Starke Bücher für Kinder gross und KLEIN

Unser Laden ist ein Überraschungsei. Voll mit tollen, frischen Neurescheinungen für jede Lese- und Lebenslage. Umso besser und schöner, können wir endlich wieder ganz für euch da sein – wir haben euch vermisst!

Maria Riss hat schon ein paar Perlen raussortiert..

Judith Kleinschmidt: Sofabanditen oder die verrückte Befreiung der Hühner

Ada ist 9 Jahre alt. Sie hat sich selten dermassen mies gefühlt wie an diesem Morgen. Der Umzugswagen steht vor der Tür, vollbepackt mit Möbeln. Ada will nicht umziehen, sie liebt ihr Zimmer und sie wird am neuen Ort noch mehr Mühe haben, Freundschaften zu knüpfen. Ihre Eltern suchen die letzten Habseligkeiten zusammen, während Ada schon mal in den Umzugswagen klettert. Was sie da allerdings sieht, verschlägt ihr erstmal die Sprache. Ein Schaf sitzt am Steuer, mit einer grossen Zigarre im Mundwinkel. Es grinst Ada an und meint: «Ich bin Lilli. Lust auf ein richtiges Abenteuer?» Bevor Ada antworten kann, gibt das Schaf Gas und fährt los, raus aus der Stadt. Schaf Lilli hat eine Mission, es will die Hühner einer riesigen Farm befreien und Ada soll ihr dabei helfen. Was Ada an der Seite des tollkühnen Schafs erlebt, das wird ihr später wohl niemand je glauben. Ada fühlt sich neben Lilli aber plötzlich unheimlich stark und sie erlebt, dass man Dinge verändern kann, auch wenn dies zuerst unmöglich erscheint. Nach einer Fahrt voller Überraschungen und komischer Zufälle kommt schliesslich wirklich alles gut: Ada und ihre Eltern ziehen in ein altes Haus, wo es genug Platz für Schafe und Hühner gibt. Hier kann Ada nicht nur mit ihrer heissgeliebten Lilli zusammenleben, sondern sie lernt auch den gleichaltrigen Pepper kennen, der bald zu einem treuen Freund wird.

Judith Kleinschmidt hat ein witziges und vor allem spannendes Buch geschrieben. Viele Kinder werden sich in Ada wiederfinden, dieser anfangs miesepetrigen Heldin, die sich aber im Lauf der Geschichte so sehr verändert, mutiger wird, endlich über ihre Sorgen reden kann und lernt, sich für ihre Bedürfnisse zu wehren. Die Geschichte ist ziemlich schräg, aber das ist ja gerade das Wunderbare an Geschichten, dass darin Unmögliches passieren kann. Das Buch ist gleichzeitig aber auch berührend, weil es von einem Mädchen erzählt, das es momentan nicht eben leicht hat und ganz dringend Unterstützung braucht – auch wenn diese von einem verrückten Schaf kommt. Ein Lese- und Vorlesevergnügen, illustriert mit vielen grossartigen, schwungvollen Bildern für Kinder ab etwa 9 Jahren.

hier bestellen und loslesen!

Malin Klingenberg: Elchtage

Nach den langen Sommerferien ist alles anders. Johannas beste Freundin Sandra verbringt ihre Freizeit lieber mit den beliebtesten Mädchen der Klasse, interessiert sich nur noch für Nagellack, schicke Klamotten und Jungs. Johanna vermisst die wunderschönen Tage mit Sandra im Wald, wo sie früher zusammen so viel Zeit in ihrer selbstgebauten Hütte verbracht haben. Jetzt ist Johanna stets alleine in der Waldhütte. Stundenlang beobachtet sie dort die Tiere und eines Tages, da kommen sie: zwei riesige Elche. Ganz nah ist Johanna ihnen und das ist zum Fürchten schön. Mit jedem Tag traut sich Johanna näher an die Tiere heran und bald kann sie die Elche sogar streicheln. Die Elche im Wald, das soll vorderhand Johannas Geheimnis bleiben. Es hilft ihr, sich in der Schule gegenüber Sandra abzugrenzen und all die doofen Sprüche zu ignorieren. Im Wald lernt sie eines nachmittags Six kennen. Einen geheimnisvollen Jungen, der ihre Leidenschaft für diese imposanten, eindrücklichen Tiere teilt. Die beiden verbringen viele Stunden zusammen im Wald und verstehen einander ohne grosse Worte. Six erzählt ihr von den Elchjägern, die sich in der Gegend herumtreiben. Bald ist der Zwist mit Sandra zweitrangig, es geht nur noch darum, gemeinsam mit Six die geliebten Elche zu retten.

«Elchtage» ist das erste Jugendbuch der finnischen Autorin Malin Klingenberg. Wunderbar zart und einfühlend erzählt sie davon, was es heisst, erwachsen zu werden und diese schwierige Zeit der Veränderungen zu durchleben. Die Geschichte erzählt aber auch davon, was im Leben wirklich wichtig ist und wofür es sich zu kämpfen lohnt. In einer klaren, schlichten Sprache ist es der Autorin zudem wunderbar gelungen, die erste zarte Liebe zwischen Johanna und Six zu Papier zu bringen. Die Geschichte ist spannend und berührend zugleich und wird wohl hauptsächlich Leserinnen ab etwa 11 Jahren begeistern.

klick zum Buch!

Lauren Wolk: Echo Mountain

Die Geschichte spielt im US-Bundesstaat Main, im Jahr 1934. Ellies Familie ist nach dem Börsenkrach völlig verarmt und musste aufs Land ziehen. Hier leben sie nun in einer armseligen, einfachen Hütte, ohne Geld und Habe, immer begleitet von der Angst vor Krankheiten und Hunger. Als Ellies Vater nach einem schweren Unfall im Koma liegt, weiss Ellie, dass sie irgendetwas unternehmen muss. Sie kann nicht wie ihre Mutter und Schwester ständig am Bett sitzen und darauf warten, dass ihr Vater ins Leben zurückkehrt. Ellie liebt die Natur, das Leben draussen. Sie weiss, wie man Honig aus einem Bienenstock holt und wo man die meisten Fische fängt. Sie kennt sich mit Kräutern und wilden Tieren aus. Immer wieder wird sie von ihrer Mutter aber zur Hausarbeit gezwungen, Ellie soll daheim bleiben, ihrem Vater vorlesen und sich endlich wie ein anständiges Mädchen benehmen. Ellie widersetzt sich, sie muss einfach raus und nach irgendeiner Lösung suchen, auch wenn ihre Mutter sie immer wieder dafür bestraft. Auf ihren Streifzügen durch die Natur lernt Ellie Cate kennen. Cate, die als Hexe verschrien ist und mutterseelenallein oben auf dem Berg wohnt. Cate kennt sich aus mit Krankheiten, sie weiss Bescheid über Kräuter, Blutegel und andere Heilmethoden. Aber Cate braucht selber Hilfe, sie hat eine schrecklich tiefe, eiternde Wunde am Bein. Ellie handelt, sie setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um ihrem Vater und auch Cate zu helfen. Da ist es gut, dass sie Larkin kennenlernt, Cates Enkel, der genau so stur ist wie sie selber und verbissen an ihrer Seite kämpft. Die beiden tun dies alles nicht nur, um das Leben zweier Menschen zu retten, sie wollen auch ein Zeichen gegen Vorurteile und Verleumdungen setzen, denn nur, wenn alle zueinander halten, können die Menschen in dieser Wildnis überleben.

Einmal mehr ist Lauren Wolk ein wunderschöner, spannender und berührender Roman geglückt. Sie erzählt von einem mutigen, willensstarken Mädchen, das Vieles besser weiss als die Erwachsenen und das man sich von der ersten Seite an zur Freundin wünscht. Die Geschichte begeistert vor allem durch die so gelungene Beschreibung der Figuren und deren warmherzige, feinfühlige Beziehung zueinander. In einer wundervoll umsichtigen Sprache schreibt die Autorin über Wahrheit und Lüge und deren moralische Einordnung, über Vorurteile und in Folge letztlich über Mut und Gerechtigkeit. Das wundervolle Buch findet hoffentlich möglichst viele jugendliche Leserinnen und Leser und sei auch Erwachsenen wärmstens empfohlen.

Bereit loszulesen?

Juli Zeh: Socke und Sophie. Pferdesprache leicht gemacht

Wie viele andere Mädchen träumt die etwa 9-jährige Sophie von einem eigenen Pferd oder Pony. Und es geht ihr nicht besser als den meisten anderen Mädchen auch: Die Eltern sind strikte dagegen und dies nicht nur wegen der fehlenden Finanzen. Aber dann geht für Sophie doch noch ein Türchen auf, sie darf Pony Socke als Pflegepferd übernehmen. Was Sophie zu Beginn nicht weiss, dieses Pony wurde früher schwer misshandelt und hat jegliches Vertrauen in Menschen verloren. Wenn es Sophie nicht gelingt, das Pony in nützlicher Frist zu reiten, wird es weggegeben, vielleicht droht sogar der Schlachthof. Jede freie Minute verbringt Sophie nun auf dem Reiterhof und oft genug gibt es auch gefährliche Situationen, weil Socke einfach nicht verstehen will, was Sophie beizubringen versucht. will. Sophie wird bewusst, dass sie unbedingt die Sprache des Ponys lernen muss, und dies so schnell wie möglich. Sie hat sich das niemals so schwierig vorgestellt und sie braucht ihre ganze Kraft für dieses Vorhaben. Aber dann wird sie für ihre immense Geduld und ihren Durchhaltewillen belohnt: Sophie versteht eines Tages Sockes Sprache so gut, dass sie auf seinem Rücken reiten darf. Langsam zwar, aber mit einem unbeschreiblichen Glücksgefühl in ihrem Bauch.

«Socke und Sophie» hebt sich wohltuend von den meisten gängigen Pferdebüchern für Mädchen ab, die oft so viele Klischees bedienen. Der richtige Umgang mit Pferden will gelernt sein, es braucht mehr dazu als ein paar schicke Reitstiefel und einige Reitstunden auf dem Hof. Pferde sind keine niedlichen

 Spielzeuge, sie haben einen starken Willen und natürliche Instinkte, deshalb brauchen sie Menschen, die ihre «Sprache» verstehen genauso wie eine sehr intensive Pflege. Dies wird auch erwachsenen Lesenden, die kaum Wissen und Erfahrung auf diesem Gebiet mitbringen, bei der Lektüre bewusst. Juli Zeh kombiniert in ihrem Pferdebuch fundiertes Fachwissen mit einer spannenden Geschichte. Das Buch gehört unbedingt in die Bibliothek junger Pferdefans, die meisten von ihnen werden es mit grossem Interesse und Begeisterung lesen.

Lust durch die Seiten zu galoppieren?

Februargedicht

Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
geht es um dich oder ihn.
Dein eignen Schatten nimm
zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruss mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiss deine Pläne. Sei klug
und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.

Mascha Kaléko in „Sei klug und halte dich an Wunder, Gedanken über das Leben“

Das Lesen geht weiter!

Liebe Bücherladenfreunde, liebe Leserinnen und Leser

«…Aber die Buchhandlungen tragen dazu bei, die Folge der Pandemie für die Bevölkerung abzufedern. Wie der Bundesrat zur Einschätzung gelangt, das Buch sei kein Gut des täglichen Bedarfs und dürfe daher nicht mehr vor Ort eingekauft werden, ist nicht nachvollziehbar. Das Buch nährt und hält, es bildet und tröstet–es tut all das, was andere Güter des täglichen Bedarfs ebenso tun, von den Nahrungsmitteln bis zur Schnittblume. Mit dem Buch bauen wir Hürden ab, es ermöglicht uns, unsere Perspektive zu wechseln und uns auf Gemeinsamkeiten zu besinnen.» 

Aus der Medienmitteilung von Tanja Messerli, Geschäftsführerin ad interim des Schweizer Buchhändler- und Verleger Verbandes.

In diesem Sinn sind wir mit voller Energie weiter für Sie da! 

Ab dem 19. Januar wie folgt:

  • Wir beraten Sie gerne telefonisch oder per Mail von Dienstag – Samstag 9 – 14 Uhr
  • Per SMS/Whatsapp 077 484 09 48 – gerne führen wir Sie auch virtuell durch den Bücherladen und zeigen unsere Lieblingsbücher.
  • Bis 14 Uhr können bestellte Bücher an der Abholstation hinter dem Bücherladen/Kanzleiplatz abgeholt werden.
  • Fast alle unsere Bücherstationen sind offen! Oberegg – Bäckerei Bischofberger / Heiden – Bionat / Rehetobel – Volg / Trogen – Schäfli-Laden / Teufen – Böhli Beck / Appenzell – Metzgerei Fässler im Coop
  • Und wir liefern weiterhin in Ihren Milchkasten (AI/AR)
  • Pakete in fernere Regionen versenden wir für einen Unkostenbeitrag von 5 Franken, Bestellungen ab 100 Franken verschicken wir portofrei.

Bleiben Sie gesund, lesefreudig und halten Sie uns die Stange!

Ihr Bücherladenteam

Carol Forster, Vanja Hutter, Anna-Lena Fässler, Maria Riss, Can Tolga

Bücherladen
Hauptgasse 10
CH-9050 Appenzell
Telefon +41 71 787 29 30
www.buecherladen-appenzell.ch

Weiterlesen, Weiterblühen

Wir planen zuversichtlich und tatenfroh unseren „Kleiner Frühling – Grosse Frauen“. Als Auftakt dazu schon im April – Lesung mit Dorothee Elmiger (aus der Zuckerfabrik), moderiert von Marion Regenscheit, am Freitag 9. April 2021 im Bücherladen.

Laufend die neusten Infos unter: Kleiner Frühling

Januargedicht

Omens

I rode to meet you: dreams
like living beings swarmed around me
and the moon on my right side
followed me, burning.

I rode back: everything changed.
My soul in love was sad
and the moon on my left side
trailed me without hope.

To such endless impressions
we poets give ourselves absolutely,
making, in silence, omen of mere event,
until the world reflects the deepest needs of the soul.

after Alexander Pushkin

Vorzeichen

Ich ritt zu dir: Träume
umschwärmten wie Lebewesen mich,
und der Mond zu meiner Rechten
folgte mir glühend.

Ich ritt zurück: alles war anders.
Meine liebende Seele trauerte,
und der Mond zu meiner Linken
zog ohne Hoffnung mir nach.

Solch endlosen Eindrücken
geben wir Dichter zur Gänze uns hin,
verwandeln in Stille zu zeichen blosses Geschehen,
bis die Welt spiegelt, was der Seele Tiefe bedarf.

In: „Averno“, Gedichte Luchterhand 2007

nach Alexander Puschkin

Louise Glück

Weihnachtself und Detektivbüro

Vida und der Weihnachtself

Bjarne Reuter: Vida und der Weihnachtself

Vida und ihr grösserer Bruder Karl fahren am 1. Dezember zu ihrem Opa in den Norden. Und dies, obwohl es so viel Schnee hat, dass kaum noch Züge fahren und obwohl Opa das alte Pferd aus dem warmen Stall holen und an den Schlitten schirren muss, um die beiden vom Bahnhof abzuholen. Abgemacht ist schliesslich abgemacht. Opa wohnt mitten im Wald, er heizt mit Holz und einen Fernseher gibt’s bei ihm auch nicht. Dafür einen grossen Pappkarton, mit dem man spannende Sendungen selber inszenieren kann. Einmal haben sie keinen Strom mehr und ein anderes Mal fällt die kleine Vida vom Pferdeschlitten, ohne dass Opa es merkt! Hinterher ist Vida jedoch froh, dass sie so ganz allein im Wald ausharren musste, denn sonst hätte sie den kleinen Wichtel niemals gefunden. Der Wichtel braucht nämlich Hilfe, weshalb ihn Vida mitnimmt und ihn zu ihren Socken in die Kommode steckt. Einem Wichtel zu helfen, dass er wieder heimfindet, dazu braucht es allerhand magische Dinge: einen Stiefel voller Mondschein zum Beispiel oder einen Wackelzahn mit Gänsehaut. Vida braucht viel Fantasie und auch ein paar Notlügen, um dem kleinen Wichtel zu helfen. Erst an Weihnachten, als auch Mama und Papa endlich im Wald angekommen sind, ist Vida sicher, dass der Wichtel heimgefunden hat. Da hört sie nämlich die Kirchenglocken in der Ferne, die wohl für sie, eine ganz speziell klangvolle Wichtelmelodie spielen.

Bjarne Reuter hat eine bezaubernde, warmherzige Weihnachts- und Wintergeschichte in 24 Kapiteln geschrieben. Besinnlich und zart könnte man die Erzählung auch nennen, stellenweise humorvoll, aber an keiner Stelle kitschig. Dafür ist der Text zu gekonnt verfasst und die Figuren zu einfühlend beschrieben. Auch die Bilder geben diese beschauliche, leicht verträumte Stimmung wieder. Solche Geschichten tun gut zwischendurch, vor allem in diesen für viele so hektischen Tagen im Advent. Ein kostbar gestaltetes Vorlesebuch für die ganze Familie. Kinder ab etwa 5 Jahren werden der Handlung mühelos folgen können und Erwachsene werden sich an der subtilen, bildhaften Sprache erfreuen.

Detektivbüro LasseMaja - Weihnachten in Valleby

Martin Widmark: Detektivbüro Lasse Maja. Weihnachten in Valleby

Valleby ist ein kleines Dorf irgendwo in Schweden. Hier kennen sich alle und in der Mitte des Dorfes steht die grosse Kirche. Lasse und Maja gehen in die gleiche Klasse und haben zusammen ein Detektivbüro gegründet, das mittlerweile im ganzen Ort bekannt ist. Es ist Weihnachten und ausgerechnet heute fällt in Valleby der Strom aus. Lasse und Maja machen sich natürlich sofort auf, um einerseits den Leuten zu Hilfe zu eilen und andrerseits, um die Ursache der Strompanne zu finden und reparieren zu lassen. Natürlich geht das nicht reibungslos und die beiden stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen. Leserinnen und Leser müssen Maja und Lasse deshalb behilflich sein, denn nur, wenn alle Rätsel im Buch gelöst werden, kann es in Valleby ein Weihnachtsfest geben.

Es gibt in dieser Geschichte auf jeder Seite mindestens ein Rätsel, das geknackt werden muss. Da gilt es beispielsweise eine Botschaft in Morsezeichen zu entziffern oder man muss die fehlende Backzutat im Küchendurcheinander finden. Lesende sollen Maja und Lasse helfen, die elektrischen Kabel richtig zu verbinden oder herausfinden, wer sich hinter einer geheimen Botschaft verbirgt. Das Buch ist spannend, leicht lesbar und voll von coolen und doch kunstvollen Bildern. Weil es nicht nur Text zum Lesen, sondern auch viele Rätsel zu lösen gibt, wird das Buch wohl viele Kinder faszinieren. Dass die Handlung mit dem eigentlichen Weihnachtsfest nicht mehr viel zu tun hat, spielt da wohl keine entscheidende Rolle. Für Kinder ab etwa 8 Jahren.

Lasse und Maja, das ist schon lange ein sehr bekanntes Detektiv-Duo, gibt es doch bereits an die 30 Bände aus dieser Reihe.

Maria Riss

Mut zum guten Buch

Weihnachten findet statt und die Bücher gehen uns zum Glück auch nicht aus. Wir BuchhändlerInnen lesen ja die ganze Zeit. Unter anderem darum, um euch die schlechten Bücher zu ersparen, auf Gute zu zeigen und euch das Beste vom Besten nicht vorzuenthalten. Quasi direkter Weg zum passenden Buch, zugeschnitten auf Laune, Lebensabschnitt und Wünsche. Wir lieben es, euch bei der Qual der Wahl zum guten Buch beizustehen und mit euch über Gelesenes zu reden. Immer wieder entdecken wir so auch ganz Neues. Eines meiner nun Lieblingsbücher „die hundert Brüder„, habe ich unlängst im Bücherladen empfohlen bekommen – danke!

So haben wir unser Schaufenster und „Baum“ geschmückt – unsere liebsten Bücher hängen dort schön eingepackt und inkognito. Warum nicht etwas Überraschung reinbringen, haben wir gedacht. Ein kleiner, feiner Beschrieb gibt eine Richtung an, welchen Geschmack es trifft – Titel wird nicht verraten. Schnapp dir ein Buch, für wen auch immer – Schwester, Freund, Kind oder dich selbst!

Wer auf den Geschmack kommt, kriegt von uns auch Überraschungen durch das ganze Jahr. Mit unserem Bücherabo bekommst du jeden Monat, oder jeden zweiten eine Neuheit aus unserem Sortiment. Speziell ausgewählt, nach deinen Wünschen und natürlich toll verpackt samt handgeschriebener Karte. Mehr Infos mail@buecherladen-appenzell.ch Auch bestens als Weihnachtsgeschenk geeignet für die, welche keine Idee haben oder die Beste.

Gern und bald ich Bücherladen – wir freuen uns auf euren Besuch!

Vanja Hutter

Dezembergedicht

Mondesaufgang

An des Balkones Gitter lehnte ich
Und wartete, du mildes Licht, auf dich.
Hoch über mir gleich trübem Eiskristalle
Zerschmolzen schwamm des Firmamentes Halle;
Der See verschimmerte mit leisem Dehnen, –
Zerflossene Perlen oder Wolkentränen? –
Es rieselte, es dämmerte um mich,
Ich wartete, du mildes Licht, auf dich.

Hoch stand ich, neben mir der Linden Kamm,
Tief unter mir Gezweige, Ast und Stamm;
Im Laube summte der Phalänen Reigen,
Die Feuerfliege sah ich glimmend steigen,
Und Blüten taumelten wie halb entschlafen;
Mir war, als treibe hier ein Herz zum Hafen,
Ein Herz, das übervoll von Glück und Leid
Und Bildern seliger Vergangenheit.

Annette von Droste-Hülshoff

aus „Du gehst so stille“ Der Mond in Bild und Gedicht, Reclam Verlag 2020

Weihnachtsgans mit Schneemann

Wie sich die Weihnachtsgans vor dem Ofen rettete

Wie sich die Weihnachtsgans vor dem Ofen rettete

Wolf, Fuchs und Wiesel wollen in diesem Jahr ein besonders festliches Weihnachtsessen zubereiten. Fuchs macht sich auch gleich mit einem grossen Sack auf die Jagd nach einem geeigneten Braten. Das Abenteuer beginnt, als er mit der Beute zu seinem Bau zurückkehrt. Gans, kaum dem Sack entlassen, schimpft gleich mächtig los. Fuchs solle gefälligst aufräumen, bevor er Damenbesuch erhalte. Fuchs gehorcht und putzt den Bau sauber, so lange bis alles glänzt. Als Wiesel und Wolf eintreffen, macht die Gans ihnen sofort klar, dass man eine Weihnachtsgans zuerst mästen und füttern müsse. Ja, das leuchtet ein. Aber nur Gans kann kochen, sie übernimmt das Kommando in der Küche, lässt die andern Gemüse rüsten und Geschirr spülen. Beim Mau-Mau spielen nach dem feinen Essen gewinnt Gans immer, weil sie halt am besten schummeln kann. Aber so viel Spass, hatten die drei schon lange nicht mehr. Gans übernimmt im Bau auch an den folgenden Tagen das Zepter. Da wird gebastelt und ein Baum geschmückt, da werden Plätzchen gebacken und Tannenzweige aufgehängt. Ein Leben ohne Gans, das können sich Wiesel, Wolf und Fuchs schon bald gar nicht mehr vorstellen. Und mit dem Braten, da warten sie doch lieber noch ein Jahr. Dies auch, weil alle drei keinen Schimmer davon haben, wie man einen solchen Gänsebraten überhaupt gart.  In den Bildern wird deutlich, wie einfallsreich Gans agiert, und wie gerissen sie die andern überlistet. Präzise geben die Bilder nicht nur die verschiedenen Charaktere und Gefühle wider, spürbar wird auch die Stimmung im Fuchsbau, die mit jedem Tag besser und gemütlicher wird, seit Gans hier wohnt. Gans hat Mut, Durchsetzungskraft und ist sehr viel klüger als alle andern, das wird die meisten Kinder begeistern. Das humorvolle und durchaus auch spannende Bilderbuch empfiehlt sich für Kinder ab etwa 4 Jahren.

Schöne Weihnachten, kleiner Schneemann!

Wolfgang Hänel: Schöne Weihnachten, kleiner Schneemann

Die Kinder haben einen wunderschönen Schneemann gebaut – fast. Leider werden sie nicht ganz fertig, weil sie ins Haus gerufen werden, um Weihnachten zu feiern. So steht der kleine Schneemann im Hof, ohne Rüebli-Nase und ohne Hut. Besonders traurig ist er nicht, ihn nimmt es einfach Wunder, was denn dieses Weihnachten eigentlich ist. Er macht sich deshalb auf, um schlauer zu werden. Die meisten Tiere, die er fragt, wissen auch nicht richtig Bescheid. Sie erzählen von Bäumen in Häusern und von extragrossen Hundeknochen. Ein kleiner Hase schenkt dem kleinen Schneemann dafür endlich eine Nase und meint, das mache man an Weihnachten so. Erst ein Eichhörnchen ist genauso neugierig wie er. Gemeinsam wollen sie der Sache auf den Grund gehen. Unterwegs treffen sie weitere Schneemänner, die sich ihnen anschliessen. Beim Haus einer Familie machen sie Halt. Sie schauen durchs Fenster und staunen ob dem Lichterglanz. Natürlich werden sie von den Kindern entdeckt und so kommt es, dass der kleine Schneemann am Schluss nicht nur eine wunderschöne Mütze auf dem Kopf, sondern auch einen wunderschönen, selbstgestrickten Schal um den Hals trägt.

Wolfgang Hänel hat eine fröhliche, unbeschwerte Weihnachtsgeschichte in 24 kurzen Kapiteln geschrieben. Susanne Göhlich hat ebenso heitere Bilder dazu gemalt. Eine unbeschwerte, vielleicht etwas gar niedliche Weihnachtsgeschichte, die aber an keiner Stelle kitschig wirkt. In dieser Zeit tun solche Geschichten zwischendurch ja auch ganz gut. Ein ideales Vorlesebuch für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Maria Riss

Das Flüstern der Bäume

Eine Familie, vier Generationen—schicksalhaft verbunden mit den Wäldern Kanadas.

Dieses Buch ist eine pralle Saga über die Familie Greenwood. Sie beginnt im Jahr 2038 und wird dann rückwärts erzählt bis zu den Urgrosseltern der Waldführerin Jacinda und wieder zurück in die Zukunft.Jacinda Greenwood arbeitet als Naturführerin auf Greenwood Island. Sie weiss nichts über ihre Vorfahren und glaubt, dass der gleiche Namen ein reiner Zufall ist. Eines Tages steht ihr Ex-Verlobter vor der Tür und hat das Tagbuch von Jacindas Grossmutter im Gepäck. Stück für Stück entblättert sich ihre Familiengeschichte. Da ist ihr Vater, ein Zimmermann—den sie leider nie kennegelernt hat. Die Geschichte seiner Mutter Willow, Jacindas Hippie-Grossmutter, die mit ihrem Sohn im VW Bus herumtourt und jeden Baum persönlich schützen möchte und mit dem Erbe der Greenwods nichts zu tun haben möchte. Und dann ist da Everett, ihr Urgrossonkel-ein Landstreicher, der ein ausgesetztes Baby im Wald findet als er Ahornsirup zapfen will. Everett sitzt 38 Jahre im Gefängnis für einen Mord, den er nicht begangen hat. In dieser Zeit wird Everetts Bruder, der blind ist, zu einem der grössten Holzmagnaten Kanadas.

Was die Greenwoods alle verbindet—ist der Wald. Er bietet Auskommen, ist Zuflucht und Grund für Verbrechen und Wunder, für Unfälle, Entscheidungen, für Opfer und Fehler.

Ein grossartiger Abenteuerroman, Spannungsroman, Familienroman, Naturroman. Ein fliessender Schreibstil, grossartige Dialoge, kurze, abwechselnde Kapitel. Mich hat diese Geschichte vollends in seinen Bann gezogen und dies von der ersten Seite an. Es gibt noch viel mehr Figuren in diesem Buch, pralle Geschichten, die sich wie Jahresringe eines Baumes aneinanderreihen und zusammen ein grosses Ganzes bilden!

Ein grossartiger Schmöker für lange Winterabende!

Carol Forster

Das Flüstern der Bäume“ von Michael Christie, Penguin Verlag

Novembergedicht

Dem kommt es zu

Es ist dann schön, wenn ich Entlegenem
Abgelegtem Geäussertem

als Zukunft
Leben geben kann

wir mir ja nicht selbst

und Leben eben
nicht draussen

rauben es will.

12.10.14

Elke Erb, Das ist hier der Fall, Suhrkamp Verlag 2020

Frisch aus Island..

Wir freuen uns, das Lesen geht weiter! Unter Einhaltung des angepassten Schutzkonzeptes, laden wir euch herzlich zu dieser Reise nach Island ein. Kalmann hat sich bereits in unsere Herzen geschrieben. Ein Held von grosser Poesie und nützlichem Wissen, zum Beispiel : die beste Fangtechnik von Gammelhai.

Auf bald und gern, das Bücherladenteam

On the road again

Lesen kann man zum Glück immer und überall! Wir bringen eure Bücher weiterhin gerne nach Hinterkau, Vorderhaslen und Eggerstanden. Zweimal die Woche beliefern wir nebst unseren Bücherstationen (Bühler, Teufen, Trogen, Heiden, Rehetobel, Oberegg) auch jeden Haushalt in Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden. Am Liebsten bedienen wir euch natürlich immer noch im Bücherladen an der Hauptgasse – telefonisch und per Mail sind wir mit unseren persönlichen Tipps und sonstigen Bücherwünschen aber weiterhin für alle Inhäusigen da.

Unser Internet-Shop hat Tag und Nacht geöffnet.

Ihr möchtet dem Weihnachtseinkaufstrubel entgehen? Wir stellen gerne nach Wunsch oder aber auch als Überraschung Geschenkpakete für Mütter, Nichten, Onkel, Grossmütter und die ganze Familie zusammen.

Wir freuen uns, mit euch in Kontakt zu bleiben!

Euer Bücherladenteam

Carol Forster, Anna-Lena Fässler, Vanja Hutter, Can Tolga, Maria Riss

Alles begann mit einem Schwur

Viel zu lange blieb der deutschsprachigen Welt dieser chinesische Epos aus der Feder des Autoren Jin Yong verwehrt, obwohl dieses monumentale Werk zusammen mit Büchern wie «Der Herr der Ringe» zu den Grundsteinen des Genres Fantasy gehört.
Dieser erste Band der Serie begeistert nicht nur in seinem Überfluss an gelungenen Charakteren, sondern entführt den Lesenden in eine Welt, in der das Alte China mit der fantastischen Welt der Wulin verschmilzt. Diese stolzen, schrulligen und ehrbaren Meister des Kung-Fu, mit ihren geheimnisvollen Kräften und geheimen Lehren werden auch «Genre-Neulinge» in ihren Bann ziehen.

Alles begann mit einem Schwur.
Ein Schwur der ewigen Bruderschaft zweier Meister der Wulin, die kurz vor der Geburt ihrer Söhne gemeinsam den Tod finden. Der Schwur aber soll das Leben der Meister überdauern und auch für ihre Söhne gelten, welche noch in den Bäuchen ihrer Mütter getrennter Wege gehen.
Einer dieser Söhne mit Namen Guo Jing wächst zusammen mit seiner Mutter in der mongolischen Steppe, im engsten Kreise des jungen Dschingis Khan auf. Dort beginnt seine abenteuerliche Reise in die Welt der Kung-Fu Meister, die das gespaltenen Kaiserreichs zum Erbeben bringen. In eine Welt die von Stolz, Ehre und Redlichkeit geprägt wird. Guo Jing, dessen loyale und friedfertige Natur nicht immer ganz seinen trägen Verstand wettmachen, findet sich auf einmal, ohne zu wissen wie ihm geschieht, in Gesellschaft der Grössten Meister der Wulin wieder.
Unfreiwillig verstrickt in Machenschaften, die ihn bis zum Kaiserpalast führen, begegnet er sagenumwobenen Gestalten, dem gemeinen Volk und Schritt für Schritt auch seinem Schicksal.

Jin Yong gelingt es, seine Leser mit Leichtigkeit durch ein komplexes Geflecht aus Charakteren und Vorkommnissen zu führen. Ohne Anstrengung befindet man sich auf einmal mittendrin im Geschehen, lacht, schaudert und bangt zusammen mit dem gutmütigen, dussligen Helden und seinen Freunden mit. Eine perfekte Lektüre für lange Wintertage an denen man sich sehnt, einfach abtauchen zu können.

Can Tolga

Bestellen und loslesen : „Die Legende der Adlerkrieger“ von Jin Yong, Heyne Verlag, 2020

Wie die Blätter fallen

Es ist ein bunter Bücherherbst, unermüdlich rascheln Neuerscheinungen in unseren Bücherladen. Langersehntes, Überraschendes und Unentdecktes.

Das man nicht alles lesen kann, ist eine schmerzliche Wahrheit, der frau sich besonders als Buchhändlerin täglich aufs Neue stellen muss. Was also lesen? Was weglassen? Was gibt Richtung und Entscheidungshilfe dieser Fülle beizukommen? Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Konsequent nur Bücher über 500 Seiten lesen. Ein gesamtes Verlagsprogramm durchbeissen. Nur Autor*innen lesen mit Jahrgangsquersumme 7 – oder umgekehrt.

In diesem Herbst habe ich mich für das Farbspektrum Blau-Violett-Rosa-Rot entschieden. Erleichtert durch die Einschränkung, konnte ich entspannt und fast ohne Angst etwas zu verpassen, in ein wunderbares Spektrum an Welten eintauchen, und immer wieder beglückt nach Luft schnappen.

Hier möchte ich euch einige Glücksgriffe – in farblicher Reihenfolge – nicht vorenthalten.

Joachim Meyerhoff – Hamster im hinteren Stromgebiet – gelbe Schrift auf Dunkelblau

Hat hier jemand das Glück diesen Autor noch nicht zu kennen? Anders gefragt, hat jemand des Glück ihn schon zu kennen? Immer wenn ein neues Buch von Joachim Meyerhoff erscheint, scheint plötzlich die Sonne.
Hier haben wir bereits den fünften Teil seiner Autobiographie – und das mit knapp fünfzig. Seine Bücher tragen wunderschöne Titel wie „Wann wird es endlich wieder so wie es nie war“ oder „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ oder „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“. Auch der neue Titel „Hamster im hinteren Stromgebiet“ ergibt beim Lesen plötzlich Sinn. Alle seine Bücher erzählen aus verschiedenen Lebensetappen und was diese verbindet, ist das Leben, dass (bei Herr Meyerhoff vielleicht besonders) immer gleichzeitig Komödie und Tragödie ist. Er hat ein absolutes Gespür diese Gegensätze zu verbinden und ist ein brillanter Fabulierer. Er zelebriert das Scheitern und die eigenen Unzulänglichkeiten (in allen Bereichen). Und zwar so gut und gelungen, dass man es schier mit Erfolg verwechselt und es einen zutiefst anheimelt. Seine Figuren leben von einer Komik und der darunter liegenden Wahrhaftigkeit.
Sein neustes Buch erzählt von seinem neusten, vielleicht einschneidensten, Kapitel aus seinem Leben. Mit 51 erfährt der Schauspieler einen Schlaganfall, der sein Leben radikal in eine andere Perspektive rückt.

Mit seiner ausgefeilten Sprachakrobatik turnt er auch durch diese existenzielle Thematik und die verschiednenen Tränenarten fliessen ineinander.

Jane Gardam – Robinsons Tocher – gelbe Schrift auf hellerem Blau, Gischt

Jane Gardam hatte einst meinen romantischen Traumberuf: reisende Bibliothekarin in so einem schönen alten Bus. Heute ist 92 Jahre alt, schreibt und lebt in England.

Im Alter von 43 Jahren veröffentlichte sie ihr erstes Buch, doch im deutschsprachigen Raum ist sie erst 2015 richtig angekommen, endlich und Gott sei Dank! Mit der Romantrilogie «ein untadeliger Mann» hat sie sich in viele Herzen geschrieben.
Dies überhaupt möglich gemacht, hat die Autorin Isabel Bogdan, die bis jetzt jedes Buch von Jane Gardam übersetzt hat. Die Unmöglichkeit ein Buch zu übersetzen hat sie definitiv überwunden und trifft den raffinierten, klugen und witzigen Ton der Autorin zwischen den Zeilen.

Das neue Buch von Jane Gardam ist somit aus dem Jahr 1985 und darin zeitlos. Wir tauchen ein ins England 1904 und unsere Heldin ist Polly Flint, sechs Jahre alt und bereits auf der Schwelle eines neuen Lebens. Ihr Vater ist ein Seemann und damit meist abwesend, ihre Mutter ist kurz nach der Geburt gestorben. Nun soll Polly zu ihren frommen Tanten ins gelbe Haus am Meer ziehen. Es ist windig und unwirtlich und auch das Leben mit den Tanten ist geprägt von Kargheit, pragmatischen Handgriffen und religiösen Beschäftigungen. Es gibt kaum Unterhaltung, doch es gibt Bücher. Und lesend entwickelt sich die junge Polly zu einer unabhängig denkenden Frau, einer stillen unbeugsamen Rebellin. Besonders ein Buch Robinson Crusoe. Es dient ihr als Kompass für alle Lebenslagen. Denn auch sie sieht sich auf einer einsamel Insel. Die Brücken in sich selbst und zu anderen Inseln, anderen Menschen aufzuspüren ist Jane Gardam‘s grosse Gabe. Ihre Figuren erschafft sie prägnant und mit grosser Zärtlichkeit. Ihre Gabe, Situationen einzufangen, den Witz und die Treffsicherheit darin, ist etwas vom Wunderbarsten.

Wir begleiten Polly Flint bis fast an ihr Lebensende, als alte Frau – das fast ein ganzes Jahrhundert umspannt. Ein Lebensweg, auf dem sie Liebe, Enttäuschung, Depression, rettende Freundschaft kennenlernt und ihre Bestimmung finden wird.

Ein beglückendes Buch, ein unverkennbarer Tonfall und ein grosser Trost auf das Inseldasein.

Ronya Othmann – die Sommer – wir geraten in blauviolette Spähren

Eins der beeindruckensten Bücher in diesem Herbst heisst „die Sommer“ und geschrieben hat es Ronya Othmann. Es ist ihr erstes Buch, aber sie ist ja auch erst 27!
Sie weiss von was sie redet, denn die Hauptfigur Leyla teilt mit der Autorin die gleichen Lebensumstände. Leben in Deutschland mit Wurzeln im syrischen Kurdistan. Jeden Sommer ihrer Kindheit verbringen sie im kleinen Dorf, nahe an der türkischen Grenze, der Heimat des Vaters.

Im ersten Teil des Buches reisen wir Sommer für Sommer mit Leyla zu ihren Grosseltern, Cousinen, Tanten und Onkeln. Der Gegensatz zu ihrem „normalen“ Leben ist gross. Man ist nie alleine in einem Raum, das Leben ist geprägt von Natur und dem Alltag für das Leben zu sorgen. Leyla fühlt sich dort zuhause, ja heimisch bei der allwissenden Grossmutter und ist zugleich auch immer wieder fremd, denn sie ist ja doch die aus Alemania, die noch ein anderes Leben lebt. In Deutschland ist es andersrum und genauso, man fragt sie warum sie denn nach Sibiren geht, wenn sie von Syrien spricht. Das Gefühl, dass die beiden Welten auseinanderdriften, wächst in ihr stetig heran.

Das Leben ihrer Familie in Kurdistan ist seit Generationen geprägt von Flucht, Unterdrückung und Gewalt. Eine Minderheit, ein Volk dass immer mehr von Auslöschung bedroht ist. Die Geschichte dahinter, die politische und auch die persönlichen Schicksale erfahren wir durch verschiedene Figuren erzählt. Ronya Othman gelingt es mit einer Sprache, die gleichzeitig distanziert und darin eine Lebendigkeit und Emotionalität entwickelt, die Vielschichtigkeit von Zugehörigkeit und Heimat aufzuspüren.

Im zweiten Teil darf Leyla nicht mehr nach Syrien reisen, es herrscht Bürgerkrieg. Nur noch aus Medienschlagzeilen erfahren wir von den Gräueltaten und haben dabei bereits eine neue Perspektive eingenommen. Denn nun kennt auch die Leserin die Menschenleben, die sich dahinter ausbreiten.

Das Buch wirft hochaktuelle Themen und Fragen auf und schafft was Literatur eben kann – es macht betroffen und involviert und eröffnet eine neue Perspektive. Mit ihren Texte möchte Ronya Othmann fast Verlorenes konservieren und Geschichten aus einer in Europa bisher wenig berücksichtigten Perspektive erzählen. Und das gelingt ihr atemberaubend.

Candice Carty-Williams, Queenie, und ein entschiedenes Pink!

Ein Buch, welches mich brutal mitgenommen und auf den letzten Seite so glücklich gemacht hat heisst: „Queenie“, geschrieben von Candice Carty-Williams und in London ein Furorebuch.

Queenie ist der Star des Buches – eine junge jamaikanische Britin, die in der Liebe und dem Leben gerade gar kein gutes Jahr hat. Startschuss für die Geschichte gibt ihr Freund, er trennt sich abrupt, bzw. verlangt nach einer schwammigen Pause ohne grosse Erklärung.

Queenie muss ausziehen und ihre Welt bricht zusammen. Sie verliert den Boden unter den Füssen und braucht das ganze Buch, bis sie ihn wieder spürt. Der Freund, die Trennung ist nicht das eigentliche Problem. Vielmehr ein Auslöser, der Schieflagen aufgedeckt und einen Prozess möglich macht. Es ist sehr hart zuzulesen, wie Queenie eine schlechte Entscheidung nach der anderen trifft. Sie verliert sich komplett im Verlust und Schmerz, sucht vergeblich Trost auf Datinplattformen und verfehlt ihre eigenen Bedürfnisse präzise. Auf verschiedenen Ebenen kann sie sich nicht liebevoll und stärkend begegnen und der lange verinnerlichte Glaubenssatz „ich bin nicht genug“ prägt ihren Lebensalltag.

Oft kriegt sie zu hören, sie sei zu laut, zu empfindlich – wenn zum Beispiel der Onkel ihres weissen Freundes einen rassistischen Witz macht und sie sich wehrt: „war doch nicht so gemeint, entspann dich!“

Das Buch ist sehr politisch – Was heisst es heute als junge schwarze Frau in London zu leben? Die Alltäglichkeit von Rassismus, in seiner Beiläufigkeit und Subtilität ist unmittelbar spürbar. Als Gegensatz zur schwerwiegenden Thematik steht der leichtfüssige, spritzig-freche lustige Ton, der diese Lektüre zu einem Lesevergnügen par excellence verzaubert. Man braucht kein Buchzeichen – es liest sich in einem Zug.

Der Weg einer jungen Frau, die in ihre Stärke findet und sich aus Abhängigkeiten und Machtverhältnissen befreit. Eine Geschichte über Freundschaft, nicht zuletzt mit sich selber. Sehr persönlich und zugleich universell, ein Buch das den Blick für Neues, Anderes öffnet und darin Vertrautes wiederfindet.

Paolo Maurensig, Der Teufel in der Schublade, jetzt wird es rot und ein bisschen blutig

Das Buch ist so gut wie es dünn ist – also sehr! Ein auf 128 Seiten komprimierter 736seitiger Schmöcker vom italienischen Autor Paolo Maurensig.

Wie der Umschlag zeigt, es geht um den Teufel, einen Fuchs und eine Schublade. Eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte, bzw. ein einer Schublade in einer Schublade… Der Erzähler, ein Verleger, findet auf seinem Dachboden ein ungesehenes Manuskript, in welchem ein weitere junger Verleger von einer unfassbarer Geschichte erzählt, die ihm wiederum ein Priester berichtet hat.

Dies ist ein beglückender Erzählkniff – denn die Erzähler wechseln sich immer wieder ab und bald stecken wir schon mitten in der Geschichte.

Ein kleines namenloses Dorf in der Schweiz, hier genannt Dichtersruh, wird Schauplatz wahnwitziger Ereignisse. Aushängeschild und Touristenattraktion des Ortes ist ein einstiger Ritt und Übernachtung Goehtes in einem der Gasthäuser. Alle drei im Dorf werben damit und das erfolgreich. Dieser wichtige Besuch hat bis heute Eindruck hinterlassen, denn jede und jeder der Bewohner*innen fühlt sich schriftstellerisch berufen. Dies völlig ohne Ambitionen auf Erfolg – Absagen werden stolz eingerahmt und die Stimmung in der Bevölkerung könnte man als zufrieden bis ausgelassen beschreiben. Bis… Eines Tages ein renommierter Verleger aus Luzern anreist- mit ihm greift auch die Tollwut der Füchse um sich – und der Priester kommt rasch zur Überzeugung: der Teufel höchst persönlich. Allzubald findet die Idee eines Goethe-Preises Anklang und Anlauf von manuskriptbeflissenen Dorfbewohnern, denn der Preis ist nicht gering. Mit der Idylle ist es bald vorbei – das Dorf spaltet sich in die Abgelehnten und die noch nicht Abgelehnten. Ein Spektakel aus Neid, Misstrauen und Gier bahnt sich an und man ist erinnert an „der Besuch der alten Dame“ von Dürrenmatt, „die schwarze Spinne“ von Gotthelf oder eben „Faust“ von Goehte. Ein grosses Lesevergnügen, das nicht zuletzt durch den Erzählkniff angetrieben wird. Durch die verschiedenen Erzähler baut sich bis zur letzten Seite eine Spannung auf und auch die Frage, kann man dem Erzähler trauen, bzw. welchem? kommt nicht zu kurz!

In diesem Sinne, Vanja Hutter

Die Marschallin

Zora del Buono, geboren 1962, ist Architektin, Schriftstellerin und Mitbegründerin des wunderbaren Mare-Verlages, Sie lebt in Zürich und Berlin. Sie hat schon ein paar Bücher veröffentlicht—so zum Beispiel:“ Das Leben der Mächtigen—Reisen zu alten Bäumen“ ( Naturkunden Verlag) und mit diesem lebensprallen Familienroman beschert sie uns nun einen intimen Einblick in ihre eigene Familiengeschichte.

Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer Grossmutter, die ebenfalls Zora del Buono hiess und ihre Familie mit eiserner Hand und viel Weitsicht und zum Teil eigenartigen Ansichten regiert hatte, Insgeheim wurde sie „Die Marschallin“ genannt—frei nach Marschall Tito, den sie glühend verehrte.

Nun aber der Reihe nach:

Die Slowenin Zora lernt ihren späteren Ehemann, den Radiologieprofessor Pietro Del Buono am Ende des 1.Weltkrieges kennen. Sie folgt ihm nach Bari in Süditalien. Die beiden überzeugten Kommunisten führen ein grossbürgerliches Leben in einem von Zora entworfenen Palazzo. Dennoch engagieren sie sich beide für den politischen Widerstand gegen Mussolini. Zora ist herrisch, temperamentvoll, intelligent und begabt. Sie bewundert Josip Broz Tito, dem sie Waffen ins damalige Jugoslawien zu liefern versucht und dem ihr Mann einmal, sogar zweimal, das Leben rettet. Ihre drei Söhne Manfredi ( der Vater der Autorin), Greco und Davide erzieht sie mit strengem Regiment. Die wechselnden Hausangestellten sind ihr selten gut genug. Oftmals sind es Mädchen aus ihrer Heimat Slowenien, die sich um den Haushalt und um die Kinder kümmern. Als die Söhne so um die 17 Jahre alt sind, setzt sie alles daran, diese vom Krieg fernzuhalten. Die künftigen Schwiegertöchter sind ihr allesamt suspekt und die Enkel und Enkelinnen liebt sie mit einer kritischen Distanz.Der Palazzo der Del Buonos ist ein offenes Haus. Ständig gehen Leute ein und aus. Es gibt Abendessen und Einladungen, Freunde der Familie und Familienmitglieder kommen zu Besuch und abendelang wir über Politik,Medizin, Kunst und Kultur diskutiert. Zora ist eine durch und durch faszinierende Frau, die ihr Leben kompromisslos und geschickt gelebt hat.

Am Ende des Buches lesen wir einen eindrucksvollen Monolog der alten Zora—die in einem Altersheim in Slowenien ihren Lebensabend verbringt—über ihr gelebtes Leben. Ihr Mann Pietro hingegen verbringt seine letzten Jahre demenzkrank in Bari in einem Pflegeheim.

Die Marschallin ist eine grandiose Familiengeschichte mit einer zum Teil widersprüchlichen aber durch und durch faszinierenden Hauptakteurin Wir erleben die Geschichte der Familie Del Buono vom Jahr 1919 bis 1948 und dann den Zora-Monolog im hohen Alter im Jahre 1980. Del Buono schrieb man früher mit einem grossen D in Del—was auf eine adelige Herkunft hinweist. Erst die Söhne der kommunistischen Zora haben später das grosse D durch das kleine d ersetzt.

Entdecken Sie die grossartige Autorin Zora del Buono ( mit kleinem d) !

Carol Forster

Loslesen: „Die Marschallin“ von Zora del Buono, erschienen im Beck Verlag 2020