Wie die Blätter fallen

Es ist ein bunter Bücherherbst, unermüdlich rascheln Neuerscheinungen in unseren Bücherladen. Langersehntes, Überraschendes und Unentdecktes.

Das man nicht alles lesen kann, ist eine schmerzliche Wahrheit, der frau sich besonders als Buchhändlerin täglich aufs Neue stellen muss. Was also lesen? Was weglassen? Was gibt Richtung und Entscheidungshilfe dieser Fülle beizukommen? Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Konsequent nur Bücher über 500 Seiten lesen. Ein gesamtes Verlagsprogramm durchbeissen. Nur Autor*innen lesen mit Jahrgangsquersumme 7 – oder umgekehrt.

In diesem Herbst habe ich mich für das Farbspektrum Blau-Violett-Rosa-Rot entschieden. Erleichtert durch die Einschränkung, konnte ich entspannt und fast ohne Angst etwas zu verpassen, in ein wunderbares Spektrum an Welten eintauchen, und immer wieder beglückt nach Luft schnappen.

Hier möchte ich euch einige Glücksgriffe – in farblicher Reihenfolge – nicht vorenthalten.

Joachim Meyerhoff – Hamster im hinteren Stromgebiet – gelbe Schrift auf Dunkelblau

Hat hier jemand das Glück diesen Autor noch nicht zu kennen? Anders gefragt, hat jemand des Glück ihn schon zu kennen? Immer wenn ein neues Buch von Joachim Meyerhoff erscheint, scheint plötzlich die Sonne.
Hier haben wir bereits den fünften Teil seiner Autobiographie – und das mit knapp fünfzig. Seine Bücher tragen wunderschöne Titel wie „Wann wird es endlich wieder so wie es nie war“ oder „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ oder „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“. Auch der neue Titel „Hamster im hinteren Stromgebiet“ ergibt beim Lesen plötzlich Sinn. Alle seine Bücher erzählen aus verschiedenen Lebensetappen und was diese verbindet, ist das Leben, dass (bei Herr Meyerhoff vielleicht besonders) immer gleichzeitig Komödie und Tragödie ist. Er hat ein absolutes Gespür diese Gegensätze zu verbinden und ist ein brillanter Fabulierer. Er zelebriert das Scheitern und die eigenen Unzulänglichkeiten (in allen Bereichen). Und zwar so gut und gelungen, dass man es schier mit Erfolg verwechselt und es einen zutiefst anheimelt. Seine Figuren leben von einer Komik und der darunter liegenden Wahrhaftigkeit.
Sein neustes Buch erzählt von seinem neusten, vielleicht einschneidensten, Kapitel aus seinem Leben. Mit 51 erfährt der Schauspieler einen Schlaganfall, der sein Leben radikal in eine andere Perspektive rückt.

Mit seiner ausgefeilten Sprachakrobatik turnt er auch durch diese existenzielle Thematik und die verschiednenen Tränenarten fliessen ineinander.

Jane Gardam – Robinsons Tocher – gelbe Schrift auf hellerem Blau, Gischt

Jane Gardam hatte einst meinen romantischen Traumberuf: reisende Bibliothekarin in so einem schönen alten Bus. Heute ist 92 Jahre alt, schreibt und lebt in England.

Im Alter von 43 Jahren veröffentlichte sie ihr erstes Buch, doch im deutschsprachigen Raum ist sie erst 2015 richtig angekommen, endlich und Gott sei Dank! Mit der Romantrilogie «ein untadeliger Mann» hat sie sich in viele Herzen geschrieben.
Dies überhaupt möglich gemacht, hat die Autorin Isabel Bogdan, die bis jetzt jedes Buch von Jane Gardam übersetzt hat. Die Unmöglichkeit ein Buch zu übersetzen hat sie definitiv überwunden und trifft den raffinierten, klugen und witzigen Ton der Autorin zwischen den Zeilen.

Das neue Buch von Jane Gardam ist somit aus dem Jahr 1985 und darin zeitlos. Wir tauchen ein ins England 1904 und unsere Heldin ist Polly Flint, sechs Jahre alt und bereits auf der Schwelle eines neuen Lebens. Ihr Vater ist ein Seemann und damit meist abwesend, ihre Mutter ist kurz nach der Geburt gestorben. Nun soll Polly zu ihren frommen Tanten ins gelbe Haus am Meer ziehen. Es ist windig und unwirtlich und auch das Leben mit den Tanten ist geprägt von Kargheit, pragmatischen Handgriffen und religiösen Beschäftigungen. Es gibt kaum Unterhaltung, doch es gibt Bücher. Und lesend entwickelt sich die junge Polly zu einer unabhängig denkenden Frau, einer stillen unbeugsamen Rebellin. Besonders ein Buch Robinson Crusoe. Es dient ihr als Kompass für alle Lebenslagen. Denn auch sie sieht sich auf einer einsamel Insel. Die Brücken in sich selbst und zu anderen Inseln, anderen Menschen aufzuspüren ist Jane Gardam‘s grosse Gabe. Ihre Figuren erschafft sie prägnant und mit grosser Zärtlichkeit. Ihre Gabe, Situationen einzufangen, den Witz und die Treffsicherheit darin, ist etwas vom Wunderbarsten.

Wir begleiten Polly Flint bis fast an ihr Lebensende, als alte Frau – das fast ein ganzes Jahrhundert umspannt. Ein Lebensweg, auf dem sie Liebe, Enttäuschung, Depression, rettende Freundschaft kennenlernt und ihre Bestimmung finden wird.

Ein beglückendes Buch, ein unverkennbarer Tonfall und ein grosser Trost auf das Inseldasein.

Ronya Othmann – die Sommer – wir geraten in blauviolette Spähren

Eins der beeindruckensten Bücher in diesem Herbst heisst „die Sommer“ und geschrieben hat es Ronya Othmann. Es ist ihr erstes Buch, aber sie ist ja auch erst 27!
Sie weiss von was sie redet, denn die Hauptfigur Leyla teilt mit der Autorin die gleichen Lebensumstände. Leben in Deutschland mit Wurzeln im syrischen Kurdistan. Jeden Sommer ihrer Kindheit verbringen sie im kleinen Dorf, nahe an der türkischen Grenze, der Heimat des Vaters.

Im ersten Teil des Buches reisen wir Sommer für Sommer mit Leyla zu ihren Grosseltern, Cousinen, Tanten und Onkeln. Der Gegensatz zu ihrem „normalen“ Leben ist gross. Man ist nie alleine in einem Raum, das Leben ist geprägt von Natur und dem Alltag für das Leben zu sorgen. Leyla fühlt sich dort zuhause, ja heimisch bei der allwissenden Grossmutter und ist zugleich auch immer wieder fremd, denn sie ist ja doch die aus Alemania, die noch ein anderes Leben lebt. In Deutschland ist es andersrum und genauso, man fragt sie warum sie denn nach Sibiren geht, wenn sie von Syrien spricht. Das Gefühl, dass die beiden Welten auseinanderdriften, wächst in ihr stetig heran.

Das Leben ihrer Familie in Kurdistan ist seit Generationen geprägt von Flucht, Unterdrückung und Gewalt. Eine Minderheit, ein Volk dass immer mehr von Auslöschung bedroht ist. Die Geschichte dahinter, die politische und auch die persönlichen Schicksale erfahren wir durch verschiedene Figuren erzählt. Ronya Othman gelingt es mit einer Sprache, die gleichzeitig distanziert und darin eine Lebendigkeit und Emotionalität entwickelt, die Vielschichtigkeit von Zugehörigkeit und Heimat aufzuspüren.

Im zweiten Teil darf Leyla nicht mehr nach Syrien reisen, es herrscht Bürgerkrieg. Nur noch aus Medienschlagzeilen erfahren wir von den Gräueltaten und haben dabei bereits eine neue Perspektive eingenommen. Denn nun kennt auch die Leserin die Menschenleben, die sich dahinter ausbreiten.

Das Buch wirft hochaktuelle Themen und Fragen auf und schafft was Literatur eben kann – es macht betroffen und involviert und eröffnet eine neue Perspektive. Mit ihren Texte möchte Ronya Othmann fast Verlorenes konservieren und Geschichten aus einer in Europa bisher wenig berücksichtigten Perspektive erzählen. Und das gelingt ihr atemberaubend.

Candice Carty-Williams, Queenie, und ein entschiedenes Pink!

Ein Buch, welches mich brutal mitgenommen und auf den letzten Seite so glücklich gemacht hat heisst: „Queenie“, geschrieben von Candice Carty-Williams und in London ein Furorebuch.

Queenie ist der Star des Buches – eine junge jamaikanische Britin, die in der Liebe und dem Leben gerade gar kein gutes Jahr hat. Startschuss für die Geschichte gibt ihr Freund, er trennt sich abrupt, bzw. verlangt nach einer schwammigen Pause ohne grosse Erklärung.

Queenie muss ausziehen und ihre Welt bricht zusammen. Sie verliert den Boden unter den Füssen und braucht das ganze Buch, bis sie ihn wieder spürt. Der Freund, die Trennung ist nicht das eigentliche Problem. Vielmehr ein Auslöser, der Schieflagen aufgedeckt und einen Prozess möglich macht. Es ist sehr hart zuzulesen, wie Queenie eine schlechte Entscheidung nach der anderen trifft. Sie verliert sich komplett im Verlust und Schmerz, sucht vergeblich Trost auf Datinplattformen und verfehlt ihre eigenen Bedürfnisse präzise. Auf verschiedenen Ebenen kann sie sich nicht liebevoll und stärkend begegnen und der lange verinnerlichte Glaubenssatz „ich bin nicht genug“ prägt ihren Lebensalltag.

Oft kriegt sie zu hören, sie sei zu laut, zu empfindlich – wenn zum Beispiel der Onkel ihres weissen Freundes einen rassistischen Witz macht und sie sich wehrt: „war doch nicht so gemeint, entspann dich!“

Das Buch ist sehr politisch – Was heisst es heute als junge schwarze Frau in London zu leben? Die Alltäglichkeit von Rassismus, in seiner Beiläufigkeit und Subtilität ist unmittelbar spürbar. Als Gegensatz zur schwerwiegenden Thematik steht der leichtfüssige, spritzig-freche lustige Ton, der diese Lektüre zu einem Lesevergnügen par excellence verzaubert. Man braucht kein Buchzeichen – es liest sich in einem Zug.

Der Weg einer jungen Frau, die in ihre Stärke findet und sich aus Abhängigkeiten und Machtverhältnissen befreit. Eine Geschichte über Freundschaft, nicht zuletzt mit sich selber. Sehr persönlich und zugleich universell, ein Buch das den Blick für Neues, Anderes öffnet und darin Vertrautes wiederfindet.

Paolo Maurensig, Der Teufel in der Schublade, jetzt wird es rot und ein bisschen blutig

Das Buch ist so gut wie es dünn ist – also sehr! Ein auf 128 Seiten komprimierter 736seitiger Schmöcker vom italienischen Autor Paolo Maurensig.

Wie der Umschlag zeigt, es geht um den Teufel, einen Fuchs und eine Schublade. Eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte, bzw. ein einer Schublade in einer Schublade… Der Erzähler, ein Verleger, findet auf seinem Dachboden ein ungesehenes Manuskript, in welchem ein weitere junger Verleger von einer unfassbarer Geschichte erzählt, die ihm wiederum ein Priester berichtet hat.

Dies ist ein beglückender Erzählkniff – denn die Erzähler wechseln sich immer wieder ab und bald stecken wir schon mitten in der Geschichte.

Ein kleines namenloses Dorf in der Schweiz, hier genannt Dichtersruh, wird Schauplatz wahnwitziger Ereignisse. Aushängeschild und Touristenattraktion des Ortes ist ein einstiger Ritt und Übernachtung Goehtes in einem der Gasthäuser. Alle drei im Dorf werben damit und das erfolgreich. Dieser wichtige Besuch hat bis heute Eindruck hinterlassen, denn jede und jeder der Bewohner*innen fühlt sich schriftstellerisch berufen. Dies völlig ohne Ambitionen auf Erfolg – Absagen werden stolz eingerahmt und die Stimmung in der Bevölkerung könnte man als zufrieden bis ausgelassen beschreiben. Bis… Eines Tages ein renommierter Verleger aus Luzern anreist- mit ihm greift auch die Tollwut der Füchse um sich – und der Priester kommt rasch zur Überzeugung: der Teufel höchst persönlich. Allzubald findet die Idee eines Goethe-Preises Anklang und Anlauf von manuskriptbeflissenen Dorfbewohnern, denn der Preis ist nicht gering. Mit der Idylle ist es bald vorbei – das Dorf spaltet sich in die Abgelehnten und die noch nicht Abgelehnten. Ein Spektakel aus Neid, Misstrauen und Gier bahnt sich an und man ist erinnert an „der Besuch der alten Dame“ von Dürrenmatt, „die schwarze Spinne“ von Gotthelf oder eben „Faust“ von Goehte. Ein grosses Lesevergnügen, das nicht zuletzt durch den Erzählkniff angetrieben wird. Durch die verschiedenen Erzähler baut sich bis zur letzten Seite eine Spannung auf und auch die Frage, kann man dem Erzähler trauen, bzw. welchem? kommt nicht zu kurz!

In diesem Sinne, Vanja Hutter

Die Marschallin

Zora del Buono, geboren 1962, ist Architektin, Schriftstellerin und Mitbegründerin des wunderbaren Mare-Verlages, Sie lebt in Zürich und Berlin. Sie hat schon ein paar Bücher veröffentlicht—so zum Beispiel:“ Das Leben der Mächtigen—Reisen zu alten Bäumen“ ( Naturkunden Verlag) und mit diesem lebensprallen Familienroman beschert sie uns nun einen intimen Einblick in ihre eigene Familiengeschichte.

Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer Grossmutter, die ebenfalls Zora del Buono hiess und ihre Familie mit eiserner Hand und viel Weitsicht und zum Teil eigenartigen Ansichten regiert hatte, Insgeheim wurde sie „Die Marschallin“ genannt—frei nach Marschall Tito, den sie glühend verehrte.

Nun aber der Reihe nach:

Die Slowenin Zora lernt ihren späteren Ehemann, den Radiologieprofessor Pietro Del Buono am Ende des 1.Weltkrieges kennen. Sie folgt ihm nach Bari in Süditalien. Die beiden überzeugten Kommunisten führen ein grossbürgerliches Leben in einem von Zora entworfenen Palazzo. Dennoch engagieren sie sich beide für den politischen Widerstand gegen Mussolini. Zora ist herrisch, temperamentvoll, intelligent und begabt. Sie bewundert Josip Broz Tito, dem sie Waffen ins damalige Jugoslawien zu liefern versucht und dem ihr Mann einmal, sogar zweimal, das Leben rettet. Ihre drei Söhne Manfredi ( der Vater der Autorin), Greco und Davide erzieht sie mit strengem Regiment. Die wechselnden Hausangestellten sind ihr selten gut genug. Oftmals sind es Mädchen aus ihrer Heimat Slowenien, die sich um den Haushalt und um die Kinder kümmern. Als die Söhne so um die 17 Jahre alt sind, setzt sie alles daran, diese vom Krieg fernzuhalten. Die künftigen Schwiegertöchter sind ihr allesamt suspekt und die Enkel und Enkelinnen liebt sie mit einer kritischen Distanz.Der Palazzo der Del Buonos ist ein offenes Haus. Ständig gehen Leute ein und aus. Es gibt Abendessen und Einladungen, Freunde der Familie und Familienmitglieder kommen zu Besuch und abendelang wir über Politik,Medizin, Kunst und Kultur diskutiert. Zora ist eine durch und durch faszinierende Frau, die ihr Leben kompromisslos und geschickt gelebt hat.

Am Ende des Buches lesen wir einen eindrucksvollen Monolog der alten Zora—die in einem Altersheim in Slowenien ihren Lebensabend verbringt—über ihr gelebtes Leben. Ihr Mann Pietro hingegen verbringt seine letzten Jahre demenzkrank in Bari in einem Pflegeheim.

Die Marschallin ist eine grandiose Familiengeschichte mit einer zum Teil widersprüchlichen aber durch und durch faszinierenden Hauptakteurin Wir erleben die Geschichte der Familie Del Buono vom Jahr 1919 bis 1948 und dann den Zora-Monolog im hohen Alter im Jahre 1980. Del Buono schrieb man früher mit einem grossen D in Del—was auf eine adelige Herkunft hinweist. Erst die Söhne der kommunistischen Zora haben später das grosse D durch das kleine d ersetzt.

Entdecken Sie die grossartige Autorin Zora del Buono ( mit kleinem d) !

Carol Forster

Loslesen: „Die Marschallin“ von Zora del Buono, erschienen im Beck Verlag 2020

Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn

Dass es viel unbekanntes Wissen über Hühner gibt, merkt man schon beim Lesen der Inhaltsübersicht. Auf den ersten Seiten gibt es einen Überblick über verschiedene Rassen und deren Merkmale. Auch ein Ei sieht je nach Hühnerart völlig anders aus, genauso wie die Form der Kämme am Kopf. Zum Lernen gibt es viel, beispielsweise, dass ein Huhn gleichzeitig in verschiedene Richtungen schauen kann, weil es die beiden Augen unabhängig voneinander bewegen kann. Oder dass ein Huhn der Rasse «Jersey Giant» fast einen Meter gross wird. Eine Doppelseite ist den so unterschiedlich gemusterten Hühnerfedern gewidmet, eine andere gibt Auskunft darüber, was Hühner zum Leben brauchen, damit man möglichst viele Eier einsammeln kann.

Das vorliegende umfangreiche Buch bricht definitiv mit allen Vorstellungen, die Lesende sich über ein Hühner-Sachbuch machen. Man weiss nicht genau, ob man nun ein Kunst-, ein Bilder- oder Sachbuch in Händen hält. Wer sich bisher noch nicht für Hühner interessiert hat: Nach dem Lesen und Betrachten dieses Buches wird sich das mit Sicherheit ändern. Ganz egal wie alt man ist, ganz egal, ob man über Hühner schon Bescheid weiss oder nicht. Man kommt aus dem Staunen einfach nicht mehr heraus. Ein einmalig schönes Familienbuch mit fast 80 Seiten, das aber auch in keiner Schulbibliothek fehlen sollte.

Maria Riss

Barbara Sandri / Francesco Giubbilini: Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn. Wissenswertes über unser liebstes Federvieh. Verlag Kleine Gestalten 2020.

Dicke Leser losgelöst

Mit Eifer haben wir uns, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Oktober-Runde von „Gute Bücher für dicke Leser“, zu Hause in Malina gestürzt – und sind, bis auf eine Ausnahme, nur stockend vorwärts gekommen oder gar ganz stecken geblieben. Ein zähes Buchgespräch liess das erwarten. Doch, mitnichten! Engagiert, gefühlvoll und präzise diskutierten wir mit und um, auch dank, Malina über ein Leben in Kunst, Depression, Gedicht und Roman, die Genauigkeit von Poesie und vieles mehr. Was für eine wunderbare Erkundigung der eigenen Wünsche und Gedankenwelt. Danke Ingeborg Bachmann!

Am Dienstag den 8. Dezember um 18.45 Uhr sprechen wir im Bücherladen Appenzell über „Bouvard und Pécuchet“ von Gustave Flaubert. Ein Buch, das schon eine ganze Weile in mehr als einem Kopf herumlungert und nun endlich gelesen werden will.

Soll es die alte Diogenesübersetzung oder die neue Fischerausgabe sein? Gleich bestellen und loslesen. Wir freuen uns auf deine Gedanken zum und rund ums Buch herum. Anmeldung unter mail@bücherladen-appenzell.ch. A beintôt!

Oktobergedicht

Ein kleines Lied

Ein kleines Lied! Wie geht`s nur an,
Dass man so lieb es haben kann,
Was liegt darin? erzähle!

Es liegt darin ein wenig Klang,
Ein wenig wohllaut und Gesang
Und eine ganze Seele.

Marie von Ebner-Eschenbach aus „Frauen / Lyrik – Gedichte in Deutscher Sprache“ Reclam Verlag 2020.

„Kleiner Frühling“ – Save the date!

Wir sind schon mitten in der Planung und vorfreuen uns riesig auf unser
Buch Kunst Fest „KLEINER FRÜHLING“
an Pfingsten 2021!

„Kleiner Frühling – Grosse Frauen“ – Save the date!

21. – 24. Mai 2021

Mit Anna und Marcella hinter dem Ladentisch

Ein toller Samstag mit Anna und Marcella! Auspacken, verpacken, verräumen, bestellen, kassieren, beraten und alles was zum Buchhändler*innendasein dazu gehört..

Monica Dörig hat das ganze Projekt in einem wunderbaren Artikel im Volksfreund vorgestellt

Kunst und Bücher am Wochenende

Wer die Wahl hat, hat die Qual und dazu die Freude, dass beides sich wunderbar verbinden lässt.

Die Appenzeller Künstlerin (und Bücherladenfreundin) Sabine Luger öffnet ihr Atelier und gibt Einblick in ihr Schaffen. Warum nicht morgen Abend dort zusammen anstossen und schauen?

Am Samstag gibt es ein Bücherbuffet vom Feinsten. Der Künstler und Verleger Josef Felix Müller lädt erstmals in sein neus Atelier ein. Der Vexer Verlag legt am langen Tisch seine Bücher aus und seine Autor*innen präsentieren neue Werke. Für Überraschungen und Trouvaillen kann nicht gehaftet werden!

Hoffentlich bis bald, dort oder dort oder hier!

Bildgewaltiges Lesevergnügen

Allerlei Neuheiten tummeln sich dieser Tage im Bücherladen, beinahe sieht man vor lauter Büchern die Regale nicht mehr. Bücherwürmer frohlocken – die Herbstneuheiten sind da!
Auch die Welt der Comics und Graphic-Novels schläft nie. Die Künstlerischen Ausdrucksweisen und der Ideenreichtum all dieser Neuheiten sind kaum zu beschreiben. Kurz – die Qualität treibt Comicliebhaberinnen und Comicliebhabern die Tränen in die Augen.

Aus dieser wahren Flut der Buchstaben- und Bilderwonne, möchte ich Ihnen drei Titel ans Herz legen, die das meine höher schlagen lässt.

Heiligtum (Xavier Dorison / Christophe Bec)

Beginnen wir mit einer Neuheit, die streng genommen keine Neuheit, sondern beinahe ein Klassiker ist. Die drei Alben der Serie «Heiligtum» erscheinen erstmals als Gesamtausgabe, die sich sehen lässt.
In diesem nautischen Abenteuer stösst die USS Nebraska, ihres Zeichens eines der modernsten Uboote in der Flotte der US-Navy, im Jahre 2029 auf ein seltsames Signal in der Tiefe, dem es nachzugehen gilt. Nebst des Wracks eines sowjetischen Unterseeboots aus den späten 1950ern stösst die ausgesandte Crew auf eine uralte Tempelanlage, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint.
Mit einem unbekannten Grauen konfrontiert – und den zwischenmenschlichen Komplikationen einer Extremsituation – beginnt der Kampf ums Überleben.
Komplex, bildgewaltig und bedrückend lässt das nahtlose Zwischenspiel der beiden Künstlern Bec und Dorison Lesende wohl an keiner Stelle kalt.

Wild West Band 1: Calamity Jane (Jacques Lamontagne / Thierry Gloris)

Neue Western müssen sich immer einer kritischen und eingefuchsten Leserschaft stellen. Zu viele Geschichten wurden zu oft und auf zu ähnliche Weise erzählt.
«Wild West» braucht sich aber keinesfalls zu verstecken. Mit «Calamity Jane» wird einer schillernden Persönlichkeit des wilden Westens auf erfrischende Weise Tribut gezollt.
Nach dem tragischen Verlust ihrer Eltern versucht Calamity Jane den Kopf über Wasser und sich aus Schwierigkeiten rauszuhalten. Als Hausangestellte eines Freudenhauses lassen diese aber nicht lange auf sich warten. In die Schuld des Bordellbetreibers geraten, scheint ihr Schicksal vorbestimmt. Wild Bill, der berüchtigte Kopfgeldjäger, glaubt eine unbändige Kraft in Calamity Jane zu erkennen. Wird es ihm gelingen, in ihr das Feuer zu entfachen, das ihre Fesseln sprengen könnte?
Dem Künstlerpaar gelingt es. das Leben der eigenwilligen Protagonistin mit einer Mischung von historischen Fakten und glaubhafter Fiktion nachzuerzählen.
Der Band eignet sich nicht nur für Fans des Genres, viele werden sich vom spannenden Plot und den eindrücklichen Bildern begeistern lassen.

Gideon Falls Band 4: Die Pentoculus-Maschine

Diese Serie ist in jeder Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung.
Stilistisch einzigartig und mit erzählerischer Brillanz spielt diese Geschichte mit Konventionen, Genres und nicht zuletzt, den Lesenden. Mit dem ersten Band «Die schwarze Scheune» beginnt eine Odyssee, welche die Leserschaft nicht mehr loslässt.
Auf der einen Seite lernen wir den neurotischen, von einer Psychose geplagten, Einzelgänger Norton kennen. Dieser durchwühlt den Müll der Stadt auf der Suche nach Nägeln und Holzsplittern. Warum weiss er nicht genau, nur dass es wichtig ist und er nicht damit aufhören kann. Auf der anderen Seite folgen wir dem Pater Fred, der weit aufs Land verbannt in einem kleinen Kaff in einer grossen Einöde die grosse Langeweile befürchtet. Doch in Gideon Falls tun sich Abgründe auf, die den Pater alle Langeweile vergessen lassen.
Wie hängen die beiden Geschichten zusammen? Was passiert in Gideon Falls? Und was hat all das mit dieser mysteriösen schwarzen Scheune zu tun?
Ziehen Sie sich warm an, Gideon Falls lässt einem nicht mehr los.

Can Tolga

Stark!

Unser Abend mit Roland Stark am Dienstag 15. September 20 Uhr hat noch ein paar Plätze frei!

Septembergedicht

Erklär mir, Liebe

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat’s Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,
das Zittergras im Land nimmt überhand,
Sternblumen bläst der Sommer an und aus,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen –

Erklär mir, Liebe!

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,
die Taube schlägt den Federkragen hoch,
vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,
der Entrich schreit, vom wilden Honig nimmt
das ganze Land, auch im gesetzten Park
hat jedes Beet ein goldner Staub umsäumt.

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm
und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.
Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion.
Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;
hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,
daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,
und nähm den Weg zum fernen Erdbeerstrauch!

Erklär mir, Liebe!

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an der Hand,
im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt.
So arglos tritt die Schnecke aus dem Haus!

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermißt?

Du sagst: es zählt ein andrer Geist auf ihn …
Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

Ingeborg Bachmann, Gedichte 1948 – 1957, Hörverlag

Ein Mann für alle Fälle

Er heisst Hans, dieser Mann für alle Fälle. Hans hat einen wirklich tollen Job: Er arbeitet für den Präsidenten, erledigt für ihn gewissenhaft alle anfallenden Arbeiten, auch wenn ihm diese manchmal nicht gar so sinnvoll erscheinen. Wenn Hans alles zur vollen Zufriedenheit des Präsidenten ausführt, darf er in absehbarer Zeit auf den Koffer des Präsidenten aufpassen. Dieser Koffer ist äusserst wichtig, denn ein roter Knopf daran kann die Welt zum Explodieren bringen. Auf dem Nachhauseweg trifft Hans auf einen, der ihm verflixt ähnlichsieht. Dieser Typ nimmt ihm nicht nur Schlüssel, Portemonnaie und Uniform ab, sondern auch den Job beim Präsidenten. Hans geht zur Polizei, aber beweisen, dass er, er selber ist und der andere ein Lügner, das gelingt Hans einfach nicht. Erst im Detektivbüro von Fräulein Cadmium findet er Unterstützung. Er will wieder sich selber sein und diesen fiesen, äusserst gefährlichen Betrüger stellen, um ihn hinter Gitter zu bringen. Weil das Land zugleich von einer fremden Macht bedroht wird, spitzt sich die Lage zu. Hans und Fräulein Cadmium müssen den Betrüger und vor allem den Koffer des Präsidenten unbedingt schnellstmöglich finden. Sonst, ja sonst fliegt vielleicht tatsächlich die ganze Welt in die Luft.
Einfachheit und bewusstes Weglassen sind wohl die Hauptmerkmale dieser so kunstvollen Graphic Novel. Auch bei der Farbgebung setzt der Autor bewusst Akzente. Manche Bilder sind schwarzweiss, andere mit einem flächigen Pastellton koloriert und mitunter werden gewisse Figuren mit kräftiger Farbe akzentuiert. Der Plot ist überaus spannend und leider auch aktuell, die kurzen Sätze in gut lesbarer Handschrift mit den Bildern verwoben. Auch Lesende, die sonst kaum je zu Comics oder Graphic Novels greifen, werden dieses Buch mit seinen 138 Seiten nicht nur gern zu Ende lesen, sondern ihren grossen Spass daran haben. Für Kinder ab etwa 8 Jahren genauso wie für Erwachsene.

Maria Riss

Øyvind Torseter, Ein Mann für alle Fälle, Gerstenberg Verlag 2020

lesen, empfehlen, verkaufen!

Endlich ist es wieder soweit!

Zum zweiten Mal überhaupt und zum ersten Mal im neuen Bücherladen findet unser Kinderprojekt statt. Acht Kinder aus Appenzell und Umgebung haben Bücher gelesen und Empfehlungen dazu geschrieben.

Kinder und ihre individuellen Leseinteressen wahrnehmen, ihre ganz persönlichen Meinungen über Gelesenes ernst nehmen, waren und sind oberste Ziele dieses Projekts. Vor allem an den beiden Verkaufstagen, wird zudem das Gespräch über Gelesenes im Zentrum stehen.

Wir hoffen und freuen uns auf möglichst viele Besucherinnen und Besucher an der Vernissage am Freitag 11. September um 17 Uhr im Bücherladen
Begleitet von musikalischen Leckerbissen der Musikschule Appenzell.

An den beiden Samstagvormittagen – 12.9 & 19.9. – stehen die Kinder hinter dem Ladentisch und freuen sich sicherlich über zahlreiche Kundinnen und Kunden.

 

Maria Riss

Kinder_Flyer_20ABlogKinder_Flyer_20Bblog

 

Lesung mit Roland Stark!

Wir freuen uns auf die erste Lesung im Bücherladen am neuen Standort.

Der gebürtige Appenzeller Roland Stark kehrt mit seinem neuen Buch in die Heimat zurück und liest aus seinen Kolumnen, erschienen in der Basler Zeitung. Landammann Roland Inauen begrüsst und führt im Anschluss ein Gespräch mit dem Autor.

Roland_stark_bearbe

 

„Beim Lesen habe ich schon ausgerufen: Volltreffer, Roland. Seine Kolumnen sind für mich immer ein Genuss.“

Helmut Hubacher, ehemaliger SP-Präsident und Nationalrat

„Roland Starks Kolumen sind ein wöchentlicher Lesegenuss, stets erfrischend unideologisch, sprachgewandt, kenntnisreich, humorvoll bis sarkastisch, kurzum: lesenswert und echt stark!“

Barbara Schneider, ehemalige Regierungsrätin (SP)

 

Dienstag 15. September 2020
20 Uhr im Bücherladen

 

Aufgrund der besonderen Umstände, sind wir auf Anmeldungen angewiesen, da die Platzzahl beschränkt ist und so die Schutzmassnahmen eingehalten werden können  – wie schön ist der neue Bücherladen so gross!

 

Bitte Anmeldung bis am Donnerstag 10. September 2020 per Mail: mail@buecherladen-appenzell.ch oder Telefon: 071 787 29 30

 

Die dicken Leser in der schönen neuen Welt

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Die Bücherladen-Lesegruppe „Gute Bücher für dicke Leser“ draussen und drinnen wunderbar verköstigt, in einer gottseidank nicht schönen neuen Welt, sondern meist schönen alten Welt am Hang vor Brülisau.

Was Aldous Huxley vor rund 90 Jahren schrieb, zieht immer noch kräftig, rein in die Geschichte und vor allem rein in den Kopf. Die grosse Frage: Was sind wir bereit für ein glückliches Leben zu opfern? Machen wir es uns gemütlich in einem Staat, der die Unabwägbarkeiten des Leben ausradiert? Verführerisch: Niemand muss leiden, weil es Soma gibt, eine Art Droge, die grosse und kleine Zimperlein in Wohlgefallen auflöst. Alle sind zufrieden mit ihrer Situation im Leben, weil sie der Staat durch frühkindliche Konditionierung dazu bringt, ihre gesellschaftliche Stellung als natürlich und deshalb gerecht zu empfinden. Und trotz all der Erziehungs-Kontrolle und der Drogen, scheint es etwas zu geben, da drin im Menschen, das aufflackert, wirr macht, Fragen stellen lässt und durch Wissenschaft, Philosophie und Kunst im tiefsten Innern berührt wird. Die schöne neue Welt schickt diese Soma-Verweigernden Nörgler ins Exil nach Island. Und wir Leserinnen wünschen uns, dass deren Feuer, ihre Leidenschaft, nicht erlöschen möge.

Also Konditionierung für alle? Nein! Soma für die Unglücklichen? Nein! Wir wählen mit Huxley die Freiheit, Leiden zu dürfen. Und finden und finden nicht heraus, wo genau da die Grenze zu ziehen wäre. Vielleicht eine Lösung: Immer weiter darüber nachdenken und reden. Und dabei auch die Kunst als Boden wählen. Also auf ins nächste Buch!

P.S.: Und die Wortschöpfungen Huxleys! Wie „penumatisch“ definiert werden könnte – wir sind noch zu keinem Ergebnis gekommen. Ich finde es ja ein bisschen wädudi, wie Tante Mirjam sagen würde …

 

Melina Cajochen

 

Als nächstes wandern wir durch die Seiten von Ingeborg Bachmanns „Malina„. Auf Mitlesende, -plaudernde und -diskutierende freuen wir uns! Anmeldung gerne über mail@buecherladen-appenzell.ch. Wir treffen uns am Dienstag den 22. September um
19 Uhr im Bücherladen Appenzell.

 

Augustgedicht

WHO SAID IT WAS SIMPLE

There are so many roots to the tree of anger
that sometimes the branches shatter
before they bear.

Sitting in Nedicks
the Women rally before they march
discussing the problematic girls
they hire to make them free.
An almost white counterman passes
a waiting brother to serve them first
and the ladies neither notice nor reject
the slighter pleasures of their slavery.

But I who am bound by a mirror
as well as my bed
see cause in color
as well at sex.

and sit here wondering
which me will survive
all these liberations.

 

WER SAGTE, ES SEI EINFACH

Zum Baum des Zorns gibt es so viele Wurzeln
dass die Äste manchmal brechen
bevor sie tragen.

Bei Nedicks sitzend
treffen sich die Frauen bevor sie marschieren
sprechen sie über die schwierigen Mädchen
die sie einstellen damit sie frei sind.
Ein fast weisser Barkeeper übergeht
einen wartenden Bruder um sie zuerst zu bedienen
und die Damen nehmen
die vordergründige Annehmlichkeit ihrer Sklaverei
weder zur Kenntnis
noch weisen sie sie zurück.

Aber ich die ich bestimmt bin von meinem Spiegel
und meinem Bett
sehe Ursachen in der Hautfarbe
ebenso wie im Geschlecht

und sitze hier und frage mich
welches meiner Ichs wird
all diese Befreiungen überleben.

 

Aus „Die Quelle unserer Macht“ von Audre Lorde (1934-1992), Gedichte erschienen im Unrast Verlag 2020