Ein wahrer Leckerbissen!

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Ganz in „Die Reifeprüfung“-Atmosphäre (der coolcoolcoole Film mit Dustin Hoffman und mit Liedern von Simon & Garfunkel) erzählt uns Barnes die Geschichte einer ersten grossen Liebe. Der 19-jährige Paul, in den Semesterferien zu Hause in der Vorstadt, verliebt sich in Susan, die fast zwanzig Jahre älter ist als er. Sie ziehen zusammen, in die Stadt, und beginnen ein ganz neues Leben. So wähnt Paul. Doch die Menschen in diesem Leben sind nicht neu, nicht unbeschrieben. Er muss erfahren, dass diese Liebe mehr verlangt, als er geben kann.

Gültige Sätze über die Liebe findet Paul nicht. Und so macht die Geschichte seiner ersten grossen Liebe und deren Ende keinen Sinn für ihn. Trotzdem lesen und hören wir mit Gewinn davon. Ein wunderbar schön trauriges Buch zum Mitschwelgen und, doch, Sätze sammeln.

Melina Cajochen

 

Julian Barnes, Die einzige Geschichte, Kiepenheuer&Witsch 2019

 

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Fröhliche Romantik

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Die Epoche «Romantik» (ca. von 1795 bis 1848) steht für Individualität, Bewusstheit der Gefühle, Leidenschaft, Fernweh und die Hinwendung zur Natur.

Eichendorffs Klassiker entspricht der Beschreibung einwandfrei.

Ein junger Mann, der lieber Geige spielt und die Zeit geniesst, anstatt zu arbeiten, wird von seinem Vater fortgeschickt «um sich sein Brot selber zu verdienen» und so zieht der Taugenichts hinaus in die Welt um sich dort «sein Glück zu machen». Welches ihm kurz darauf wortwörtlich vor die Füsse fährt. Junge Damen in einer Kutsche sind erfreut von seinen Geigenklängen und laden den Herrn ein, mit ihnen nach Wien aufs Schloss zu fahren. Dort arbeitet er für längere Zeit und verliebt sich in ein junges Fräulein, das seine Liebe jedoch nicht gleichermassen erwiedert. So bricht er eines Morgens heimlich vom Hof auf, neuen Abenteuern entgegen.

Nach allerlei Verwirrungen, Verwechslungen und viel Glück spaziert Taugenichts eines Tages in Rom ein. Die Angebetete soll nämlich auch hier sein…

Eine beglückende Geschichte mit heiteren Aussagen über die Natur und das Leben, bereichert mit fröhlichen Gedichten – eine Geschichte für alle und besonders für die Verträumten unter uns…

 

Noemi Lieberherr, Lernende

 

Aus dem Leben eines Taugenichts, Joseph von Eichendorff, Insel Verlag mit tollen Bilder von Hans Troxler

Das tollste Schwein

Die Geschichten des so eingebildeten Schweins Eduard Speck gehören mittlerweile zu den Klassikern der neueren Kinderliteratur. Eduard Speck lebt auf einem Bauernhof und ist überzeugt davon, dass er nicht nur das schönste, sondern auch das klügste und stärkste Schwein auf Gottes Erdboden ist. In jeder der 29 Geschichten will er dies den anderen Tieren auf dem Bauernhof erneut beweisen. Leider gehen aber seine Unternehmungen wirklich jedes Mal schief. Die Tiere haben sich an seine Aufschneidereien und sein Besserwissen gewöhnt und nehmen das Ganze recht gelassen. Aber ihn necken und verspotten, das tun sie schon. Wenn er beispielsweise den Fröschen befiehlt, das Quaken ab sofort zu unterlassen, weil er seinen Schönheitsschlaf brauche, oder wenn er versucht, den Schornstein in der Küche auszufegen und dafür ziemlich derbe Schläge mit dem Besen kassiert. Alle Tiere auf dem Hof haben einen speziellen Charakter, dies hat Wolf Erlbruch in seinen Bildern in gekonnter Manier ganz wunderbar eingefangen. John Saxbys Sprache ist wunderschön, oft ironisch und mit einem schmunzelnden Unterton. Diese feinen Andeutungen und die Details, die nicht explizit im Text stehen, stellen recht hohe Anforderungen an die Lesenden. Aber was man im Text nicht versteht, das wird in den Bildern deutlich gemacht. Die einzelnen Abenteuer von Eduard Speck lassen sich unabhängig voneinander geniessen und eignen sich deshalb sehr gut zum Vorlesen. Ein spezielles und kostbares Buch für Kinder ab etwa 8 Jahren und für Erwachsene.

Maria Riss

 

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John Saxby, Alle Abenteuer von Eduard Speck, mit Bildern von Wolf Erlbruch

 

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Februargedicht

 

Sommer

Letzten Sommer hinterliessen zwei diskrete junge Schlangen ihr Häute
auf meiner kleinen Veranda, an zwei aufeinanderfolgenden Morgen. Da ich

jetzt postmodern bin, gab ich vor, sie nicht
zu bemerken, nicht zu verstehen, was schon lange in mir

kreiste. Stattdessen schimpfte ich stündlich
mit meinem Sohn, er solle nicht ständig widersprechen. Ich schälte

eine Banane. Und verfluchte Gott – Seine Arroganz,
Seine Frechheit -, von uns immer noch Ergebenheit zu erwarten,

nach der Erschaffung der Liebe. Und der Moskitos. Ich zeigte
meinem Sohn die papierenen, toten Häute, damit auch er

wusste, wie es sich anfühlt, wenn etwas – zweimal – an deiner
Tür auftaucht und dir klar macht, was du schon längst weisst.

Robin Coste Lewis

 

In: Robin Coste Lewis, Die Reise der schwarzen Venus. Poems, Steidl Verlag Göttingen 2017.

Die zehn Lieben des Nishino

Endlich, der neue Roman von Hiromi Kawakami! Seit „ Der Himmel ist blau, die Erde ist weiss“ (2008) sind vier Romane der japanischen Autorin erschienen. Alle habe ich mit Begeisterung gelesen. „Die zehn Lieben des Nishino“ erzählt in zehn Kapiteln die Lebensgeschichte des Mannes Nishino Yukihiko. Zehn Frauen erzählen ihre persönliche Liebesgeschichte mit diesem bemerkenswerten, auf den ersten Blick unauffälligen Mann. Nishino fragt seine Freundin „ Warum ist die Welt so unendlich“ und betrügt sie gleich mit der nächsten. Er kann nicht lieben und macht dennoch fast jeder seiner Geliebten einen Heiratsantrag. Seine Chefin schwört, nichts mit ihm anzufangen, bis er sie aus heiterem Himmel verführt. Eine Frau, mit der er eine Telefonliaison hat, vergleicht ihn mit einer Marimo-Alge, die als samtige Kugel auf dem Grund eines Sees liegt. In seinen Fünfzigern möchte er zusammen mit seiner viel jüngeren Geliebten sterben, doch so weit will sie nicht mit ihm gehen. Nishino, als junger Mann und bis ins höhere Alter ein Suchender, ein Liebender, dem die Frauen verfallen. Und dennoch schwebt über allen Geschichten die Flüchtigkeit des Augenblicks. Die Flüchtigkeit der modernen Liebe, die sich nicht festlegen will. Hiromi Kawakami erzählt mit einer zarten, leichten und eindringlichen Sprache von der Liebe, die keinen Halt finden kann in den Figuren, die ihr verfallen.

Hiromi Kawakami, Die zehn Lieben des Nishino, Hanser Verlag

diezehnlieben.jpegAuch der Umschlag ist zum Anbeissen.

 

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Polly ist 11 und East 15

Zwei mal das erste Mal und bei beiden gibt es keine Abstriche. Jordan Harpers „Die Rache der Polly McClusky“ begeistert und bewegt. Nicht anders sieht es mit dem Erstling „Dodgers“ von Bill Beverly aus.

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East steht Schmiere vor einem Drogenhaus in Los Angeles. Dann geht einiges schief. Zusammen mit dem dicken Walter, dem angeberischen Michael und seinem jüngeren, brandgefährlichen Bruder Ty fährt er in den mittleren Westen. Ihre Aufgabe: einen vermeintlichen Zeugen umbringen. Natürlich geht nicht alles glatt für die vier schwarzen Jungs, die vorher noch keinen Schritt aus der Grossstadt heraus gemacht haben. Es gibt Tote – mehr als erwünscht – und einige dramatische Wendungen. Bill Beverly entwickelt eine fein erzählte Geschichte, die verschiedene Genres gekonnt mischt, die poetische Momente zulässt und trotzdem den unterschiedlichen, meist trostlosen Realitäten, verpflichtet ist.

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Während East auf der Jagd ist, erzählt Jordan Harper von Polly und ihrem Vater Nate. Der ist aus dem Gefängnis ausgebrochen, hat aber die hässliche Hypothek, dass die Gang Aryan Steel ihn und seine ganze Familie auf die Todesliste gesetzt hat. Nate und Polly mit ihrem Teddybären fliehen, wehren sich, finden zusammen. Doch gibt es wirklich Sicherheit vor den allgegenwärtigen Gangmitgliedern? Spoilern wir nicht. Nur soviel: Polly lernt sich zu wehren. Und Nate verfolgt sein Ziel mit aller Konsequenz: Ich rette meine Tochter. Um jeden Preis.

 

Reto Pfändler

 

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Wer ist Stella?

 

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Stella ist …

Carol: … eine starke literarische Frauenfigur, die man unbedingt kennen lernen sollte.

Anna-Lena: … eine Liebende, die sich in unmenschlichen Zeiten für ihre Familie aufopfert.

Vanja: … sinnlich, faszinierend, leichtfertig, rücksichtslos – und in Bedrängnis.

Melina: … eine genussfreudige Frau in einer Zeit, in der es nicht einfach war, gute und kluge Entscheidungen zu treffen.

 

… ein Buch, so packend geschrieben, dass man es in einem Zug verschlingt – ein Lieblingsbuch dieses Frühjahres!

 

Takis Würger, Stella, Hanser Verlag 2019.

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Am fast runden Tisch …

… sitzen die Bücherladenfrauen (plus ein junger Gastsitzer), feiern die drei Könige und planen das Jahr. Ein neuer Drucker muss her, an den Arbeitsplänen wird gefeilt, der kleine Frühling naht, die Märlistunde wird vorbereitet, Leseerfahrungen geteilt … und und und und. Das Jahr nimmt Tempo auf!

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Winesburg, Ohio

 

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Sherwood Anderson, Winesburg, Ohio, btb Verlag 2015

 

Dieses Buch mit seinen berührenden Porträts hat mein Herz gewonnen. Es ist ein Buch, das wärmt und tröstet, ein Buch zum Immer-wieder-Lesen.
Die Porträtierten leben in der Kleinstadt Winesburg oder sind dort aufgewachsen. Mit leichter Hand deutet Sherwood Anderson Berührungspunkte zwischen den Bewohner*innen an, leuchtet Hoffnungen und versagte Wünsche aus und schafft so eine wunderbare Atmosphäre der respektvollen Nähe. Die herzergreifenden Geschichten, die auch das Böse nicht aussparen, und der liebevolle Blick, gepaart mit einer tollen Sprache und einem klugen Textaufbau, vermögen eine Fülle zu schaffen, in der es wuchert, wächst und stirbt. Und dann wieder spriesst.
Sherwood Anderson schafft es, mich immer wieder mit dem Leben zu versöhnen. Ein Leben ohne Aneinanderreihung brillanter Momente, ohne Meditations-Kurs-unterstützte Auffindung vom Glück im Kleinen, ohne fünf A4-Seiten-Plan zur Selbstverwirklichung. Aber nichtsdestotrotz echt – wie das der Bewohner*innen von Winesburg, Ohio.

 

Melina Cajochen

 

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Januargedicht

 

Oben Himmel, unten Himmel,
sagt das Orakel, dazwischen,
flüchtig eingewurzelt,
etwas wie offenes Glück,
das ahnt, oben ist unten,
hell ist auch dunkel.

Erica Engeler

In: Lichtungen. Gedichte, Waldgut Verlag 2018.

Für Kurzentschlossene und Langatmige

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Ich muss ehrlich gestehen, ein 700-seitiger Roman über China Mitte des 19. Jahrhunderts, einem historischen und geographischen Raum, der mir absolut unbekannt war, hätte ich nicht ohne weiteres in die Hand genommen. Was für ein Glück, dass die überwältigend guten Kritiken, die dem Roman unter anderem bescheinigen, eine Allegorie auf unsere Gegenwart zu sein im Hinblick auf religiös und wirtschaftlich motivierte Konflikte, meine Neugier doch geweckt haben, denn man wird reich belohnt bei der Lektüre von Stephan Thomes König der Barbaren.

Der Roman liest sich als Allererstes als unterhaltsamen Abenteuerroman in bester Manier, bei dem Intrigen und Machtspiele, Verhandlungen, Schlachten und leise Liebesmomente nicht fehlen. Durch den geschickten Wechsel der Protagonisten und der Perspektiven, lernt man die verschiedenen Konfliktparteien, die sich im Roman gegenüberstehen, kennen. Es geht zum einen um den Taiping-Aufstand, der eine spezielle Auffassung der christlichen Lehre zugrunde lag und der sich zu einem Bürgerkrieg mit offenbar bis zu 30 Millionen Todesopfern entwickelt hat und zum anderen um Englands Kolonialkrieg in China, bei dem die Legalisierung des Opiumhandels die Triebfeder des Handelns war. Treffend bemerkt ein mitgeschwemmter Missionar der Basler Mission den Kern der chinesischen Kolonialisierung: «Weil wir das Land nicht verstanden, in dem wir lebten, versuchten wir es nach unseren Vorstellungen zu verändern. Wir wähnten uns im Besitz der Wahrheit und waren bereit, sie zu teilen, aber in Wirklichkeit verteilten wir sie wie Almosen. Der Fortschritt, den wir brachten, machte uns reich und alle anderen zu unseren Knechten.»

Das siechende chinesische Kaiserreich, einst eine Hochkultur, mittlerweile regiert von korrupten Bürokraten aus der Kaiserfamilie, hat diesen Bedrohungen nicht mehr viel entgegenzusetzen. Mit Hilfe der Engländer, die sich natürlich immer «neutral» verhalten, gelingt es ihnen zumindest den Aufstand niederzuschlagen aber gegen den aufgezwungenen Handel sind sie schlussendlich machtlos.

Gespickt mit historisch belegten Figuren, wie beispielsweise General Zeng Guofan, Chef der Hunan-Armee oder Lord Elgin, Sonderbotschafter der britischen Krone, «the man who opened China», der sich seines Kulturverbrechens bewusst, den Alten Sommerpalast niederbrennen lässt, kann man den Roman also auch als historisches Sachbuch lesen und profitiert dabei von den profunden Kenntnissen Stephan Thomes, der Sinologie und Philosophie studiert hat und mittlerweile in Taipeh lebt. General Zeng Guofan wiederum ist eine der Figuren, die den Leser in die faszinierende Welt des chinesischen Denkens und der chinesischen Ästhetik einführt und so eine dritte, eine kulturelle Lesart, vorschlägt.

Leider scheitern die unzähligen Vermittlungsgespräche, die alle Seiten miteinander zu führen versuchen, am kulturellen Unverständnis – die Anderen bleiben immer die Anderen und die Barbaren, das sind auch immer die anderen.

 

Anna-Lena Fässler

 

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Röntgenblick in die Geschichte

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Vera Buck- Das Buch der vergessenen Artisten. Limes Verlag, 2018

Mathis ist ein mutiger Einzelgänger, der in einem Wohnwagen lebt. Er schreibt heimlich ein Buch und er liebt eine aussergewöhnliche, ja eine aussergewöhnlich starke Frau. So oder ähnlich könnten viele Liebes- und Lebensgeschichten beginnen. „Das Buch der vergessenen Artisten“ ist da allerdings überraschend anders als erwartet. Vera Buck entführt in die Welt der Jahrmarktkünstler, die sich am Rande, der sich in den 30er Jahren nazifizierenden deutschen Gesellschaft, bewegt. Wunderbar leicht, ernsthaft und frei erzählt sie vom Verschwinden dieser Subkultur. Der unangepassten, eigenwilligen und oft auch skurrilen Einzelgänger und Jahrmarktkünstler. Durch das erstarkende Naziregime bedroht, leben der Röntgenkünstler Mathis und seine Partnerin, die Kraftfrau Meta, bescheiden in einer Wohnwagensiedlung bei Berlin. Aber den Bedrohungen ihrer Zeit können sie nicht entgehen: die Bühnen werden geschlossen und Auftrittsverbote werden verhängt. Menschen verschwinden über Nacht und der Alltag wird immer beschwerlicher. Nur noch in geheimen Clubs und Künstlertreffs lebt die Vergangenheit weiter.

Vera Buck schreibt – genau wie ihr Protagonist Mathis – in zweifacher Hinsicht gegen das Vergessen: sie erinnert an die lebendige Kultur der Jahrmarktartisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts und an einzelne Künstler aus diesem Milieu, auf deren Spuren sie sich in umfangreichen Recherchen gemacht hat. Ihnen wird in diesem aus- und einladenden Buch ein sympathisches, dringend nötiges und süffig zu lesendes Denkmal gesetzt.

 

Brigitta Schmid

 

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Sag’s mit einem Buch…

Endlich geht es wieder los… der Diogenes Verlag hat eine Kiste Mandarinen und Baumnüsse geschickt, die Bücherauslieferung schenkt pünktlich die feinen Erdnüssli aus dem Caffè Ferrari und Heike, unsere Vertreterin bringt Guetzli und einen Tee, der tatsächlich nach Sahne und Karamell schmeckt. Es ist wie Weihnachten.

Die kurzweiligen, turbulenten Tage vor dem grossen Fest sind besonders. Nebst Fingerfertigkeit im Päckeln steigt die Freude. Wenn man zusammen das perfektes Geschenk gefunden hat. Wenn fremde Leute anfangen sich Büchertipps zu geben. Wenn die Kleinen ganz vertieft im „Briefträger Maus“ verschwinden. Wenn noch jemand nach Ladenschluss auf ein Glas Prosecco bleibt. Wenn man im Hinterzimmer sitzt und das Lachen von vorne bis dahin schallt.

Bücher sind so viel. Auch dicke Briefe an Freunde. Wusste schon Jean Paul. Einen Freund zu haben ist das grösste Geschenk. Sag’s ihm doch. Mit einem Buch.

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Kommen Sie zu uns in die gute Bücherladen-Stube und wir finden zusammen das Buch, das genau das sagt, was Sie sagen wollen. Wir freuen uns!

Nighthawks

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Vier Menschen in einer Bar, irgendwo in einer amerikanischen Stadt – das Bild „Nighthawks“ von Edward Hopper aus dem Jahr 1942 ist Kult. Ich gebe es zu: Ich liebe Hopper und sein Werk. Und nun kommt Lawrence Block – ein von mir sehr verehrter Autor – nimmt sich eine Reihe von Hoppers Bildern und lädt hervorragende Autorinnen und Autoren ein, zu jedem Bild eine Geschichte zu schreiben. Herausgekommen sind 17 Stories zu berühmten Gemälden des weltbekannten Malers. Die Menschen in Hoppers Bildern wirken immer irgendwie einsam, vom Leben an einen Ort gestellt zu dem sie erst noch die Verbindung suchen müssen. Kurz, eine perfekte Ausgangslage für Schreibende wie Michael Connelly, Lee Child, Stephen King und andere, diese Menschen in eine Kurzgeschichte zu weben. Natürlich hat auch Lawrence Block dies getan.

„Nighthawks“, so der Titel dieser genialen Sammlung, ist eine Hommage an Edward Hopper, an die Meisterschaft der kurzen Form und ein abwechslungsreiches Vergnügen.

Reto Pfändler

Lawrence Block, Nighthawks, Stories nach den Gemälden von Edward Hopper, Droemer 2018

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Dezembergedicht

Advent

Wo kommt denn plötzlich
diese Weite in mir her –

mit dem Duft von Zimt und Kardamom,
der Fernsicht in andere Zeiten,

während um mich Alt und Jung
mit Tüten voller Glitzerkram
in alle Windrichtungen flitzt,
und am Strassenrand ein Mann
in sich versunken Akkordeon spielt?

Wo kommt denn diese Weite her,
die aus dem Nichts mich überfällt –

trotz Bise und tropfender Nase,
mitten im Lockvogelgezwitscher,
unter tausend goldnen Sternen,
die an den Drähten prangen?

Diese Weite –

mit von weiss nicht wo
vertrauten Klängen,
die Wehmut mit Heiterkeit paaren.

Als ob es
im Dickicht der Dinge
eine Lichtung gäbe.

Andrea Maria Keller

 

Aus: Andrea Maria Keller, Vielstimmig, Gedichte, Edition Howeg, Zürich 2018

In den Advent flanieren

Gestern Abend sind wir beim Platteneck mit Worten und Klängen in den Advent begleitet worden. Und sanft gestrichene Hallelujas erweckten die Weihnachtsbeleuchtung in den Strassen und Schaufenstern zum Leben – magisch!