslungsreiches Vergnügen.

Reto Pfändler

Lawrence Block, Nighthawks, Stories nach den Gemälden von Edward Hopper, Droemer 2018

EINKAUFEN

Dezembergedicht

Advent

Wo kommt denn plötzlich
diese Weite in mir her –

mit dem Duft von Zimt und Kardamom,
der Fernsicht in andere Zeiten,

während um mich Alt und Jung
mit Tüten voller Glitzerkram
in alle Windrichtungen flitzt,
und am Strassenrand ein Mann
in sich versunken Akkordeon spielt?

Wo kommt denn diese Weite her,
die aus dem Nichts mich überfällt –

trotz Bise und tropfender Nase,
mitten im Lockvogelgezwitscher,
unter tausend goldnen Sternen,
die an den Drähten prangen?

Diese Weite –

mit von weiss nicht wo
vertrauten Klängen,
die Wehmut mit Heiterkeit paaren.

Als ob es
im Dickicht der Dinge
eine Lichtung gäbe.

Andrea Maria Keller

 

Aus: Andrea Maria Keller, Vielstimmig, Gedichte, Edition Howeg, Zürich 2018

In den Advent flanieren

Gestern Abend sind wir beim Platteneck mit Worten und Klängen in den Advent begleitet worden. Und sanft gestrichene Hallelujas erweckten die Weihnachtsbeleuchtung in den Strassen und Schaufenstern zum Leben – magisch!

Ein zartes Licht im Nebel

Winter_Noemi.jpeg

Die junge Protagonistin lässt uns an ihrem Leben teilhaben, man glaubt sie zu kennen, aber irgendwie auch nicht. Die Stimmung des Ortes Sokcho; kalt, neblig, befremdlich, etwas einsam und bedrückt, spiegelt sich in den Gefühlen der Ich-Erzählerin. Sie arbeitet in einer Pension ohne viele Gäste und einem undankbaren Chef. Ihre Mutter, die Fischstandbetreiberin, möchte sie am liebsten schon gestern verheiratet haben und dennoch bemuttern. Die junge Frau möchte eigentlich weg von hier, weiss jedoch nicht wohin, weshalb und wann.

Durch einen französischen Künstler und dessen andere Sichtweise auf Sokcho und das Leben im Allgemeinen, verändert sich in ihr etwas. Der Nebel in ihr und um sie herum wird etwas gelichtet, sie sieht etwas klarer in die Welt und auch für uns Leser scheint Sonne durch.

Klein und fein. Sehr detailreich und gefühlvoll, von Elia Shua Dusapin geschrieben und mit dem Robert Walser Preis ausgezeichnet.

Noemi Lieberherr

Ein Winter in Sokcho, Elisa Shua Dusapin, Blumenbar 2018

 

EINKAUFEN

Sanfter Advent

Illu __Verve flanieren__ sw ok

Donnerstag, 29. November 2018 in Appenzell
Auftakt beim Platteneck um 17.30 Uhr
Die Läden sind bis mindestens 21 Uhr geöffnet

 

Mit einem ruhigen und feierlichen Zeichen des Zusammenkommens möchten wir gemeinsam in den Advent einsteigen. Wir laden alle ein, bei einem besinnlichen Auftakt im Dorfkern von Appenzell dabei zu sein.

In den Läden löschen die Lichter für eine halbe Stunde. Die Geschäftsleute, Mitarbeitende und Gäste begeben sich – wie ein feiner Sternmarsch – mit einem Licht in der Hand zum Platteneck. Da ist eine kleine Gruppe von kirchlichen und weltlichen Persönlichkeiten versammelt, die je einen Weihnachtsgedanken mit uns teilen. Kerzen brennen und feine Musik erklingt. Zu dieser Stunde werden die traditionellen Adventssterne erstmals leuchten, die im Dorf seit vielen Jahrzehnten Weihnachtsstimmung verbreiten. Nach der kurzen Zeremonie gibt es Licht in den Geschäften und die Läden sind wieder geöffnet und bleiben an diesem Abend mindestens bis 21 Uhr offen. Kunden und Gäste sind eingeladen, einen Rundgang zu machen.

Da und dort können Sie ein spezielles Schaufenster entdecken, denn einige wurden eigens für diesen – feinen Adventsauftakt gestaltet und werden nach der Feier eröffnet. Sie waren im Hinblick auf das besinnliche Zusammenkommen für eine gewisse Zeit abgedeckt. Dabei kommt vielleicht etwas Überraschendes oder Zusätzliches zum Vorschein, das die Aktion «sanfter Advent» bereichert, für eine begrenzte Zeit bestehen bleibt oder durch die Weihnachtszeit begleitet.

Wir freuen uns auf Ihr Dabeisein!

Illu __sanfter Advent__ sw ok

Kanadakrimikunst

Kiefern

Im beschaulichen Dorf Three Pines macht sich Unbehagen breit: Mitten auf dem Dorfplatz steht eine schwarz verhüllte Gestalt, bewegungslos und stumm. Dann wird eine Leiche gefunden. Armand Gamache, Polizeichef von Québec und Wochenendaufenthalter in Three Pines, schaltet sich in die Ermittlungen ein. Und er muss dabei mit Samthandschuhen vorgehen, will er die zweijährige verdeckte Operation, bei der er alles, alles aufs Spiel setzt, nicht gefährden.

Dorfkrimi, Actionthriller, grosse Politik und internationaler Drogenhandel, Gerichtsdrama, Rachefeldzug und und und … in der Geschichte «Hinter den drei Kiefern» laufen zwischen zwei Buchdeckeln eine Menge unterschiedlicher Krimifäden zusammen. Und es funktioniert tadellos. Meine Krimiempfehlung für den Winter!

Melina Cajochen

Louise Penny, Hinter den drei Kiefern, Kampa Verlag 2018

EINKAUFEN

Novembergedicht

NACHTS, ALLEIN
ein kriminalgedicht

schritte ..
es sind schritte!

schritte, schritte ..
schritte sind es nicht –

schritte, schritte, schritte ..
sind es nicht schritte?!

schritte, schritte, schritte, schritte ..
schritte sind es!!

gerhard rühm

Aus: konkrete poesie, Reclam Verlag 2018.

Bald – Lesung auf Französisch und Deutsch

Donnerstag 25. Oktober 2018, 19 Uhr, Bibliothek des Gymnasiums St. Antonius

jamessacre

James Sacré trägt seine Gedichte vor. Und wir hören zu und trinken ein, zwei Glas Wein und Wasser. Wir freuen uns auf französisch-deutsche Inspirationen!

Ohne Anmeldung, Eintritt frei, mit Apéro.

Lesen im Fenster, schau!

lesenimfenster_bild.jpg

Ein Schaufenster
voll mit Büchern
und ein freier Sessel für Sie

 

Wählen Sie ein Buch aus, lesen Sie 30 Minuten in unserem gemütlich eingerichteten Schaufenster, bei einer Tasse Tee oder Kaffee, und nehmen Sie Ihr Buch mit nach Hause!

Von Jung bis Alt – Im November von Montag bis Sonntag jeden Nachmittag zur vollen Stunde. Gerne mit Anmeldung.

 

 

Merci …

… pour la visite, Delphine!

Plakata4_web

 

Oktobergedicht

von draussen
beim blick nach innen
wackelt jeder finger
der eingang trägt lange hosen
und hängt rum
keine antithese
alles erlaubt
in liebe und auslese
aber nimm dich in acht, baby
vor zuneigung bei verhüllten fenstern
und denk dran zigaretten
mitzubringen
denn du könntest
sehr leicht zu dem schluss kommen
dass ein draussen
noch weiter hinausführt
und ein innen
einfach zum anderen

Bob Dylan

Aus: Bob Dylan, Planetenwellen. Gedichte und Prosa, Hoffmann und Campe 2017

Wie ich auf die Welt kam

Selten habe ich mich über eine literarische Neuentdeckung so sehr gefreut, wie über Irena Brežnás Buch «Wie ich auf die Welt kam – In der Sprache zuhause», kürzlich erschienen im Rotpunktverlag. Geboren 1950 in der Tschechoslowakei, gehörte sie zu den 13 000 Tschechoslowaken, denen der Schweizer Bundesrat 1968 Asyl gewährte. Kaum angekommen in der Schweiz, stürzte sie sich in das Erlernen der neuen Sprache und begann wenig später ihr Studium in Slawistik, Philosophie und Psychologie an der Universität Basel. Ziemlich schnell musste die damals 18jährige feststellen, dass es Länder gibt, «wo man sich durch Schlagfertigkeit und Sprachfarbe die Gunst des Gastlandes sichert, in der Deutschschweiz aber sind die Fremden eher willkommen, wenn ihre Sprache farblos und gebrochen ist. Ein allzu glattes Hochdeutsch wird als Überlegenheitsgebärde dechiffriert. In Dialekt hinkende Fremde sind willkommener als die auf Hochdeutsch tänzelnden.» Irena Brežnás Fremdsprachenbegeisterung hat diese und ähnliche Entdeckungen nicht aufgehalten, sondern vielmehr angespornt: «Die sprachliche Unvollkommenheit gar als Vorteil für Neuschöpfungen zu nützen, blieb eine überwältigende Entdeckung. Als ich den Sprachwechsel vollzog, gab es keine «Migrantenliteratur» und ich kann mich nicht erinnern, von jemandem zum Schreiben in der fremden Sprache ermutigt worden zu sein.»  Und so versammelt der vorliegende Band wunderbar poetisch geschriebene literarische Reportagen aus verschiedenen Stationen in ihrem Leben. Erschütternd sind die Erzählstücke aus Krisengebieten wie Tschetschenien, in denen sie als Kriegsreporterin unterwegs war, spannend ihre genauen Beobachtungen zur politischen Lage in Weissrussland oder der Slowakei und nie, und dafür bin ich besonders dankbar, schreibt sie im Sinne einer oberflächlich «engagierten Literatur». Dafür sind ihre Reflexionen, die Auseinandersetzung mit dem Heimatsbegriff und der Fremdheitserfahrung, die in allen Reportagen anklingen zu tiefgründig, persönlich und durchdacht. Ihre Rolle als Chronistin nimmt sie ernst, denn «wenn Vergangenes und Jetziges klar beim Namen genannt wird, wird die Zukunft ein aufrichtiges Antlitz haben».

 

Anna-Lena Fässler

Brezna.JPG

direkt bestellen im Internet-Shop

Bücherabo für Entdeckerinnen und mutige Leser

Persönlich ausgewählt, nach Ihren Wünschen gestaltet, überraschen wir die Abonennt*in mit einer Neuheit aus unserem Sortiment.

Handstand-A6

 

1 Jahr jeden Monat 1 Buch (für 360 Fr., mit Versand 420 Fr.)
oder
1 Jahr jeden zweiten Monat 1 Buch (für 180 Fr., mit Versand 210 Fr.)

 

 

MannimBad-A6_V2

Verweilen zwischen Zeilen … zum Verschenken an Ihre Liebsten,
Freunde und Verwandten.

Howto-A6

 

Ein Abo machen? 071 787 29 30

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Ja, Ja, JA!

 

buck

„Das Buch der vergessenen Artisten“ von Vera Buck, weil sie mit wunderbar frischer Sprache ganze Lebens- und Zeiträume erfasst. Wunderbare 746 Seiten in 998 Gramm.

 

harati

„Die Katze und der General“ von Nino Haratischwili, weil sie unser Zeitungswissen über Tschetschenien und Georgien aufpolstert. Köstliche 763 Seiten in 814 Gramm.

 

krechel

„Geisterbahn“ von Ursula Krechel, weil sie uns zurückhaltend und nah dran auf eine Fahrt durch hundert Jahre Geschichte schickt. Leckere 638 Seiten in 794 Gramm.

 

INTERNET-SHOP